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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie normal ist paranormal?

  • -Aktualisiert am

Kommissarin Anna Jannike (Margarita Broich) diesmal mitten im Flammen-Horror Bild: HR/Benjamin Dernbecher

Die Frankfurter Kommissare Brix und Janneke treibt im neuen „Tatort“ der Geist einer verstorbenen Waisenhausaufseherin um. Sie sucht ihre Familie heim. Wie verbreitet sind solche Phänomene?

          In einer verregneten Gewitternacht dringt ein alter Mann in das Haus von Kommissar Brix und seiner Bekannten Fanny ein und kippt Benzin über den Boden und sich selbst. Dass er sich und das Haus anzündet, verhindern im letzten Moment zwei Arme, die Otto Schlien aus dem Nichts nach draußen ziehen. Brix folgt dort den Blicken des Alten zum Dachboden, wo der Polizeibeamte später eine Kinderleiche entdeckt. Während der Kommissar die düstere Vergangenheit des ehemaligen Waisenhauses aufdeckt, setzt der Geist der verstorbenen Aufseherin alles daran, Rache für ihr Schicksal zu nehmen.

          Was bedeutet es, unerklärliche Dinge wahrzunehmen? Wir haben Experten gefragt.

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          „Glauben Sie an Geister?“ mit diesen Worten leitet die Frankfurter „Tatort“-Kommissarin Anna Janneke die aktuelle Folge ein und berichtet von einem der unheimlichsten Kriminalfälle ihrer Laufbahn (Minute1).

          Frage 1: Habe Sie bei der Frankfurter Polizei schon mal einen paranormalen Fall erlebt?

          Kommissar Brix (Wolfram Koch) gelangt an seine persönlichen Grenzen - und an die der Erklärbarkeit

          Antwort von Annegret Kaus (Polizeioberkommissarin aus Frankfurt):

          Tatsächlich ist uns in Frankfurt ein Fall dieser Art nicht bekannt.

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          Frage 2: Im Haus von Fernsehkommissar Brix und seiner Bekannten Fanny geht es nicht mit rechten Dingen zu. Wie viele Menschen erleben hierzulande selbst einmal so ein außersinnliches Phänomen?

          Nachdem Otto Schlien (Axel Werner) versucht hat, das Haus von Kommissar Brix anzuzünden, passieren unheimliche Dinge in dem alten Waisenhaus

          Antwort von Dr. Ina Schmiedt-Knittel (Soziologin und Mitarbeiterin am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene):

          Wir haben um die Jahrtausendwende einmal eine repräsentative Studie durchgeführt, in der beinahe die Hälfte der befragten Personen angegeben hat, schon einmal etwas Außersinnliches wahrgenommen zu haben. Darunter fallen Dinge, wie ein Ufo zu sehen, hellsichtige Träume oder ein Spukerlebnis zu haben. Paranormale Phänomene und Erlebnisse sind also gar nicht mal selten.

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          Frage 3: Kurz nach ihrem Ableben erscheint Frau Schlien ihrem Sohn Otto als Geist (Minute 53). Eine ganz normale Paranormalität?

          Wird vom Geist seiner Mutter heimgesucht: Otto Schlien.

          Antwort von Dr. Dr. Walter von Lucadou (Psychologe, Physiker und Leiter der einzigen Parapsychologischen Beratungsstelle in Deutschland):

          Dass Menschen verstorbene Angehörige sehen, erleben wir in der Beratung tatsächlich sehr häufig. Einmal ist zum Beispiel eine Frau, gerade Witwe geworden, zu uns gekommen, weil sie ihren verstorbenen Mann auf einmal vor dem Fernseher sitzen sah. Zuerst hatte sie die Polizei gerufen, die sie in eine Psychiatrie bringen wollte. Dabei ist ihr Erlebnis gar nicht ungewöhnlich – unser Gehirn ersetzt einfach Dinge, an die es sich gewöhnt hat, wenn diese plötzlich nicht mehr da sind. So als ob man einen fehlenden Buchstaben im Kopf hinzufügt, um das Wort zu entziffern. Solche Projektionen interpretieren die Menschen dann entsprechend ihrer Gewohnheit als ihre Angehörigen. Sie suchen einen Referenzrahmen, um das Erlebte einordnen zu können. Viele Leute erkennen dann in einem sogenannten „Gestaltwahrnehmungsphänomen“ eben keinen Trick des Gehirns, keine Halluzination, sondern denken an eine Erscheinung aus dem Jenseits.

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          Frage 4: Im Laufe der Folge übernimmt der Geist der zu Tode gekommenen Waisenhaus-Aufseherin schließlich sogar Besitz von Fanny (Minute 64-70). Was ist in so einem Fall zu tun?

          Auch Fanny sieht den Geist der Untoten. Zusammen mit Kommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) deckt sie die düstere Vergangenheit des Hauses auf.

          Antwort von Dr. Dr. Walter von Lucadou:

          Jemanden, der meint, von etwas besessen zu sein, muss man in jedem Fall ernst nehmen und darf sich nicht über ihn lustig machen. Auch denjenigen darauf hinzuweisen, dass seine Wahrnehmung nur Einbildung ist, hilft nicht weiter. Das Gefühl, von einem Geisteswesen besessen zu sein, ist eine reaktive Störung, die oft mit sehr traumatischen Erfahrungen für die Betroffenen einhergeht. Sie basiert auf einer Fehlverarbeitung von Informationen, ist aber nicht zwangsweise eine psychische Krankheit. Die Störung kann beispielsweise auch Erleichterung für den Betroffenen bringen, weil er alles Schlechte auf den Geist schieben kann. Es ist dennoch eine sehr heikle Situation, weshalb wir Menschen, die unter dieser Störung leiden, in jedem Fall in eine Psychotherapie vermitteln würden. Dort lernen sie, ihre eigenen Empfindungen wieder selber in Besitz zu nehmen.

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          „Schizophrene sind so leicht zu beherrschen“, sagt der Geist von Ursula Schlien im Körper von Kommissar Brix‘ Bekannter, nachdem sie genüsslich die Tennissocken heruntergeschluckt hat, die ihr eigentlich den Mund verbieten sollten. (Minute 68)

          Frage 5: Hat die Untote recht? Sind Schizophrene leicht zu beherrschen?

          Wird vom Geist einer Untoten beherrscht: Fanny (Zazie de Paris)

          Antwort von Dr. Dr. Walter von Lucadou:

          Im Gegenteil. Zwar haben Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, das Gefühl, ein leichtes Opfer für andere zu sein. Tatsächlich sind Betroffene aber etwa bei Hypnosen eher sehr schwer zu steuern.

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          Frage 6: Am Ende scheinen die Geister der Verstorbenen durch ein Feuer im Haus zu verschwinden. Ist der Ortswechsel eine gute Lösungsstrategie für das Problem?

          Kommissar Brix entflieht dem brennenden Haus.

          Antwort von Dr. Dr. Walter von Lucadou:

          Ich rate Menschen, die zu mir in die Beratung kommen, sogar davon ab, aus ihren Wohnungen auszuziehen. Anders als in den gängigen Spukgeschichten üblich, sind Geistererscheinungen nämlich nicht an Räume gebunden.

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