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„Trauung mit Hindernissen“ : Nichts für Neinsager

  • -Aktualisiert am

Nicolette Krebitz und Hary Prinz mit Filmtochter Clara Veihelmann Bild: dpa

Das bekommt auch nur die ARD hin: Einen Film über vorgebliches Patchwork-Chaos und fröhliches Bäumchen-wechsel-dich vollkommen beziehungsbiedermeierlich zu gestalten.

          Der „Mittwochsfilm“ ist so etwas wie die Fiktions-Wundertüte der ARD. Mal geht es um ernstere Themen, oft gibt es Komödien, manche davon seicht, manche mit Witz und Anspruch. Meist findet sich Gebrauchsfernsehen. Im vergangenen Sendejahr ragten „Wunschkinder“ (Regie Emily Atef, Buch Dorothee Schön), ein Film über künstliche Befruchtung und Auslandsadoption, oder die ästhetisch konsequente Beziehungsstudie „Zwei“ von Ariane Zeller heraus. Beide Filme erhielten zu Recht Nominierungen und Preise. Viele der „Mittwochsfilme“ sind Frauenangelegenheiten, wie der Blick auf die Stabliste zeigt. Aus Sicht der Quotengerechtigkeit ist das erfreulich, aber kein Garant für Qualität.

          Wie in „Trauung mit Hindernissen“, ein von MDR und ORF koproduzierter Film mit einer charmant-burschikosen Hauptdarstellerin, die uns davon zu überzeugen sucht, dass Heiraten (zumindest zum zweiten Mal nach krachend gescheiterter Ehe) überflüssig sei – um am Ende sich dem dackeläugig Werbenden juchzend in die Arme zu schmeißen. Warum Philipp (Hary Prinz) die patente Katrin (Nicolette Krebitz) überhaupt heiraten will, erschließt sich in „Trauung mit Hindernissen“ eher weniger. Weil er von einem Leben zu zweit träumt? Träum weiter. Das Buch von Sophia Krapoth (Regie Anna-Katharina Maier, Kamera Doro Götz, Produktion Ariane Krampe) präsentiert ihn als Mann, der zumindest die Wirkung seiner Sangeskünste weit überschätzt. Der perfekt geplante Antrag bei der gemeinsamen Lehrerkonferenz in irgendeinem unwirtlichen Leipziger Gesamtschulgebäude aus den Achtzigern scheitert kläglich. Ein Raum mit Mehrzwecktischen und Flipchart, der von romantischer Hilflosigkeit zeugt. Lehrerkollegen als Gruppentänzer, die wie das ausgemusterte Ersatzpersonal von „Let‘s Dance“bei RTL wirken. Der Antragsteller am Mikro, Bruno Mars’ „I think I wanna marry you“ derart krächzend, dass Leute mit Gehör umgehend abschalten.

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          Katrin will auch nicht. Sie hat genug am Hals. Kinder zuhauf, eigene und „gepatchworkte“, in jeder Altersklasse. Saskia (Emilie Neumeister) und Leo (Luis August Kurecki) trägt sie Turnbeutel und Schulfrühstück hinterher, kümmert sich aber sowieso um alle und alles. Um die Julia (Lisa Bitter), die neue Ehefrau ihres Ex-Mannes, der sich auf Selbstfindungstrip in die Wildnis begeben, aber praktischerweise seine Joints dagelassen hat. Um ihre hochnäsige Ex-Schwiegermutter Diana (Daniela Ziegler), die Aufmerksamkeit sucht. Um die eigene Mutter Renate (Patricia Hirschbichler), selbst partnerschaftlich verzweifelt, aber begeistert von der Aussicht auf eine Feier. Mit Möchtegernbräutigam Philipp verbündet sie sich zur Ausrichtung einer Überraschung mit Folgen. Um Vater Horst (Peter Prager) mit seiner jungen Flamme Beate (Nicole Beutler), der, als seine Ex der Schlag trifft und er statt Hochzeitsgast Trauerfeierorganisator wird, die Freuden der Langzeitbeziehung besingt.

          Damit ist es in dem Nachfolgefilm zum frischeren Vorgänger „Familie mit Hindernissen“ nicht getan. Referendarin Melanie (Laura Preiss) schnappt sich den Abgelehnten; Katrin übernachtet im Camper des Abenteurers Marcel (Michael Steinocher), der die chinesische Seidenstraße befahren will. Mehr als „Pralinen und Händchenhalten“ wird aber nicht gewesen sein, wie es einst bei den „Hesselbachs“ zur Deutung einer pikanten Situation hieß. Trotz vermeintlich fortschrittlichem „Patchwork“-Chaos: Geht es auch weniger beziehungsbiedermeierlich?

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