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„Tod einer Polizistin“ im ZDF : Allerhöchstens ein paar weiße Bartstoppeln

Gut drauf: Rosalie Thomass als Polizeischülerin Lena Frey und Götz George als pensionierter Hauptkommissar Bruno Theweleit in dem Fernsehfilm „Tod einer Polizistin“ Bild: ZDF

Im Thriller „Tod einer Polizistin“, der neuen Fernseharbeit des Ausnahmeregisseurs Matti Geschonneck, ist Götz George in Schwarzenegger-Form, ansonsten aber herrscht Routine.

          Einen stupenden Regiefleiß, gleichwohl oder gerade deshalb einen unverwechselbaren Stil, haben wir Matti Geschonneck bescheinigt, als er im vergangenen Mai sechzig Jahre alt wurde. Sein ohnehin furcht-, aber eben auch ehrfurchterregendes Inszenierungstempo hat dieser Ausnahmekönner des Fernsehens in den beiden zurückliegenden Jahren noch einmal gesteigert - und mit den jeweils für das ZDF gedrehten Spielfilmen „Der Verdacht“, „Liebesjahre“, „Das Ende einer Nacht“ und „Eine Frau verschwindet“ sein OEuvre gleich vierfach erweitert.

          Jochen Hieber

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Kritiken, die er dafür erhielt, waren samt und sonders hochrespektabel bis hymnisch. Für die „Liebesjahre“ gab es 2012 überdies einen Grimme-Preis - und für den Autor Magnus Vattrodt, mit dem Geschonneck gern und häufig arbeitet, beim letztjährigen Baden-Badener Fernsehfilmfestival obendrein die Auszeichnung für das beste Drehbuch.

          Kaum hat das neue Jahr begonnen, ist das Duo bereits wieder präsent. Zugleich hat Geschonneck für den Thriller „Tod einer Polizistin“ mit der mächtig aufstrebenden Rosalie Thomass, dem omnipräsenten Jürgen Vogel, dem „Brunetti“-Mimen Uwe Kockisch und dem Schauspiel-Olympier Götz George ein Quartett an Hauptdarstellern engagiert, das an sich schon Erfolg erheischt - und verheißt.

          Kern-Duell zweier Kerle

          Und doch ist dieses Mal nicht mehr als Routine herausgekommen. Das hat mit der Handlung zu tun, die recht konventionell anmutet - und deren Muster man dem einigermaßen untrüglichen Fernsehgefühl nach so oder zumindest so ähnlich schon mehrfach begegnet ist.

          Meisterregisseur des ZDF: Matti Geschonneck

          Also wird der pensionierte Polizei-Haudegen - Götz George als Hauptkommissar a. D. Theweleit - von der dunklen Seite seiner Vergangenheit eingeholt, als sich ein einst von ihm dingfest gemachter Polizistenmörder (Jürgen Vogel) der Sicherheitsverwahrung via Geiselnahme entzieht, auf der Flucht durch Berlin weiteres Unheil anrichtet, in der Tiefe seiner verängstigten Seele aber die reine Unschuld ist.

          Angesichts des Kern-Duells zweier Kerle, die miteinander noch eine Rechnung offen haben, darf die Polizeischülerin Lena Frey (Rosalie Thomass) keine Sekunde zögern, will sie ihr eigenes Talent in Szene setzen. Theweleits gerade noch dienstaktiver Kripo-Kumpel Lehmann (Kockisch) zieht derweil im Geheimen einige Strippen.

          Hinterm Horizont geht’s weiter

          Nun hindert auch eine relativ uninspirierte Handlung den Regisseur Geschonneck üblicherweise nicht daran, sowohl filmästhetisch als auch in Sachen Figurenpsychologie zu glänzen. Zum „Tod einer Polizistin“ aber will ihm jenseits einer recht geläufigen Spannungsdramaturgie à la „Tatort“ oder „Polizeiruf“ kaum etwas einfallen - und wenn ihm etwas einfällt, wirkt es auch mal unfreiwillig komisch.

          So raunzt Theweleit in einem Anfall von Selbstsarkasmus - für Selbstironie ist er bei weitem zu unsubtil -, er werde nun ja schrecklich „alt und grau“, während wir an dem in wenigen Monaten fünfundsiebzig Jahre alt werdenden Götz George allerhöchstens am Kinn die eine oder andere weiße Bartstoppel entdecken, es ansonsten aber mit einem absolut durchtrainierten Macho in Schwarzenegger-Form und in voller dunkler Haarpracht zu tun bekommen.

          Gewiss, das Fernsehen braucht Film um Film, um uns Gebührenzahler bei Laune zu halten. Gewiss, auch Matti Geschonneck muss als Meisterregisseur des ZDF dazu ab und an einen Beitrag leisten. Und da wir ihn zu schätzen nie müde werden, folgen wir ihm eben zur Abwechslung auch mal in die schiere Routine. Hinterm Horizont geht’s weiter.

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