http://www.faz.net/-gqz-8g3v6

Türkei : ARD-Korrespondent fordert Aufklärung über Einreiseverbot

  • Aktualisiert am

Auslandskorrespondent Volker Schwenck Bild: obs

Der Journalist Volker Schwenck will wissen, weshalb er in Istanbul stundenlang festgesetzt wurde. Inzwischen gibt es erste Hinweise auf mögliche Hintergründe des Vorfalls.

          Nach seiner Rückkehr nach Kairo hat ARD-Korrespondent Volker Schwenck Aufklärung darüber verlangt, warum die Türkei ihm die Einreise verweigert hat. „Den genauen Grund, den kenne ich immer noch nicht“, sagte Schwenck am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Er sei in Istanbul den ganzen Tag über weder befragt oder vernommen worden. Nachdem die türkischen Behörden ihn zwölf Stunden festgehalten hatten, durfte er am Abend nach Ägypten zurückfliegen.

          Jetzt müssten die Juristen klären, was genau ihm vorgeworfen werde. „Denn für die Berichterstattung über Syrien ist es für uns absolut notwendig, dass wir in die Türkei reisen können. Wenn das nicht mehr geht, dann wäre das ein großes Problem.“ Schwenck berichtete, er habe einen Vordruck ausgehändigt bekommen, auf dem ein Paragraf vermerkt gewesen sei. „Die Kollegen in Istanbul haben herausgefunden, es hat irgendwas mit Grenzverletzungen zu tun, aber mehr wurde mir nicht mitgeteilt“, sagte der Korrespondent in den „Tagesthemen“.

          Merkel äußert sich besorgt

          Schwenck hatte in der Vergangenheit häufiger aus den Rebellengebieten in Nordsyrien berichtet, in die Journalisten in der Regel über die Türkei eingereist sind. Die Türkei hat solche Reisen lange geduldet oder sogar erlaubt, wertet sie inzwischen aber als illegale Grenzübertritte.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich besorgt, ihr Stellvertreter Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einem „mehr als problematischen Akt“. Merkel sagte am Dienstag in Berlin, das Auswärtige Amt sei in ständigem Kontakt mit allen notwendigen Stellen und setze sich auch dafür ein, dass die Arbeitsfähigkeit des Journalisten schnell wieder hergestellt werde. Die Bundesregierung sehe „natürlich das auch mit gewisser Sorge“.

          Türkei : Merkel sieht Festsetzung von ARD-Journalisten mit Sorge

          Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, gegen Schwenck habe ein Einreiseverbot vorgelegen. Außerdem sei er ausgewiesen worden, hieß es am Dienstagnachmittag. Gründe dafür nannte auch Anadolu nicht. In den vergangenen Monaten ist mehreren Journalisten die Einreise in die Türkei verweigert worden. Andere wurden unter anderem wegen illegalen Grenzübertritts von Syrien ausgewiesen.

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          Merkel will EU-Hilfen für Türkei kappen Video-Seite öffnen

          Brüssel : Merkel will EU-Hilfen für Türkei kappen

          Die 28 EU-Staats- und Regierungschefs wollen den Druck auf die Türkei erhöhen. Es ist geplant, die Vorbeitrittshilfen an das Land angemessen einzuschränken.

          Poker mit Erdogan

          EU-Gipfel in Brüssel : Poker mit Erdogan

          Auf ihrem Gipfel in Brüssel beraten die EU-Staaten, wie sie den Druck auf die Türkei erhöhen können. Ein Abbruch des Beitritts ist bisher nicht in Sicht – wohl aber andere Maßnahmen.

          Türkische Winzer haben es schwer Video-Seite öffnen

          Weinbau : Türkische Winzer haben es schwer

          In vielen Regionen der Türkei herrschen ideale Bedingungen für den Weinanbau, doch die zunehmend strengere Auslegung des Islams im Land macht es den Winzern schwer ihren Wein herzustellen und zu verkaufen.

          Topmeldungen

          Jamaika-Sondierung : Zwölf Themen, sie zu binden

          Jetzt wird es ernst: Am Nachmittag beginnen die Jamaika-Sondierungen in großer Runde, mit allen Parteien. Die zentralen Punkte für eine Einigung sind identifiziert – von den Bäumen runter sind die Unterhändler deshalb aber noch lange nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.