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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie gefährlich ist Ebola in der Steiermark?

  • -Aktualisiert am

Im Fluchtdorf nahe dem Steinbruch, in dem der tote Afrikaner gefunden wurde, beißen die Kommissare Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) auf Granit: Niemand will etwas gesehen oder gehört haben. Bild: ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert M

Im ersten „Tatort“ nach der Sommerpause finden sich die Wiener Kommissare in einem Katastrophenszenario wieder: Eine Gemeinde fürchtet eine Ebola-Epidemie, Panik bricht aus. Doch besteht wirklich Grund zur Hysterie?

          Ausnahmezustand in der steirischen Provinz: In einem Steinbruch wird ein Afrikaner ermordet aufgefunden, er trug das Ebola-Virus in sich. Polizei und Militär sperren das Gebiet um die kleine Gemeinde Pöllau weiträumig ab, die Gesundheitsbehörde durchkämmt das Dorf nach weiteren Infizierten.

          Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) lässt der Trubel indes einigermaßen kalt. Die Ermittler konzentrieren sich auf die Suche nach dem Täter, während das kleine Pöllau nach der Diagnose in Hysterie und Chaos versinkt.

          Die eigene Gesundheit scheint den Kommissaren dabei eher gleichgültig zu sein. Denn wie wahrscheinlich und gefährlich ist Ebola in Österreich, denken sie sich? Wir haben Experten gefragt.

          ***

          Frage 1: Im Wiener „Tatort: Virus“ wird ein Afrikaner ermordet. Bei der Obduktion in der Wiener Gerichtsmedizin stellt sich heraus, dass er mit Ebola infiziert war. Das ganze Gebäude wird daraufhin hermetisch abgeriegelt und dekontaminiert. Realistisch?

          Der Tote trug das Ebola-Virus in sich. Das wissen Bibi Fellner, Gerichtsmediziner Kreindl (Günter Franzmeier) und Moritz Eisner zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
          Der Tote trug das Ebola-Virus in sich. Das wissen Bibi Fellner, Gerichtsmediziner Kreindl (Günter Franzmeier) und Moritz Eisner zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. : Bild: ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert M

          Antwort von Prof. Dr. Walter Rabl (Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gerichtliche Medizin):

          Das Ebola-Fieber verursacht keine spezifischen Symptome; nach einer Inkubationszeit von drei bis 21 Tagen führt die Infektion mit dem Virus zunächst zu allgemeinen Krankheitsbildern wie Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Hals-, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen, später auch zu Erbrechen, Durchfall und Magenkrämpfen sowie Atemnot oder gar Delirium. Erst im fortgeschrittenen Stadium lassen sich feine punktförmige Blutungen an Binde- und Schleimhäuten sowie auf der Haut erkennen – letzteres bei Schwarzafrikanern übrigens nicht. Derartige Blutungen treten zudem nicht nur bei Ebola, sondern auch bei anderen Infektionen oder Strangulation auf. Bei der Obduktion kann sich daher allenfalls der Verdacht auf ein hämorrhagisches, also ein mit Blutungen einhergehendes Fieber ergeben. Der Nachweis von Ebola erfordert dann Laboruntersuchungen in spezialisierten Hochsicherheitslabors. Wird die Krankheit festgestellt, sind selbstverständlich umfangreiche Maßnahmen wie die Untersuchung der Kontaktpersonen auf das Virus, die Desinfektion der Räume und so weiter nötig.

          ***

          Gerichtsmediziner Kreindl: „Wir haben bei der Leiche im Nacken- und Gesichtsbereich ein Exanthem festgestellt, einen halb abgeklungenen Ausschlag. Es handelt sich tatsächlich um eine allergische Reaktion und wir wissen auch, auf was: auf die Inhalts- und Duftstoffe eines Erfrischungstuches.“ (Minute 50)

          Frage 2: Die Identität des Toten ist zunächst unklar. Der Gerichtsmediziner gibt jedoch den entscheidenden Hinweis: Auf Händen, im Gesicht und im Nacken des Opfers kann er Rückstände des Duftstoffes eines Erfrischungstuches nachweisen.Die Zusammensetzung des Stoffes sei interessant, weil es nur von einigen wenigen Fluggesellschaften verwendet würde, deren Passagierlisten er zu durchforsten rät. Ein denkbarer Ermittlungserfolg?

          Macht das Unmögliche möglich: Gerichtsmediziner Kreindl identifiziert die Leiche mit Hilfe eines Erfrischungstuches.
          Macht das Unmögliche möglich: Gerichtsmediziner Kreindl identifiziert die Leiche mit Hilfe eines Erfrischungstuches. : Bild: ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert M

          Antwort von Walter Rabl:

          Bei einem Schwarzafrikaner ist die Diagnose eines abklingenden Hautausschlags kaum vorstellbar. Durch eine histologische, also feingewebliche, Untersuchung könnte eventuell eine allergische Reaktion in der Haut nachgewiesen werden. Dafür müsste man wiederum erst einen Verdacht haben, damit die richtigen Hautstellen entnommen werden. Dass Rückstände eines Erfrischungstuchs auf der Haut nach einiger Zeit noch nachweisbar sind, ist in der Praxis kaum denkbar. Erfrischungstücher enthalten meistens Alkohol (er kühlt bei Verdampfung), allenfalls auch Duftstoffe wie Menthol, die sich aber verflüchtigen. Auf diese kann man auch allergisch reagieren - nach ihnen wird bei toxikologischen Analysen allerdings nicht routinemäßig gesucht.

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          Dr. Klaus Rottensteiner, leitender Beamter des Gesundheitsamtes: „Wenn wir das volle Programm laut Paragraph 43 Epidemiegesetz abspulen müssen, dann geht’s rund.“ (Minute 42)

          Frage 3: Nach der Ebola-Diagnose wird das ganze Gebiet rund um die Gemeinde, in der der Tote gefunden wurde, großräumig abgesperrt, nur Polizei, Militär und Seuchenkommando dürfen es noch betreten. Ein nachvollziehbares Szenario?

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