Home
http://www.faz.net/-gsb-75po4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

„Tod einer Polizistin“ im ZDF Allerhöchstens ein paar weiße Bartstoppeln

Im Thriller „Tod einer Polizistin“, der neuen Fernseharbeit des Ausnahmeregisseurs Matti Geschonneck, ist Götz George in Schwarzenegger-Form, ansonsten aber herrscht Routine.

© ZDF Vergrößern Gut drauf: Rosalie Thomass als Polizeischülerin Lena Frey und Götz George als pensionierter Hauptkommissar Bruno Theweleit in dem Fernsehfilm „Tod einer Polizistin“

Einen stupenden Regiefleiß, gleichwohl oder gerade deshalb einen unverwechselbaren Stil, haben wir Matti Geschonneck bescheinigt, als er im vergangenen Mai sechzig Jahre alt wurde. Sein ohnehin furcht-, aber eben auch ehrfurchterregendes Inszenierungstempo hat dieser Ausnahmekönner des Fernsehens in den beiden zurückliegenden Jahren noch einmal gesteigert - und mit den jeweils für das ZDF gedrehten Spielfilmen „Der Verdacht“, „Liebesjahre“, „Das Ende einer Nacht“ und „Eine Frau verschwindet“ sein OEuvre gleich vierfach erweitert.

Jochen Hieber Folgen:  

Die Kritiken, die er dafür erhielt, waren samt und sonders hochrespektabel bis hymnisch. Für die „Liebesjahre“ gab es 2012 überdies einen Grimme-Preis - und für den Autor Magnus Vattrodt, mit dem Geschonneck gern und häufig arbeitet, beim letztjährigen Baden-Badener Fernsehfilmfestival obendrein die Auszeichnung für das beste Drehbuch.

Kaum hat das neue Jahr begonnen, ist das Duo bereits wieder präsent. Zugleich hat Geschonneck für den Thriller „Tod einer Polizistin“ mit der mächtig aufstrebenden Rosalie Thomass, dem omnipräsenten Jürgen Vogel, dem „Brunetti“-Mimen Uwe Kockisch und dem Schauspiel-Olympier Götz George ein Quartett an Hauptdarstellern engagiert, das an sich schon Erfolg erheischt - und verheißt.

Kern-Duell zweier Kerle

Und doch ist dieses Mal nicht mehr als Routine herausgekommen. Das hat mit der Handlung zu tun, die recht konventionell anmutet - und deren Muster man dem einigermaßen untrüglichen Fernsehgefühl nach so oder zumindest so ähnlich schon mehrfach begegnet ist.

22775526 © dpa Vergrößern Meisterregisseur des ZDF: Matti Geschonneck

Also wird der pensionierte Polizei-Haudegen - Götz George als Hauptkommissar a. D. Theweleit - von der dunklen Seite seiner Vergangenheit eingeholt, als sich ein einst von ihm dingfest gemachter Polizistenmörder (Jürgen Vogel) der Sicherheitsverwahrung via Geiselnahme entzieht, auf der Flucht durch Berlin weiteres Unheil anrichtet, in der Tiefe seiner verängstigten Seele aber die reine Unschuld ist.

Angesichts des Kern-Duells zweier Kerle, die miteinander noch eine Rechnung offen haben, darf die Polizeischülerin Lena Frey (Rosalie Thomass) keine Sekunde zögern, will sie ihr eigenes Talent in Szene setzen. Theweleits gerade noch dienstaktiver Kripo-Kumpel Lehmann (Kockisch) zieht derweil im Geheimen einige Strippen.

Hinterm Horizont geht’s weiter

Nun hindert auch eine relativ uninspirierte Handlung den Regisseur Geschonneck üblicherweise nicht daran, sowohl filmästhetisch als auch in Sachen Figurenpsychologie zu glänzen. Zum „Tod einer Polizistin“ aber will ihm jenseits einer recht geläufigen Spannungsdramaturgie à la „Tatort“ oder „Polizeiruf“ kaum etwas einfallen - und wenn ihm etwas einfällt, wirkt es auch mal unfreiwillig komisch.

Mehr zum Thema

So raunzt Theweleit in einem Anfall von Selbstsarkasmus - für Selbstironie ist er bei weitem zu unsubtil -, er werde nun ja schrecklich „alt und grau“, während wir an dem in wenigen Monaten fünfundsiebzig Jahre alt werdenden Götz George allerhöchstens am Kinn die eine oder andere weiße Bartstoppel entdecken, es ansonsten aber mit einem absolut durchtrainierten Macho in Schwarzenegger-Form und in voller dunkler Haarpracht zu tun bekommen.

Gewiss, das Fernsehen braucht Film um Film, um uns Gebührenzahler bei Laune zu halten. Gewiss, auch Matti Geschonneck muss als Meisterregisseur des ZDF dazu ab und an einen Beitrag leisten. Und da wir ihn zu schätzen nie müde werden, folgen wir ihm eben zur Abwechslung auch mal in die schiere Routine. Hinterm Horizont geht’s weiter.

Tod einer Polizistin läuft am Montag, 14. Januar, um 20.15 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
International Emmy Verdiente Anerkennung für Unsere Mütter, unsere Väter

Die ZDF-Miniserie Unsere Mütter, unsere Väter hat in New York den International Emmy gewonnen. Dabei war der Dreiteiler international auf Kritik gestoßen. Den Preis gewinnt er aber sehr zu Recht. Mehr Von Michael Hanfeld

25.11.2014, 10:14 Uhr | Feuilleton
Steueroase Luxemburg Schäuble stärkt Juncker im Steuer-Streit den Rücken

Im Zuge der öffentlich gewordenen Steuerspar-Modelle Luxemburgs ist der neue EU-Kommissionspräsident Juncker unter Druck geraten. Finanzminister Schäuble verteidigt ihn. Mehr

13.11.2014, 10:01 Uhr | Wirtschaft
Datenschutz im Internet Mozilla arbeitet mit Tor zusammen

Eigene Server und genauere Abstimmung der Firefox-Software: Um auch technisch wenig versierten Nutzern den Eigendatenschutz im Internet zu erleichtern, arbeitet Mozilla künftig mit Tor zusammen. Mehr

12.11.2014, 10:11 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.01.2013, 18:43 Uhr

Thesen am Tresen

Von Jürg Altwegg

Sie setzen sich für die Botschaft von der Geburt Jesu ein und ziehen mit kostenlosen Kinderkrippen und Kugelschreibern in Paris durch die Bars: speziell ausgebildete Christen. Mehr