http://www.faz.net/-gqz-8ymr5

Satire in Amerika : Witzemachen wird immer gefährlicher

  • -Aktualisiert am

Nach dem Kopf-ab-Bild beendete CNN die Zusammenarbeit mit ihr: Kathy Griffin. Bild: Reuters

Harte Zeiten für Amerikas Komiker: Die Unversöhnlichkeit, die Donald Trump in der öffentlichen Debatte pflegt, trifft auch sie. Kathy Griffin und Bill Maher bekamen das gerade zu spüren.

          Die Luft wird dünn für Amerikas Komiker. Nachdem Kathy Griffin ihren Vertrag bei CNN verloren hat, wird nun HBO bedrängt, Bill Maher zu entlassen. Kathy Griffin hatte mit einer Trump-Maske posiert, die dessen abgeschlagenen Kopf darstellen sollte, Maher hatte einen Gag abgesetzt, den viele als rassistisch empfanden. Zuvor war der Late-Night-Talker Stephen Colbert unter Beschuss geraten, als er Trump auf dessen Beleidigung eines CBS-Journalisten hin mit einer Kanonade von Verunglimpfungen überzog – zum Teil, ganz im Stile Trumps, unter der Gürtellinie.

          Man kann diese Possen komisch finden oder geschmacklos, sollte sie aber jedenfalls nicht ohne Zusammenhang wahrnehmen. Dass Griffin nicht klar war, dass ihr Bild mit den Mordvideos der Terrorgruppe IS assoziiert würde und nicht, wie intendiert, mit der Auseinandersetzung zwischen Trump und der Journalistin Megyn Kelly, ist freilich erstaunlich. Griffin, die zunächst „bloß den Chef-Verhöhner verhöhnt“ haben wollte, entschuldigte sich: „Das war nicht komisch.“ Komiker wie Jim Carrey und Ricky Gervais schlugen sich auf ihre Seite, aber mehrere Veranstalter sagten ihre Auftritte ab, und der frühere Kollege und einstige Senator Al Franken lud sie aus seiner Buch-Tour aus.

          Auch sein Rauswurf wurde gefordert: Bill Maher.
          Auch sein Rauswurf wurde gefordert: Bill Maher. : Bild: AP

          Franken sagte aber auch einen Auftritt in Bill Mahers HBO-Sendung „Real Time“ ab. Maher hatte die ungelenk formulierte Einladung eines Gastes, eines Senators aus Nebraska, „Sie können gerne mit uns im Feld arbeiten“, mit der Bemerkung gekontert: „Im Feld? Mein lieber Herr Senator, ich bin ein Hausnigger!“ Dann fügte er an: „Nein, das ist ein Witz.“

          Ein rassistisches Schlagwort für Selbstironie zu bemühen, war in der Tat fragwürdig. Freilich gehören solche Auftritte bei Maher und Griffin zum Geschäft, ohne dass bisher jemand ihren Job gefordert hätte. Mahers oft beleidigende Schlagfertigkeit ist sein Markenzeichen, Kathy Griffin steht für besonders kruden Humor. Aber in der vorherrschend aggressiv geführten Debatte wird auch bei Satirikern jede Bemerkung für sich genommen. Bill Maher müsse für seinen „unverzeihlichen Gebrauch des N-Wortes“ gefeuert werden, forderte die Fernsehkritikerin Maureen Ryan im Branchenblatt „Variety“. Mahers Verhalten sei im Vergleich zu dem Griffins „weitaus unangebrachter“. Es sei mehr als lächerlich, „dass irgendeine weiße Person, in der Öffentlichkeit oder abseits davon, meint, es sei akzeptabel, dieses Wort zu benutzen“.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Maher entschuldigte sich: „Das Wort war beleidigend, und ich bedaure, es gesagt zu haben, und es tut mir sehr leid.“ HBO teilte mit, Mahers Satz sei „absolut unentschuldbar und geschmacklos“ gewesen. Feuern will der Sender Maher nicht. Auch CBS war – von Trump-Anhängern – bestürmt worden, Stephen Colbert zu feuern, erfolglos. Kritiker zeigten Colbert bei der Medienbehörde FCC wegen Obszönität an, doch diese befand seine Satire als „nicht strafbar“. Colbert fand dazu die richtigen Worte: Er habe die Witze, Trump habe „die Atomcodes: Es ist ein fairer Kampf.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Fehler? Ich doch nicht!

          Umgang mit Hinterbliebenen : Fehler? Ich doch nicht!

          Donald Trump wurde wieder einmal bei einer Unwahrheit ertappt. Diesmal versuchte das Weiße Haus, seine Aussage im Nachhinein wahr zu machen. Die Debatte um Kondolenzanrufe geht jedoch nicht nur dadurch immer weiter.

          Amerikanische Senatoren erzielen Zwischenlösung Video-Seite öffnen

          Obamacare : Amerikanische Senatoren erzielen Zwischenlösung

          Einflussreiche Senatoren gaben am Dienstag in Amerika eine überparteiliche Einigung zur Stabilisierung des Gesundheitssystems für die kommenden zwei Jahre bekannt. Präsident Donald Trump nannte diese Einigung allerdings nur eine „Zwischenlösung“.

          Stabschef Kelly verteidigt Trumps Verhalten Video-Seite öffnen

          Umgang mit Hinterbliebenen : Stabschef Kelly verteidigt Trumps Verhalten

          John Kelly, Donald Trumps Stabschef, ist dem amerikanischen Präsidenten im Streit um den Umgang mit der Witwe eines getöteten Soldaten zur Seite gesprungen. Er habe gedacht, wenigstens die Kondolenzanrufe des Präsidenten seien noch heilig. Trump wurde zuvor wegen seiner an die Öffentlichkeit geratenen Aussagen heftig kritisiert.

          Topmeldungen

          Umgang mit Hinterbliebenen : Fehler? Ich doch nicht!

          Donald Trump wurde wieder einmal bei einer Unwahrheit ertappt. Diesmal versuchte das Weiße Haus, seine Aussage im Nachhinein wahr zu machen. Die Debatte um Kondolenzanrufe geht jedoch nicht nur dadurch immer weiter.
          Auf Benzin fallen an der Tankstelle weniger Steuern an als auf Diesel.

          F.A.S. exklusiv : Der Diesel verliert seine Freunde

          Nur noch jeder Dritte ist dafür, den Antrieb an der Tankstelle weiterhin steuerlich zu begünstigen, heißt es in einer neuen ADAC-Umfrage. Die Prioritäten verschieben sich hin zu anderen Verkehrsmitteln.
          Hier gibt ein Dolmetscher des Bamf zu Testzwecken eine arabische Sprachprobe ab.

          F.A.Z. exklusiv : Wenn der Dialekt die wahre Herkunft verrät

          Was tun, wenn Asylbewerber keinen gültigen Ausweis haben? Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge setzt nach eigener Auskunft weltweit einzigartige biometrische Sprachsoftware ein. Sie soll die Herkunft von Asylbewerbern eindeutig ermitteln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.