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Til Schweigers „Tatort“-Debüt Vom Frühstücksei in den Kugelhagel

Jede Menge Action, forsche Dialoge, viel Zeitgeist-Pädagogik und schon wieder Zwangsprostitution: Das „Tatort“-Debüt des Kinostars Til Schweiger ist passabel. Als Co-Ermittler zeigt Fahri Yardim eine klasse Partie.

© NDR Vergrößern So kehrt er heim und soll auch gleich das Frühstück machen: Hoodie-Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger), verschrammt und verpflastert nach dem Kampf gegen die Kurden-Mafia.

Haben fünfzehnjährige Töchter Anspruch darauf, jeden Morgen ein weichgekochtes Frühstücksei vorgesetzt zu bekommen? „Willkommen in Hamburg“, der erste „Tatort“ mit Til Schweiger in der Rolle des Kommissars Nick Tschiller, macht viel Wesen um diese Frage - und bejaht sie eindeutig.

Jochen Hieber Folgen:  

Egal, wie spät in der Nacht dieser so gradlinige wie erbarmungslose Ermittler nach Hause kommt, egal, wie verschrammt, verbeult und verpflastert er nach seinen Kämpfen mit der hanseatischen Kurden-Mafia auch aussieht: Töchterchen Lenny, gespielt von Schweigers Tochter Luna, will bedient sein und dabei am besten noch ein paar flapsige Sprüche über Vaters Unbeholfenheit loswerden.

Aber wenn sie, vor Liebeskummer schluchzend, an dessen tröstender Schulter davon erzählt, mit welcher Begründung ihr in Frankfurt am Main lebender Freund Schluss gemacht hat, hilft nur die aktuell geläufige Sprachschlamperei: „Unsere Beziehung macht keinen Sinn“, hat er ihr übermittelt - naturgemäß per Skype.

23514507 © NDR Vergrößern Auch im Film als Tochter und Vater unterwegs: Lenny (Luna Schweiger) und Nick Tschiller (Til Schweiger) sichten die Familien-Vergangenheit.

Ebenso naturgemäß hat Tschiller keinerlei Problem mit dem anglisierenden Jargon seines Kindes, ist aber, des immer wieder missratenen Frühstückseis wegen, voller Selbstzweifel über seine eigene Befähigung zum (beinahe) alleinerziehenden Vater. So viel zur Zeitgeist-Pädagogik dieses „Tatorts“.

Der lässt es ansonsten krachen und knallen, was das Zeug hält. Gleich zu Beginn beschert dieses Action-Spektakel dem Profiboxer Arthur Abraham, WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht, einen kurzen Gastauftritt, bei dem er Schweigers Tschiller schlagtechnisch nur knapp Paroli bieten kann, ihm aber überlebensstrategisch klar unterlegen ist - wie zwei andere Gorillas des den Kiez terrorisierenden Clans der Familie Astan wird er in der Eingangsszene erschossen.

„Dreifacher letaler Schusswaffengebrauch“ heißt im Polizei- und Justizdeutsch, was für Tschiller „Notwehr“ war und dem Regisseur Christian Alvart einen Einstieg im Kugelhagel ermöglicht.

Er kündigt den „Kiezfrieden“ auf

Dieser Einstieg birgt schon fast alle Stärken und Schwächen der ersten Schweiger-Folge. Stark sind das rasante Tempo, die unsentimentalen Figurenprofile, die klare Handlungsfolge - und vor allem der Verzicht auf eine das Verbrechen relativierende Täterpsychologie: Die Astans sind schlicht Profi-Kriminelle, wollen Geld, Macht und dabei ihre Ruhe vor der Polizei.

Just diesen bisher praktizierten „Kiezfrieden“ kündigt der Neue, kündigt Nick Tschiller auf - das Drehbuch von Christian Darnstädt überzeugt immer dann, wenn es die daraus resultierenden Kriegsfolgen im Hamburger Milieu einfach konsequenzlogisch entwickelt und aneinanderreiht.

Dass wir es nach Dominik Grafs Zehnteiler „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010) und dem erst im vergangenen Dezember ausgestrahlten Furtwängler-“Tatort“ über die „Wegwerfmädchen“ thematisch aufs Neue mit der Zwangsprostitution osteuropäischer Mädchen zu tun haben, ist etwas wohlfeil und mittlerweile nicht mehr ganz über den Verdacht erhaben, unsere moralische Abscheu mit voyeuristischen Mitteln zu erkaufen.

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