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FAZ.NET-Tatortsicherung : Todesfluss Thaya?

Diesen „Tatort„ gibt es nur wegen Ernst Weber. Der Radiojournalist hat vor einigen Jahren ein hörenswertes Feature mit dem Titel „Tod an der Grenze“ für den ORF produziert. An der Thaya wurden 1956 zwei österreichische Fischer vermisst. Erst 50 Jahre später wurde ihr Schicksal aufgeklärt. Und Weber fand heraus, dass einer der beiden ein Agent war – so wie in diesem „Tatort“.

Frage 4: Herr Weber, in dem neuen Wiener Fall versucht ein Journalist, das Schicksal seines Vaters zu erklären, der am Grenzfluss Thaya verschwunden ist. Stimmt das mit Ihren Recherchen überein?

Der Journalist Max Ryba (Harald Windisch) spürt dem Schicksal seines Vaters nach.

Antwort von Ernst Weber (Radiojournalist, der die Geschichte von Walter Wawra junior herausgefunden hat, die den Tatort inspirierte)

Nein, der Sohn war kein Journalist. Aber genau wie er bin ich in der Gegend bei Rabensburg an der Thaya aufgewachsen, deshalb kannten wir uns von früher. Das war auch der Grund, warum ich die Geschichte machen konnte. Ich hatte von den Vorfällen in der Zeitung gelesen, da stand in zwei Sätzen, dass es eine Dokumentation im tschechischen Fernsehen über das Schicksal seines Vaters gab. Damals war zwar schon klar, dass die beiden Männer an der Grenze erschossen worden waren, doch die Hintergründe waren noch unklar. Ich habe dann mit Hilfe eines Historikers herausgefunden, dass Walter Wawras Vater ein Agent war. Das wollte man dem Sohn eigentlich verheimlichen, um ihm den Schock zu ersparen. Am Ende war er aber froh, die Wahrheit erfahren zu haben. Bei meinem ersten Anruf war er an der ganzen Angelegenheit eigentlich nicht interessiert. Aber wir kannten uns vom Fussballspielen, ich habe in Hohenau in der Landesliga gespielt, und er war Fan.

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Frage 5: War die österreichisch-tschechoslowakische Grenzregion wirklich so gefährlich?

Gefährliche Grenze: Auch wenn der „Eiserne Vorhang“ schon lange gefallen ist, wird Max Ryba noch bedroht.

Antwort von Ernst Weber:

Auf jeden Fall. Mein Vater war selbst Zollwachbeamter. Und ich habe als Kind immer die Schüsse gehört in der Nacht. Die Flucht ist den Leuten nur selten gelungen. Mein Vater hat auch selbst Flüchtlinge aus der Slowakei festnehmen müssen. Das war In Hohenau an der March. Neben Rabensburg.

Dass auch der „Tatort“ dort jetzt spielt, liegt auch an Harald Krassnitzer. Der hat mein Feature im Radio gehört - genau wie der Regisseur Rupert Henning, der dann aus der Geschichte unbedingt einen Film machen wollte. 

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Frage 6: Im neuen Tatort geht es um ehemalige Spitzel, die nicht mehr spionieren wollen und daher am Grenzübergang getötet werden. Sind nicht meistens vor allem Flüchtlinge umgekommen?

Antwort von Stefan Karner (Leiter des Lutz Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professor an der Universität Graz. Karner hat in dem Buch „Halt! Tragödien am Eisernen Vorhang“ die Geheimakten über die Toten an der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze untersucht):

Schon, aber Beispiele von Agenten und Spitzeln, die an der Grenze beseitigt wurden, gibt es auch viele. Die wurden einfach an der Grenze „beseitigt“. Weil man sie nicht mehr brauchte, weil sie Doppelagenten geworden waren oder einfach weil sie Spuren gelegt hatten, die zu heiß wurden. Da machte man keinen langen Prozess. Oft wickelte man sie in eine Decke, fuhr im Auto an die Grenze, ließ sie dort aus und erschoss sie von hinten als Flüchtlinge. Ihre Namen und Gesichter sollten für immer vergessen sein ohne Grabstein oder Tafel.

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