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TV-Film „Club Europa“ : Denn sie wissen, wo die Tür ist

  • -Aktualisiert am

Unter ratlosen Helfern: Martha (Sylvaine Faligant, links) und Jamie (Artjom Gilz, rechts) stoßen bei Samuel (Richard Fouofié Djimeli) an ihre Grenzen. Bild: ZDF

In „Club Europa“ nimmt eine Kreuzberger WG einen Flüchtling aus Kamerun auf. Der Film zeichnet das Porträt einer Generation, die alles richtig machen will – und doch scheitert.

          Sie möchte, sagt die junge Frau wie in einer Dokumentation in die Kamera, „einfach Teil der Lösung sein“ und „nicht nur das Problem sehen“. Das ist lobenswert, und in der Berliner Altbauwohnung, die sich die 28 Jahre alte Martha mit zwei Mitbewohnern teilt – hohe Decken, weiße Holztüren, lange Vorhänge –, wird das Wohnzimmer ohnehin kaum genutzt. Nun bekommt es Samuel, ein Asylbewerber aus Kamerun. Dass die WG-Bewohner unterschätzen, was die Flüchtlingshilfe an seelischen Anforderungen mit sich bringt, wird im Laufe des Kammerspiels „Club Europa“, das beim „Filmfestival Max Ophüls Preis“ den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film erhielt, erst viel später erkennbar.

          Für sie ist Samuel (Richard Fouofié Djimeli) zunächst einfach ein Altersgenosse, der ein vernünftiges Dach über dem Kopf, Unterstützung bei der Papierarbeit und einen Computer braucht, um mit dem Bruder in der Heimat skypen zu können. „Bedien dich, wir teilen alles“, sagt ihm Martha (Sylvaine Faligant) zum Einzug. Frische Handtücher, frische Bettwäsche, alles ist da. „Du bist ein Held!“, ruft ihm sogar am Küchentisch Jamie (Artjom Gilz) entgegen. Er hat Samuels Route bei Google Maps eingegeben und kann es gar nicht fassen, dass der Afrikaner für seinen Traum von Europa 1254 Stunden Fußweg und schier endloses Warten an der Grenze zu Spanien in Kauf nahm. Er wird ihm auch zeigen, wo man weiße Turnschuhe bekommt.

          Und weiter im Alltag. Wo ist der Wein?

          Die Euphorie, die zu Beginn wie in einem Werbefilmchen für die „Willkommenskultur“ durch die Wohnung weht und auch davon getragen wird, dass die bisherigen Bewohner ebenfalls einen Migrationshintergrund haben (Martha hat eine französische Mutter, Jamie ist Amerikaner, Yasmin hat persische Wurzeln), legt sich allerdings bald. Die Polizisten, die eines Morgens auf der Matte stehen, weil ein Nachbar Samuel für einen Illegalen ohne Aufenthaltsgestattung hält, mag das Trio noch selbstbewusst aus der Küche bugsieren: „Sie wissen, wo die Tür ist.“ Aber Samuel, der sich vorbildlich verhält und die obligatorischen Kochkünste ins WG-Leben einbringt, braucht eben auch viel Unterstützung bei Behördengängen. Das kostet Zeit und frisst Energie. Und schließlich trudelt ein Schreiben ein, das den weiteren Verlauf der Geschichte vorzeichnet: Er darf nicht in Deutschland bleiben, muss vielmehr gemäß „Dublin“-Regelung nach Spanien zurück, wo seine Fingerabdrücke nach der Ankunft in Europa erstmals genommen wurden.

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          Das Unverständnis, das dieser Brief in der Wohngemeinschaft auslöst, allen voran bei Martha, deutet „Club Europa“ (Buch John-Hendrik Karsten, Regie Franziska Hoenisch) nur an. Auf die erste Empörung, vergebliche Protestversuche mit Mamas Anwalt und weltschmerzerfüllte Blicke Marthas durchs Fenster folgt lediglich ein Achselzucken der WG-Bewohner. Dann muss Samuel die Wohnung verlassen, weil sich die Hauptmieterin, eine Referendarin, aus Angst um ihren Job keinen zweiten Polizeibesuch vorstellen mag. Und weiter im Alltag. Wo ist der Wein?

          Regt der Film irgendwas an oder irgendwen auf?

          Die Filmemacher scheinen diese fast ausschließlich in der Wohnung gefilmte Konfliktsituation als Generationsporträt aufzufassen: das Porträt einer Generation, die sich ihrer Privilegien bewusst ist und alles richtig zu machen versucht, ihr Engagement aber einschränkt, wenn es die bestehenden Regeln verlangen und die persönliche Zukunft bedroht ist. Wütender Protest im Namen der Flüchtlinge, Aktionismus, um die Regeln zu ändern, oder gar Aufruhr scheinen ihr in letzter Konsequenz fremd.

          Ein Vorwurf wird trotzdem nicht daraus. Eher eine Momentaufnahme, die dank der Entscheidung, den Schauspielern statt ausgefeilter Dialogbögen Szenenbeschreibungen an die Hand zu geben, hübsch lebensecht wirkt. Das Nebeneinander verschiedener Sprachen, das nur durch Untertitel entschlüsselt wird, hat seinen Charme.

          Doch berührt „Club Europa“, regt der Film irgendwas an oder irgendwen auf? Dafür kommt er weder an Samuel nah genug dran, den gebildeten Einwanderer aus Kamerun, dessen Lebensgeschichte auf eine Visitenkarte passen würde, noch an die Gefühle und Gewissensbisse der überforderten Martha. Und dafür verharrt der Film, der kurz vor und nach Weihnachten 2015 gedreht wurde, aus heutiger Sicht auch in zu großem Abstand zu dem Sturm, der um das Thema Flüchtlinge seit zwei Jahren tobt. Auch der Zuschauer zuckt am Ende mit den Schultern. Das kann es nicht sein.

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