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Letzter „Tatort“ für Kopper : Auf einmal geht es Knall auf Fall

  • -Aktualisiert am

Was ist denn mit dem los? Kommissar Mario Kopper (Andreas Hoppe) ist für gewöhnlich ein ruhiger Vertreter. Doch jetzt ist im „Tatort“ alles anders. Bild: SWR/Roland Suso Richter

Am Sonntag sehen wir Andreas Hoppe als „Tatort“-Kommissar zum letzten Mal. Seine Kollegin Ulrike Folkerts macht weiter. Warum wird das Ermittlerduo vom Südwestrundfunk so plötzlich getrennt?

          Gerade hat sich der Unmut über die Improvisationsfolge „Babbeldasch“ des „Tatorts“ aus Ludwigshafen noch nicht ganz gelegt, da verliert die dienstälteste Kommissarin der ARD-Reihe ihren Partner. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ermittelt seit 1989, sieben Jahre später trat Mario Kopper (Andreas Hoppe) seinen Dienst an. Die beiden haben gemeinsam viel durchgemacht. Sie hatten es mit mordenden Rechtsmedizinern und Zirkusdiven zu tun. Sie wurden enge Freunde und sind mittlerweile Wohngenossen. In 57 Folgen verkörperte Andreas Hoppe den beliebten Kommissar Kopper. Jetzt ist Schluss. In seinem letzten Fall geht es ganz im Sinne eines Abschieds um Kopper selbst.

          Der trifft scheinbar zufällig seinen alten Jugendfreund Sandro (Michele Cuciuffo) auf der Straße. Als die beiden ihr Wiedersehen begießen, obwohl Kopper das „eigentlich nicht darf“, betritt ein junger Italiener die Bar und richtet eine Waffe auf Sandro. Kopper erschießt den Angreifer. Doch anstatt einen Krankenwagen zu rufen und den Tatort zu sichern, lässt sich der Kommissar von seinem Freund Sandro dazu überreden, die Spuren zu verwischen und zu flüchten. Der Grund: Als Steuerberater weiß er zu viel über die Machenschaften der Mafia, er steht auf der Abschussliste. Er bittet Kopper, ihn und seine Familie ins Zeugenschutzprogramm zu bringen, dann will er als Kronzeuge aussagen. Mit der Mafia hat auch Lena Odenthal zu tun. Sie ermittelt im Fall eines abtrünnigen Mafioso, der sich im Gefängnis umgebracht hat, offenbar weil er massiv bedroht wurde. Kopper ist keine große Hilfe mehr. Er sucht seinen eigenen und Sandros Kopf zu retten. Schließlich verwickelt er auch Lena Odenthal in seine illegalen Pläne.

          Koppers Liebe zu Italien, der Heimat seiner Mutter, spielte in etlichen Folgen des Ludwigshafener „Tatorts“ eine Rolle und prägte seinen Charakter. Im Winter fährt er Fiat, im Sommer eine Moto Guzzi. Er wählt SPD, weil er mal gehört hat, dass Rudolf Scharping ein Haus in der Toskana hat. Jetzt wird die Sache mit Italien allerdings konkret. Kopper hat sich mit der Sizilianerin Maria (Marzia Tedeschi) verlobt. Für sie kommt ein Umzug nach Ludwigshafen nicht in Frage. Der Zuschauer ahnt, welche glückliche Wendung Koppers Leben nehmen könnte, und bangt bei diesem letzten Fall umso mehr, ob die Mafia dem einen Strich durch die Rechnung macht.

          „Für euch gibt’s hier keine Mafia. Weil ihr sie nicht sehen wollt“, sagt Sandro. Eine Stellungnahme des Bundesinnenministeriums vom Juni 2017 auf eine Anfrage der Grünen zur Müll-Mafia in Deutschland las sich entsprechend: Das „Phänomen illegaler Abfallentsorgung, begangen durch Gruppierungen der italienischen organisierten Kriminalität“, sei der Bundesregierung bekannt. „In Deutschland wurden diesbezüglich keine Ermittlungen geführt.“ Das Thema passt in die Chemie-Stadt Ludwigshafen. Der Drehbuchautor Patrick Brunken nimmt es ernst und benennt die großen Zusammenhänge. Mehr als einmal hören wir in diesem Film, dass wegen der Terrorbekämpfung andere Ermittlungen hintanstehen. Das wirkt sowohl plausibel wie von den Opportunisten, die es als Ausrede in diesem Film benutzen, vorgeschoben. Die Vielschichtigkeit des Problems treibt hier die männlichen Akteure in dieser Geschichte in den Wahnsinn. Sie morden oder gehen in Deckung, schießen jede Loyalität in den Wind und gehen sich an die Gurgel. Die Frauen sind allesamt mutig und pflichtbewusst – Lena Odenthal, ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) sowie die LKA-Hauptkommissarin Karin Manz (Saskia Vester).

          Ist das schon ein Hinweis darauf, dass Kopper gegen eine Frau ausgetauscht wird? Der SWR hat sich dazu bisher nicht geäußert. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur ließ Andreas Hoppe anklingen, dass sein Abgang nicht ganz freiwillig war. „Ich mochte die Figur sehr, deshalb habe ich sehr darum gekämpft und versucht, sie zu verteidigen und zu schützen“, sagte er. Er habe die Redaktion mit „tollen Ideen“ füttern wollen, aber „das wollten die alles nicht“. Was letztlich zu der Entscheidung geführt hat, den Kommissar Mario Kopper aus dem Dienst zu nehmen, bleibt Geheimsache. Jedenfalls beschert der SWR dem Schauspieler und der Figur mit der „Tat-ort“-Folge „Kopper“ einen würdigen Abgang. Der Fall ist zwar zuweilen etwas verworren, aber er verknüpft eine liebgewonnene Figur mit einem großen Krimi-Thema. Das erscheint sowohl der Geschichte des Ermittlers als auch der Stadt, die über zwanzig Jahre dessen Revier war, durchaus angemessen.

          Der Tatort: Kopper läuft am Sonntag, 7. Januar, um 20.15 Uhr im Ersten.

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