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Veröffentlicht: 20.04.2016, 05:26 Uhr

Türkei ARD-Korrespondent fordert Aufklärung über Einreiseverbot

Der Journalist Volker Schwenck will wissen, weshalb er in Istanbul stundenlang festgesetzt wurde. Inzwischen gibt es erste Hinweise auf mögliche Hintergründe des Vorfalls.

© obs Auslandskorrespondent Volker Schwenck

Nach seiner Rückkehr nach Kairo hat ARD-Korrespondent Volker Schwenck Aufklärung darüber verlangt, warum die Türkei ihm die Einreise verweigert hat. „Den genauen Grund, den kenne ich immer noch nicht“, sagte Schwenck am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Er sei in Istanbul den ganzen Tag über weder befragt oder vernommen worden. Nachdem die türkischen Behörden ihn zwölf Stunden festgehalten hatten, durfte er am Abend nach Ägypten zurückfliegen.

Jetzt müssten die Juristen klären, was genau ihm vorgeworfen werde. „Denn für die Berichterstattung über Syrien ist es für uns absolut notwendig, dass wir in die Türkei reisen können. Wenn das nicht mehr geht, dann wäre das ein großes Problem.“ Schwenck berichtete, er habe einen Vordruck ausgehändigt bekommen, auf dem ein Paragraf vermerkt gewesen sei. „Die Kollegen in Istanbul haben herausgefunden, es hat irgendwas mit Grenzverletzungen zu tun, aber mehr wurde mir nicht mitgeteilt“, sagte der Korrespondent in den „Tagesthemen“.

Merkel äußert sich besorgt

Schwenck hatte in der Vergangenheit häufiger aus den Rebellengebieten in Nordsyrien berichtet, in die Journalisten in der Regel über die Türkei eingereist sind. Die Türkei hat solche Reisen lange geduldet oder sogar erlaubt, wertet sie inzwischen aber als illegale Grenzübertritte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich besorgt, ihr Stellvertreter Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einem „mehr als problematischen Akt“. Merkel sagte am Dienstag in Berlin, das Auswärtige Amt sei in ständigem Kontakt mit allen notwendigen Stellen und setze sich auch dafür ein, dass die Arbeitsfähigkeit des Journalisten schnell wieder hergestellt werde. Die Bundesregierung sehe „natürlich das auch mit gewisser Sorge“.

© reuters Türkei: Merkel sieht Festsetzung von ARD-Journalisten mit Sorge

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, gegen Schwenck habe ein Einreiseverbot vorgelegen. Außerdem sei er ausgewiesen worden, hieß es am Dienstagnachmittag. Gründe dafür nannte auch Anadolu nicht. In den vergangenen Monaten ist mehreren Journalisten die Einreise in die Türkei verweigert worden. Andere wurden unter anderem wegen illegalen Grenzübertritts von Syrien ausgewiesen.

Glosse

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Von Andreas Rossmann

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