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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie porno ist Deutschland?

  • -Aktualisiert am

Muss sich intensiver mit der Porno-Branche auseinandersetzen, als ihm lieb ist: Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) auf einem Münchner Gang-Bang-Dreh. Bild: BR

Eine Erotik-Darstellerin liegt tot neben einem Planschbecken. Beim Blick hinter die Kulissen offenbart sich den Münchner „Tatort“-Kommissaren eine Branche voller Verlierer. Sieht die Realität wirklich so aus?

          Bereits in ihrem letzten Fall frotzelten sich Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) durch die pikanten Details einer Beziehungstat in polyamourösen Kreisen. Diesmal trifft es sie noch härter. Denn in „Hardcore“ müssen sie den Mord an der Porno-Darstellerin Marie Wagner (Helen Barke), in der Szene besser bekannt unter ihrem Künstlernamen „Luna Pink“, aufklären.

          Zunächst macht ihnen der Umstand zu schaffen, dass kaum belastbares Beweismaterial am Tatort sichergestellt werden kann. Denn die Tote war Teil eines „Bukakke“-Drehs, in dessen Verlauf zwei Dutzend Männer Sperma auf ihr hinterlassen haben. Zudem stellt sich heraus, dass etliche Kollegen aus der Branche Dreck am Stecken haben.

          Ein Produzent beispielsweise hätte allen Grund gehabt, sich an Luna zu rächen, hat sie ihm doch den letzten Dreh versaut und ihn dadurch ruiniert. Denn obwohl die Deutschen so gerne Pornos schauen, zwingt das Internet den klassischen Zweig der Industrie in die Knie, heißt es im „Tatort“. Wie sauber haben die Drehbuchautoren recherchiert? Wir haben nachgehakt.

          ***

          Porno-Produzent Sam Jordan: „Wir sind alle im Arsch wegen diesem Internet-Scheiß, weil jede dahergelaufene Muschi macht Amateur-Pornos und fickt auch noch die Fans.“ (Minute 12)

          Frage 1: Der „Tatort: Hardcore“ zeichnet ein düsteres Bild der klassischen deutschen Porno-Industrie. Realistisch?

          In „Hardcore“ wird die klassische Porno-Szene als Kleinbürgerhölle dargestellt. So trifft Leitmayr auf zwei Darsteller (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer), die überlegen, wie sie die Schnittchen am besten von der Steuer absetzen.
          In „Hardcore“ wird die klassische Porno-Szene als Kleinbürgerhölle dargestellt. So trifft Leitmayr auf zwei Darsteller (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer), die überlegen, wie sie die Schnittchen am besten von der Steuer absetzen. : Bild: BR

          Antwort von Philip Siegel (Journalist und Autor des Sachbuchs „Drei Zimmer, Küche, Porno“):

          Allerdings. Pornografie ist in Deutschland seit 1973 erlaubt und seitdem hat sich die Branche wie kaum eine andere verändert, immer Hand in Hand mit technischen Neuerungen. Zunächst wurden Pornos auf dem klassischen 35-Millimeter-Format auf der großen Kinoleinwand gezeigt. Da haben sich Hunderte von Menschen gemeinsam einen Film angeschaut. Mit Einführung der VHS-Kassette wanderte die Pornografie aus der Öffentlichkeit in den privaten Bereich, nach wie vor musste der Konsument aber eine Videothek aufsuchen, um die Filme auszuleihen. Dann kam die DVD, die Vervielfältigungsmöglichkeiten wurden noch einfacher. Und nun hat in den vergangenen Jahren natürlich das Internet die Vorherrschaft übernommen. Diese Entwicklung hat die klassische Porno-Industrie allerdings zu großen Teilen verschlafen, sie hat sich auf ihren bisherigen Erfolgen ausgeruht. Erst im September 2016 ist das bekannteste deutsche Label der Branche, Videorama, unter anderem Produzent der Gina-Wild-Filme, pleite gegangen. Außerdem drängen seit etwa sechs Jahren Amateure in den Markt. Jeder kann jetzt seinen privaten Heim-Porno ins Netz stellen. In der Masse bestreiten sie den Hauptanteil der Einnahmen auf dem deutschen Markt. Da können die klassischen Produzenten nicht mehr mithalten – zumal es mittlerweile auch genug Clips im Netz gibt, die gratis abrufbar sind. Und dass diese Amateure zum Orgien-Dreh in ihre Drei-Zimmer-Wohnung einladen, ist mittlerweile ebenfalls Usus.

          Bedient der schmutzige Slang des Produzenten im Film nur ein Klischee?

          Antwort von Philip Siegel:

          Es ist eine in der Branche vielleicht nicht flächendeckende, aber durchaus übliche Tonalität. Sie müssen bedenken, hier wird über das alltägliche Geschäft gesprochen. Das ist in etwa so, wie wenn ein Klempner über seinen nächsten Auftrag oder sein Arbeitsgerät spricht.  

          ***

          Kommissar Batic: „Ich frage mich, wer sich den ganzen Mist anschaut.“ – Assistent Kalli Hammermann: „Statistisch gesehen wir alle. Wir sind nämlich nicht nur im Fußball Weltmeister, sondern auch im Porno-Schauen. Allein deutsche Produzenten bringen im Monat um die 100 Filme raus.“ (Minute 35)

          Frage 2: Angeblich sind deutsche Produzenten doch abgehängt...

          Antwort von Philip Siegel:

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