http://www.faz.net/-gqz-8bznk

Til Schweiger auf Facebook : Ins Interpunktionsinferno mit den Kritikern!

In Deutschland als Künstler eher minderverstanden: Til Schweiger Bild: Reuters

Til Schweiger lebt im Land der Neider. Anders ist es nicht zu erklären, dass ständig alle an seinen Tschiller-Tatorten herumkritteln. Nun machte er seiner Wut in einem satzzeichengesättigten Facebookpost Luft.

          Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll und fragt sich, ob man nicht lieber gleich kapituliert: Die Wortwahl! Die ungebrochene Selbstbefeierung! Die Ausrufezeichen!!! Man fühlt sich sofort ganz schwach angesichts der Wucht, die einem da entgegenwummert. Als stets sprachsensibler Feuilletonist ist man ja kleinere Kaliber gewohnt. Doch bei Til Schweiger kracht es nicht nur, wenn er als Nick Tschiller Autos oder Waffen anfasst – in seinen Worten: „Kompromisslos, atemlos, viril, phantastisch“ –, sondern auch, wenn er nur einen Facebookbeitrag postet, und das muss man erst einmal hinbekommen. Wo andere Prominente noch affirmativ herumstammeln oder gleich den Social-Media-Praktikanten für sich schönschreiben lassen, da langt der Schweiger zu, ohne Rücksicht auf Verluste wie Grammatik, ohnehin schwächelnde Einschaltquoten oder öffentliches Ansehen.

          Und dennoch lohnt ein zweiter Blick in dieses Interpunktionsinferno: Was eigentlich daherkommt wie ein Kniefall vor seinem Tatort-Regisseur Christian Alvart, den er nichts weniger als „derbe abfeiert“ – wie auch immer man sich das vorzustellen hat –, das ist im Gestus eigentlich der wortgewordene Trotz des unverstandenen Künstlers. Für Schweiger ist der Tatort „Fegefeuer“, der am 3. Januar lief, nichts weniger als ein Stück deutscher Fernsehgeschichte. Nicht seiner Handlung, der womöglich minderschönen Figuren oder der gelungenen Dialoge wegen, die gemeinhin als Qualitätsmerkmal herausragender Fernsehproduktionen angesehen werden. Mit solchen Nebenaspekten möchte sich Schweiger nicht unbedingt aufhalten – „andere verschwenden das Budget für zwei moppelige Kommissare, die ne Currywurst verspeisen“ –, ihm ist anderes wichtig: „Non Stop Action“. Er formuliert es in gewohnt kräftiger Sprache so: „...du bringst Non Stop Action in diese 90 Minuten, in denen sonst meistens dummes Zeug gelabert wird( Frau Meier, hatte Ihr Mann Feinde?)“. Endlose, öde Investigation verfälscht auch nur das Bild einer lebensnah agierenden Staatsgewalt. Die Kritik wird ihre Maßstäbe neu definieren müssen, und die Zuschauer ebenfalls.

          Seine Legitimation, das Urteil der Öffentlichkeit infrage zu stellen, begründet Schweiger folgendermaßen: „Weil.... ich als Filmemacher/Schauspieler/Produzent/Writer/Cutter/Composer.... viel mehr Ahnung.... ich habe viiiieel mehr Ahnung von der Craft( Materie)....KUNST.... als die meisten von diesen Trotteln, die darüber schreiben!!!!“

          In der Tat würden wohl viele vor dem Wort „Kunst“ angesichts der jüngsten neunzigminütigen Panzerfaustorgie zurückschrecken. Das allerdings sagt, laut Schweiger, mehr über die Urteilenden als über den Tatort selbst: „Wenn sie ehrlich wären, würden sie zugeben, dass du was aussergewöhnliches geschaffen hast!! Das kriegen sie aber nicht hin, weil sie schwach und klein sind!“

          Christian Alvart- was hast du gemacht?! Ich sage , du hast ein Stueck deutsche Fernsehgeschichte geschaffen!...

          Posted by Til Schweiger on Sonntag, 3. Januar 2016

          In der Tat erschlafft uns an dieser Stelle ein bisschen der Mausarm. Das mag aber auch an der Übersetzung von „Craft“ mit „Materie“ liegen (was ist eigentlich „Materiebier“?). Schweiger jedenfalls hat sich da gerade erst warm exklamiert und fährt, an den Regisseur gerichtet, fort: „Ich bin unendlich stolz auf dich und was wir gemeinsam erreicht haben!!Du bist der Größte!!!! Deine Arbeit ist unglaublich stark!!!!Ich bin meeega stolz auf dich!!!!ps: Deutschland bleibt das Land der Neider....“

          Wer fühlt sich da nicht ertappt? Was sind wir doch ein kleinliches Völkchen handlungsfixierter Ballerfeinde! Was bestehen wir doch bei unseren Sonntagskrimis stets auf Charakterzeichnung und saubere Aussprache, wenn es doch auch ohne geht! Und dann unser Hass auf Ausrufezeichen, das ist doch auch nicht normal: Wenn es doch so wichtig ist!!! Wir können unendlich froh sein, dass das nächste Tschiller-Kunstwerk endlich da landet, wo es hingehört: Im Kino. Auf der ganz großen Leinwand. Wo die ganz große Kunst spielt. Neunzig Minuten Non-Stop-Action endlich in Dolby Surround, ganz ohne langweiliges Gelaber dazwischen. Und ohne Currywürste. Man muss die große Geste dahinter sehen, die nichts weniger will, als das Fernsehen endlich ins neue Jahrtausend zu ballern. Die KUNST. Die Craft und alles. 

          Trailer : „Tatort: Fegefeuer“

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Da lacht die Brückenechse

          Neuseeländisches Bier : Da lacht die Brückenechse

          Neuseeland ist vor allem für seine Schafe, Kiwis und den guten Wein bekannt. Doch auch die Braukunst des Inselstaats erlangt immer mehr an Popularität. Jetzt ist Tuatara, das bekannteste Craft-Beer Neuseelands, in Deutschland erhältlich.

          „The Rock“ hätte bei "Jumanji"-Dreh fast geweint Video-Seite öffnen

          Premiere in Berlin : „The Rock“ hätte bei "Jumanji"-Dreh fast geweint

          Die Fortsetzung von „Jumanji“ hat am Mittwoch Abend in Berlin Deutschlandpremiere gefeiert. Mit dabei waren Regisseur Jake Kasdan und die Hauptdarsteller Nick Jonas, Dwayne Johnson alias „The Rock“ und Kevin Hart. Auf dem roten Teppich haben Johnson und Hart verraten, was ihre peinlichsten Momente bei den Dreharbeiten waren.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Zwei F-35 Kampfflugzeuge von Lockheed Martin: Das Unternehmen mit Sitz in Bethesda im Bundesstaat Maryland steigerte zuletzt seine Waffenverkäufe um 10,7 Prozent.

          Sipri-Studie : Rüstungskonzerne verkaufen wieder mehr Waffen

          Nordkorea, Nahost, Ukraine - die Spannungen nehmen zu. Davon profitieren internationale Rüstungskonzernen. Wie groß deren Gewinne sind, zeigt eine aktuelle Studie. Ein Land beherrscht den weltweiten Markt.
          Anne Will diskutiert mit ihren Gästen Trumps Nahost-Politik. Dabei kommt es zu manch schrägem Vergleich.

          TV-Kritik „Anne Will“ : Das Recht des Stärkeren

          Bei Anne Will geht es um die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem. Es kommt zu schrägen Vergleichen. Man redet von der „Anerkennung von Realitäten.“ Doch welche sollen das sein?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.