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Der Lindholm-Tatort : Diesen Fall kann sie nicht lösen

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Generationenfolge: Susanne Bormann (links) ist neu im Hannoveraner „Tatort“, Maria Furtwänglers Kommissarin Lindholm macht auch im Dienst einiges zu schaffen. Bild: NDR/Marion von der Mehden

Die Schauspielerin Maria Furtwängler feiert als Kommissarin Lindholm ein Jubiläum im „Tatort“. Ihr 25. Fall wird ihr schwerster: Sie macht einen Fehler nach dem anderen. Das hat seinen Grund.

          Einen Albtraum schenkt man einer Kommissarin normalerweise nicht zum Jubiläum“, sagt Christian Granderath, verantwortlicher Redakteur des NDR über den 25. Fall der Kommissarin Charlotte Lindholm. Maria Furtwänglers Rollenfigur wurde schon für einige „Tatorte“ ausgezeichnet, darunter „Wegwerfmädchen“, in dem es um Frauenhandel geht. Auch im tausendsten „Tatort“-Fall, „Taxi nach Leipzig“, war sie an der Seite Axel Milbergs zu sehen. Nicht sicher schien, ob es für Furtwängler eine Ehre war, in diesem „Tatort“ mitzuspielen oder ob Lindholm sich hier die Ehre gab. Fest steht: Für die Kommissarin lief es bislang, trotz einiger Widrigkeiten, richtig gut.

          „Der Fall Holdt“, die Silberfeier der „Tatort“-Kommissarin, ist nun weit mehr als eine realistischer Polizeiarbeit abgeschaute Nachtmahrgeschichte mit Ermittlungspannen und Frustrationen, wie sie etwa der BR mit „Die Wahrheit“ im vergangenen Jahr ausstrahlte. Dort wurde der Täter einer Messerattacke, der sein Opfer anscheinend wahllos in der belebten Münchner Innenstadt niedergestochen hatte, bis zum Schluss nicht ermittelt. Die Vergeblichkeit der Routinen hinterließ Spuren bei den erschöpften Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec). Es war nicht ihre Schuld. Schlimm für ihr Ego. Schlimmer läuft es aber für Lindholm. Auch in „Der Fall Holdt“ geht schief, was schiefgehen kann, die Schuldfrage aber kann eindeutig nicht zurückgewiesen werden. Lindholm macht unter Druck Fehler über Fehler. Anfängerfehler, Fehleinschätzungen, überschreitet Tabugrenzen bei der Befragung des Hauptverdächtigen, trägt Indizien zusammen, die vor Gericht nie standhielten.

          Wenn Blicke töten könnten, überlebte nur der Hund

          Mit Jan Braren („Homevideo„) hat „Der Fall Holdt“ einen preisgekrönten Autor, der die Kommissarin als Opfer und Schuldige zugleich durch die Krise treibt. Die Regisseurin Anne Zohra Berrached, „Tatort“-Debütantin, die zuvor erst zwei Langfilme drehte, darunter „24 Wochen“, der im Wettbewerb der Berlinale lief und den Deutschen Filmpreis gewann, bringt überzeugende Gestaltungsideen ins Spiel, die diesen Fall düster und geheimnisvoll machen und ihn aus der Menge ähnlicher Stoffe herausheben. Kamera (Bernhard Keller) und Szenenbild (Janina Schimmelbauer) haben ein klares Konzept. Dieser „Tatort“ spielt hauptsächlich in der winterlichen Einsamkeit eines „Stangenwaldes“, hier steht ein Stamm neben dem anderen, ohne viel Unterholz zu bieten, eigenwillig abweisende Natur, und mitten im Wald das Haus der Holdts, wie ein gewollt großspuriger Villenversuch in Distanz zu jeder Nachbarschaft im nicht gerade großstädtischen Walsrode.

          Eindrücklich ist der Beginn der Entführungsgeschichte im Haus des Leiters der örtlichen Sparkassenfiliale, der so gar nichts von einem Bankier hat. Frank Holdt (Aljoscha Stadelmann) kommt morgens kurzatmig vom Joggen, kontrolliert das Handy seiner Frau auf Nachrichten. Sie spricht kein Wort mit ihm und packt Koffer, er redet sie nicht an, liebkost nur den Hund, jeder geht seinen Verrichtungen nach. Eine Ehe ohne Kommunikation, choreographiertes Schweigeballett und ganz stark inszenierte Szene. Wenn Blicke töten könnten, würde hier nur der Hund überleben. Der Hund allerdings wird das erste Todesopfer im „Fall Holdt“, den Jan Braren in einigen Zügen dem Entführungsfall Maria Bögerl nachempfunden hat.

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