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The Voice of Germany Nur eine war untalentiert

„The Voice of Germany“ hat auch in der zweiten Staffel seine Stimme gefunden. Der Gewinner hat einen „Welthit“ gleich selbst geschrieben. Einen Bohlen brauchte er dafür nicht. Andererseits hätte ein beinharter Kritiker der Show auch gut getan.

© dpa Vergrößern So sehen Sieger aus: Nick Howard hat die zweite Staffel von „The Voice of Germany“ gewonnen

Am Ende war es dann doch eine eher zähe Veranstaltung. Das Finale war nicht der Höhepunkt der zweiten Staffel, sondern eher der finale Versuch, eine echte Alternative zu abgenutzten Formaten wie „Deutschland sucht der Superstar“, „X Faktor“ oder „Popstars“ zu bieten. Doch die Quoten gingen herunter. Dabei gab es genügend echte Talente zu sehen und zu hören. Das vermutlich größte hat dann auch gewonnen.

Marco Dettweiler Folgen:

Nick Howard dürfte alle, von Schwiegermutter bis Musikkenner, mit seiner Stimme überzeugt haben. Er war bei fast allen Shows cool und dennoch konzentriert. Er sang präzise, aber nicht verkrampft. Sein eigenes Lied „Unbreakable“ nannte sein Teammanager Rea einen „Welthit“. Zumindest war das Lied ein sehr angenehmer Ohrwurm und besser als der Song „Different“, den Robbie Williams präsentierte.

Die erste Staffel von „The Voice of Germany“ hatte bewiesen, dass durchaus Platz war in der deutschen Fernsehlandschaft für einen weiteren Wettbewerb, in dem die begabtesten Goldkehlchen Deutschlands nicht von Dieter Bohlen gestreichelt oder gerupft wurden. Der Sender hat es leider nicht geschafft, den Überraschungserfolg zu wiederholen.

Talent für Moderation gefunden

Eigentlich hatten Pro Sieben und Sat.1, die die Staffel abwechselnd übertrugen, zunächst einiges richtig gemacht. Vor allen Dingen gefiel der neue Moderator, Thore Schölermann, der gekonnt durch die Sendungen geführt hat, weil er zugleich emotional und professionell war. Schölermann ist den Zuschauern von „Verbotene Liebe“ und Stefan Raabs „TV Total Turmspringen“ bekannt. In der Vorabendserie der ARD zieht er sich nur für Männer aus und bewegt sich im Reitstall zwischen Pferden. Bei Raab tritt er als durchtrainierter, attraktiver Mann in Badehose auf den Turm und springt recht gekonnt ins gewärmte Wasserbecken.

Warum Schölermann nun bei „The Voice of Germany“ als Moderator gelandet ist, weiß keiner so recht. Aber er machte dort mehr als eine gute Figur. An seinen Anmoderationen feilte er erkennbar, seine Fragen an die Kandidaten wirkten dafür spontan und ehrlich, seine Dialoge mit den Jurymitgliedern waren stets direkt und respektvoll. Als Zuschauer hatte man den Eindruck, dass es ihm viel Spaß macht, er die Veranstaltung ernst nimmt und die Staffel nie einfach nur runtermoderiert hat. Ein unbekannter und unbedarfter Moderator bekam eine Chance: eine mutige Entscheidung, die belohnt wurde.

Jury ruft nach Auswechslung

Vielleicht hätte eine Auswechslung auch der Jury gut getan. Schölermanns frische Gesten und Worte harmonierten nicht immer mit der Routine, die sich bei den „Teams“ Rea Garvey, Nena, The Boss Hoss und Xavier Naidoo eingeschlichen hatte. Dabei sollte man den Jurymitgliedern keine Absicht unterstellen. Irgendwann stößt die Wortfamilie an ihre Grenzen, es dreht sich alles um „toll“, „super“, „genial“ oder „unfassbar“. Vor allem Nena gingen schnell die Worte aus.

Dabei hätte sie es nötig gehabt, ihrem eigenen Anspruch, offen und emotional zu sein, auch verbal gerecht zu werden. Emotionale Authentizität kauft man sich eben nicht durch den inflationären Gebrauch des Wortes „Gefühl“, ästhetische Urteile verlieren ihre Kraft durch die sich wiederholende Einordnung in „toll“ oder „spitze“. Und seine persönliche Unabhängigkeit beweist man nicht durch launige Ausfälle. So war die Heile-Welt-Nena endgültig gescheitert, als sie den Auftritt von Rob Fowler und Finalist James Borges mit dem Satz kommentierte: „Ihr geht mir auf den Sack“. Ja, Nena, du uns auch.

The Voice of Germany - Finale Robbie Williams mit Isabell Schmidt. © dpa Bilderstrecke 

Die Sticheleien zwischen The Boss Hoss und Rea Garvey waren häufig witzig, aber auch absehbar, wobei Garvey den internen Kampf - und als Team mit Nick Howard auch die Show - gewonnen hat, weil er zugleich einstecken und austeilen konnte. Sein „Unfucking fassbar“ aus der ersten Staffel hat er sich abgewöhnt, was seinen Statements ebenso gut getan hat wie seiner deutschen Ausdrucksweise. Rea Garvey war auf liebevolle Art und Weise am härtesten zu seinen Kandidaten. Bleibt noch Xavier Naidoo. Der hatte das Halbfinale der letzten Staffel noch derart versemmelt, weil er Max Giesinger dem wahren Gesangstalent Mic Donet vorzog, nur weil sein Favorit konsequent deutsch sang und Naidoo das mag. Im Finale wurde Max abgeschlagener Vierter.

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Veröffentlicht: 15.12.2012, 00:30 Uhr

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