http://www.faz.net/-gqz-91gu0

TV-Kinderserie „Peppa Pig“ : Es allen recht machen? Das kann kein Schwein

Abwarten und Teetrinken: Peppa und die Spinne. Bild: Entertainment One/Astley Baker Davies

„Schräger Feminismus“? Die Zeichentrickserie für Kinder „Peppa Pig“ sorgt für weltweites Aufsehen. In Australien wurde nun eine Folge der harmlosen Reihe gestrichen – wegen einer Spinne.

          Als Schwein, so scheint es, wird man schnell mit argwöhnischen Augen beobachtet. Besonders wenn man im Fernsehen auftritt und dort vor allem von Kindern im Vorschulalter gesehen wird. Dabei erfreut sich „Peppa Pig“ (in der deutschen Fassung: „Peppa Wutz“) unter den jungen Zuschauern großer Beliebtheit. Die kurzen Folgen der 2004 erstmals ausgestrahlten britischen Trickfilmserie um das Schweinemädchen Peppa, ihrer Familie und ihren Freunden werden in 180 Ländern ausgestrahlt und in Sprachen wie Gälisch, Maltesisch und Katalanisch rezipiert. Gezeigt werden unterschiedliche Tiere, die sich wie kleine und große Menschen verhalten, mit der Ausnahme vielleicht, dass alle ganz furchtbar lieb miteinander umgehen, niemanden ausgrenzen und sich gegenseitig mit den jeweiligen Besonderheiten annehmen.

          Wer eine solche Botschaft verbreitet und eine solche Gefolgschaft hat wie Peppa Pig, kann sich nicht nur auf das millionenfache Verkaufen von Merchandising-Artikeln zurückziehen. Er tritt als Vorbild auf, auch in alltäglichen Dingen, und tut er das nicht, erheben sich die Stimmen einer wachsamen Öffentlichkeit. So wurde die Serie bereits für ihren laxen Umgang mit Fahrradhelmen und Anschnallgurten kritisiert, was die Urheber rasch korrigierten, im offensichtlichen Bemühen, es allen recht zu machen, vor allem den besorgten Eltern.

          Doch es scheint, dass gerade dieser doppelte Anspruch – interkulturelles Miteinander auch über die Grenzen der Spezies hinweg und weltweiter Erfolg – dort an seine Grenzen stößt, wo die Realität nicht mitspielt. Wie der „Guardian“ berichtet, hat der australische Sender ABC eine Episode, die bereits 2012 auf Proteste stieß und zurückgezogen wurde, nun ein weiteres Mal aus dem Angebot genommen. Es handelt sich um eine Folge, in der eine Spinne auftaucht und Peppa sich vor ihr ängstigt. Vater Pig beruhigt sie mit den Worten, die Spinne sei doch so klein und könne ihr nicht weh tun, woraufhin Peppa ihr großes Herz auch für die Spinne öffnet und mit ihr Tee trinkt.

          Harmloser geht es nicht: Familie Pig (zu deutsch: Wutz) im Wohnzimmer.
          Harmloser geht es nicht: Familie Pig (zu deutsch: Wutz) im Wohnzimmer. : Bild: WDR/Astley Baker Davies Ltd....

          Was allerdings für die Tierwelt in England gilt, entspricht nicht den Erfahrungen in Australien, wo jährlich zweitausend Menschen wegen Spinnenbissen behandelt werden müssen und sehr viel größere dieser Tiere beutegierig herumhuschen. So gesehen, ist die Empörung australischer Eltern über die Episode verständlich, auch wenn man sich fragt, ob ihre Kinder nicht sehr wohl zwischen den Spinnen auf dem Bildschirm und den echten da draußen unterscheiden können. Jedenfalls ist die Kluft, die zwischen der Peppa-Fiktion und der Realität klafft, Wasser auf die Mühlen des konservativen Kommentators Piers Akerman aus Sydney. Im dort erscheinenden „Daily Telegraph“ witterte er bei Peppa Pig insgesamt einen „schrägen Feminismus“ und sorgte sich daher um die jungen Zuschauer, die diesem Einfluss ausgesetzt seien.

          Was genau Akerman mit diesen Worten meint, bleibt bislang sein Geheimnis. Um explizite Äußerungen Peppas oder gar das öffentliche Bekenntnis zum Feminismus kann es kaum gehen, schließlich hält das Schwein größtmöglichen Abstand zu allem, was es – jenseits der Toleranzbotschaft – auf eine bestimmte Weltanschauung festlegen könnte. Vor sieben Jahren sagte Peppa sogar einen vereinbarten Auftritt auf einer Labour-Veranstaltung ab. Natürlich war das auch kein Bekenntnis zu den Tories. Das Jungschwein, so hieß es nach der Absage, sei ein weltweiter Star und daher einfach zu beschäftigt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jung und konservativ und eine Kritiker von Kanzlerin Merkel: Jens Spahn

          Merkels neue Minister : Reform statt Revolution in der CDU

          Angela Merkel gibt dem Druck aus der eigenen Partei nach und kündigt vor dem Parteitag eine Verjüngung der CDU-Minister in der nächsten Bundesregierung an.

          Olympia-Kommentar : Schluss damit!

          Genug gebüßt! Das IOC will einen Schlussstrich unter die Causa Russland ziehen: Die baldige Rückkehr des russischen olympischen Komitees auf den Olymp ist vor allem eine Frechheit gegenüber Sportlern in aller Welt.

          Zur Frankfurt-Wahl : Große und kleine Überraschungen

          Peter Feldmann ging von der Pole Position des Amtsinhabers ins Rennen, diesen Vorsprung hat er beherzt genutzt. Seine Motorleistung war jedoch nicht so stark, dass er die Konkurrenten um den Posten des Rathauschefs vom Start weg hätte überrunden können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.