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„Taxi Driver“ als Computerspiel Er will doch nur spielen

20.07.2006 ·  Wehren konnten sich Martin Scorsese und Paul Schrader, Regisseur und Drehbuchautor von „Taxi Driver“, nicht, als ihr Film als Vorlage für einen Ego Shooter dienen sollte. Dabei sind Aussage des Films und Ziel des Spiels unvereinbar.

Von Michael Althen
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Gerade jährte sich der Start von „Taxi Driver“ zum dreißigsten Mal, der Film ist seit letzter Woche in neuen Kopien auch bei uns wieder zu sehen, und sein Autor Paul Schrader hat sich zu Wort gemeldet, während er in England an seinem neuen Film „The Walker“ arbeitet. In einem Gespräch mit dem „Guardian“ hat er erwähnt, daß er nicht glücklich sei, daß zu „Taxi Driver“ ein Computerspiel entwickelt werden soll, aber er und Regisseur Martin Scorsese hätten erfolglos versucht, das Projekt zu stoppen.

In ihren Verträgen hätten sie einen Passus gefunden, wonach sie alle Rechte abgegeben haben „für alle Medien, bekannt oder unbekannt, jetzt und in der Zukunft“. 1976 ließ sich eben noch keiner träumen, was dereinst alles möglich sein würde, weder, daß man heute Filme zeitgleich mit ihren Computerspielen herausbringt, noch, daß man auch in alte Filme spielerisch eingreifen kann. Sony hatte also unbekümmert eine „totale Entertainment-Erfahrung“ versprochen, aber der Spieleentwickler Majesco Games wird wegen geschäftlicher Schwierigkeiten die Entwicklung des Spiels erst mal stornieren. Zum Jubiläum wird es also nichts mit dem Ego-Shooter „Taxi Driver“, aber das heißt natürlich nicht, daß das Projekt damit ganz gestorben ist.

Scorsese und Schrader ist nicht wohl dabei - Man weiß, warum

Das Pikante an dem Plan ist ohnehin, daß damit ausgerechnet ein Film zum Ballerspiel umgewandelt werden soll, der selbst einst in Verruf geraten war, weil er dem Jodie-Foster-Fan John Hinckley als Vorlage oder zumindest als Anreiz gedient haben soll, als er 1981 sein Attentat auf Ronald Reagan verübte. Heute gibt Schrader übrigens zu, daß er damals das FBI angelogen habe, als sie ihn fragten, ob ihm Hinckley bekannt sei. Der Regisseur wußte, daß er Schwierigkeiten bekäme, wenn er zugäbe, daß der Junge aus Colorado zwei Briefe an ihn geschrieben hatte, in denen er fragte, wie er an Jodie Foster herankommen könne. Die Briefe hat er schleunigst vernichtet.

Gerade der Bezug zu Hinckley läßt es einigermaßen fragwürdig erscheinen, in Robert De Niros Haut schlüpfen zu können und als Taxifahrer Travis Bickle mit der Knarre durch ein digitales New York zu fahren, um Zuhälter umzulegen und vom großen Regen zu träumen, der den ganzen Schmutz fortschwemmt. Man weiß also, warum es Scorsese und Schrader unwohl bei dem Gedanken ist, die alten Diskussionen neu führen zu müssen.

Wie aber hält er's mit der Selbstjustiz?

Schon 1976 gab es viele Kritiker, die den Unterschied zwischen einem rassistischen Film und einem Film über einen Rassisten nicht begreifen wollten. Dabei hatte das Studio Schrader sogar noch davon überzeugt, daß es keine gute Idee wäre, den Zuhälter mit einem Schwarzen zu besetzen - statt dessen bekam Harvey Keitel die Rolle. Trotzdem wurde dem Film vorgeworfen, er verherrliche die Selbstjustiz - dabei zeigt er nur einen fehlgeleiteten Helden, dem die Selbstjustiz alles andere als die erhoffte Erlösung bringt.

Gerade diese Erfahrung wird das Computerspiel wohl kaum vermitteln können. Denn dort muß das Ziel ja zwangsläufig darin bestehen, so viele Feinde wie möglich zu erledigen - und das ist wohl kaum als ernüchterndes Erlebnis gedacht. Trotzdem muß man zugeben, daß die Spiele der Realisierung eines alten Kinotraums näherkommen: einzutreten in den Film und mitzuspielen. Es muß ja nicht gleich „Taxi Driver“ sein.

Quelle: F.A.Z., 20.07.2006, Nr. 166 / Seite 37
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