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Thriller „Transfer“ im ZDF Ihr neuer Körper sitzt wie ein Maßanzug

Der Science-Fiction-Thriller „Transfer“ ein tief wirkender Beitrag zum Nachdenken über die Unmenschlichkeit des medizinisch Möglichen, sensibel erzählt und ebenso kalt wie klar fotografiert.

© Daniel Kühn Sarah (Regine Nehy) opfert sich. In ihr soll eine andere leben.

Hermann (Hans Michael Rehberg) und Anna Goldbeck (Ingrid Andree) hatten ein gutes Leben. Sie als gefragte Cellistin, er als Tatmensch und Unternehmenslenker. Im Alter sind sie geistig wach und einander zärtlich zugetan. Fast könnte man sie mit Philemon und Baucis verwechseln, nur deren Schicksalsergebenheit geht ihnen ab. Hermann war als junger Mann Geräteturner - jetzt spielt er Seniorentennis. Annas arthritische Finger lassen kein Cellospiel mehr zu. Schlimmer noch ist, dass ihren Körper der Krebs zersetzt. Zwei Monate, mehr geben ihr die Ärzte nicht mehr.

Damir Lukacevics sensibel erzählter, so kalt wie klar fotografierter (Kamera: Francisco Dominguez) Science-Fiction-Film „Transfer“ gibt sich Zeit, das Paar nicht als hedonistische Selbstoptimierer zu zeichnen. Besonders Anna ahnt, dass Identität mehr ist als die Summe von Erinnerungen, Gefühlen, Bewusstsein und erworbenen Fertigkeiten und daher nicht verlagert werden kann. Auch die körperliche Materie prägt den Geist. Oder ist es doch der Geist allein, der den Körper prägt? Könnte Persönlichkeit demnach in einen anderen „Wirt“ transferiert werden?

In Zeiten des Organraubs

Der Film nach einer Kurzgeschichte von Elia Barcelo (Drehbuch: Damir Lukacevic, Gabi Blauert und Gerald Klein) ventiliert diese philosophischen Gedanken zusammen mit drängenden politischen Fragen. Ein aufklärungsoptimistisch behaupteter Leib-Seele-Dualismus trifft in der faszinierend durchgespielten Utopie auf grimmige Realität.

Wir leben in Zeiten, in denen aus „Dritte Welt“-Ländern Fälle von Organraub bekanntwerden und Modedesignerinnen ihre Haut angeblich mit Schafsplazenta faltenfrei halten. Im Film ist es die Humantechnologie-Firma „Menzana“, die sich den vermeintlichen Dienst an der Menschheit fürstlich bezahlen lässt. Alte reiche Weiße geben ihr Vermögen für bitterarme schwarze „Körperspender“, die „aufgearbeitet“ werden. In einer Übergangsphase wacht der „Spender“ als Ursprungsperson auf. Danach wird der nutzlose alte Körper entsorgt. Die Bezahlung der „Körperspender“ lindere die Not und den Hunger der Familien, helfe mithin bei der Armutsbekämpfung in Afrika, sagt Jeanette Hain in der Rolle der zynisch lächelnden Dr. Menzel.

Tiefenunentspannter Beitrag zum medizinisch Möglichen

Hermann und Anna lassen sich transferieren. Und die „Spender“? Apolain aus Mali, der zur Vertragsunterzeichnung gepresst wird, und Sarah aus Äthiopien, die aus Fürsorglichkeit für ihre Familie das Selbstopfer wählt, sind nun Hermann und Anna und auch wieder nicht. Anna beginnt an Sarah zu schreiben, sie treten in einen Dialog. Hermann ist stolz auf seine Fitness, bleibt aber bei seiner rassistischen Reserviertheit allem „allzu Schwarzen“ gegenüber. Ist man nun mit der Tag- und der Nachtseite der „Personen“ zweimal zu zweit oder doch zu viert? Es wird kompliziert. Und dann wird die greise/junge Anna/Sarah schwanger.

Die amerikanischen Schauspieler BJ Britt (Apolain/junger Hermann) und Regine Nehy (Sarah/junge Anna) setzen auf kleine körpersprachliche Nuancen. So wird augenfällig, dass Körperlichkeit nichts oberflächlich Beliebiges ist. „Transfer“ ist durch seine durchgängige Abbildung einer Welt von Schwarz und Weiß, Arm und Reich, Gesund und Morbide ein tief wirkender Beitrag zum Nachdenken über die Unmenschlichkeit des medizinisch Möglichen.

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Bei dem römischen Dichter Juvenal ist die Verbindung des gesunden Körpers und des gesunden Geistes eine gewünschte, keine festgestellte (“Orandum est ut sit mens sana in corpore sano“, Satiren X, 356). Anna, die moralisch empfindsame Künstlerin, hat noch gründlicher gelesen: „Das strengste Gericht ist das eigene Gewissen. Hier wird kein Schuldiger freigesprochen.“ (“Se iudice nemo nocens absolvitur“, Satiren XIII, 1).

Transfer“ läuft in der Nacht von Montag, 19. August, auf Dienstag, 20. August, um 0.25 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.

 
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