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Thementag auf Arte : Ich tanke, also bin ich

Hier bin ich Vespa-Fahrer, hier darf ich sein: Friedrich Liechtenstein in Portovenere, vor einsamen Zapfsäulen am Ligurischen Meer Bild: ZDF/Konrad Waldmann

An einem kuriosen Thementag auf Arte will der Künstler Friedrich Liechtenstein beweisen, dass Tankstellen die romantischsten Orte der Welt sein können – zum Beispiel, wenn man dort Algensuppe zapft.

          Es ist schon beachtlich, wie der durch einen Lebensmittel-Werbespot zu spätem Ruhm gekommene Friedrich Liechtenstein seitdem seine Kunstfigur auf allen Kanälen souverän ausspielt - ob auf dem Musik-Album „Bad Gastein“, in seiner romanhaften Autobiographie „Super: Mein Leben“ oder auch im Theater, von dem er gekommen ist.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Was man nun an einem Thementag auf Arte unter dem Motto „Tankstellen des Glücks“ am Pfingstmontag zu sehen bekommt, könnte fast ein Film von Wes Anderson werden: Der weißbärtige Opi mit Anzug und goldener Sonnenbrille, der wie eine Kreuzung aus Fritz J. Raddatz und den Royal Tenenbaums wirkt, begibt sich mit einem goldenen Oldtimer-Mercedes auf einen Roadtrip, um zu beweisen, „dass Tankstellen die romantischsten Orte der Welt sind“.

          Die eher alibihafte Rahmenhandlung verhindert nicht, dass dieses Versprechen ästhetisch tatsächlich eingelöst wird - weil die Regie einige architektonisch äußerst beeindruckende Tankstellen in Europa gefunden hat, die dann zu Spielorten für ein sehr freies Regiekonzept (Marco Wilms) werden. Dabei tritt Liechtenstein mal als Reporter und Interviewer, vor allem aber auch als Star neuer Musikvideos oder zumindest Bruchstücken davon auf, die ebenso abrupt beginnen, wie sie wieder aufhören - alles ein wenig traumhaft, besonders auch die Farbgestaltung. Es ist ein Technicolor-Traum, in dem ein herrlich türkisfarbenes Meer sich im Chrom der Zapfsäulen spiegelt - oder eine Tankstelle in der Slowakei, die bei Tag noch wie ein recht unscheinbares Betonbauwerk aussieht, sich in der Nacht jedoch in ein funkelndes ufo verwandelt. Die drei slowakischen Architekten, die selbst ziemlich steil aussehen, erklären, sie seien von den Filmen „Barbarella“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ zu dem Bauwerk inspiriert worden. An dieser Funky-Disco-Tanke inszeniert Liechtenstein dann ein Video im Stil von Daft Punk mit seiner typischen Nonsens-Lyrik aus zusammengeklebten Pop-Zitaten - „Words are spoken, hearts are broken“, und irgendwas mit „Galaxy“ kommt auch noch darin vor. Allein dafür lohnt sich das Anschauen der ganzen Serie, auch wenn manche Folgen etwas künstlich gestreckt scheinen. Aber es geht hier ja auch nicht wirklich um Inhalte, sondern um Gefühle und Farbenrausch.

          Das wird spätestens dann klar, wenn Liechtenstein auch noch als verrückter Professor auftritt, der in seiner Wohnung in wiederum sehr schick arrangierten blubbernden Wassersäulen Algen züchtet. Eine aus Tiefkühlerbsen, Kokosmilch und Algen gefertigte Suppe soll als futuristisches Superfood die Tankstelle von ihrem Ruf als Ort für minderwertigen Schnellfraß erlösen - wie denn auch die ganze Serie dazu dient, trotz aller Schönheit der Öltempel darauf hinzuweisen, dass man Energie in Zukunft lieber nicht mehr aus fossilen Brennstoffen gewinnen sollte, was Onkel Liechtenstein in der Manier von Peter Lustig, Gott hab ihn selig, auch gefühlte fünfzig Mal sagt.

          Unter den Menschen, die Liechtenstein trifft, ist auch Countrysänger Gunter Gabriel. Zu dem passt ganz gut der Titelsong der Serie mit dem Sehnsuchts-Refrain „Ich könnt’ noch tausend Liter tanken, bin noch immer nicht am Ziel“, den Liechtenstein hoffentlich bald als Single veröffentlichen wird. Bis dahin schauen wir ihm zu, wie er in einem Tutorial den „Electric Slide“ erklärt, eine Choreographie, die sein Vater angeblich nach einer Herzoperation bei der Reha gelernt hat, oder mit Dieter Meier von der Band Yello („Ooouh Yeaah“) einen Chillout-Rap am Ligurischen Meer intoniert.

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