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„Tatort: Zwischen den Fronten“ Bloß keine Skrupel zeigen

Die Österreicher mischen den „Tatort“ auf: In der Wien-Folge „Zwischen den Fronten“ gelingt zwar nicht alles. Bemerkenswert aber ist, dass das Drehbuch eine politische Zuspitzung riskiert.

© rbb/ORF/Petro Domenigg Vergrößern Szene aus dem ORF-“Tatort“: Das Attentat, bei dem der vermeintliche Selbstmordattentäter und ein Polizist getötet werden

In Zeiten, in denen Fernsehserien wie „Homeland“ und „Borgen“ international Furore machen und Zeitgeschichte auf beeindruckend komplexe Weise schreiben, fällt die Praxis des deutschen Fernsehens, politisches Geschehen als Thema in Serie und Spielfilm zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, besonders unangenehm auf. Gerade der „Tatort“ wäre ein Format, in dem sich mehr politische Handlung wagen ließe. Der Wille zur Macht zeitigt Verbrechen, Intrigen, Graubereiche. Verschwörungen bis in höchste Kreise - eine Spielwiese für Krimidrehbuchautoren, sollte man meinen.

Kann sein, dass in solchen Krimis die Ermittler unwichtiger sind und stattdessen das kriminelle Machtgefüge und mannigfache Abhängigkeiten, mithin Strukturen statt bloß Personen in den Blick geraten. Kann sein, dass das Dauerpsychologisieren im deutschen Fernsehkrimi überflüssig wird. Sicher ist, dass man in deutschen Sendeanstalten zu wissen meint, was der Zuschauer will. Mehr vom Gleichen.

Die Absicht ist lobenswert

Risikoscheu und Mutlosigkeit jedenfalls kann man den Kollegen vom österreichischen „Tatort“ nicht nachsagen. „Zwischen den Fronten“ will politisch sein, auch wenn das Format den Film einschränkt. Die Absicht ist lobenswert, die Umsetzung nur zum Teil gelungen. Aber die trauen sich was. Das Buch von Verena Kurth traut sich was. Die Regie von Harald Sicheritz allerdings bleibt konventionell.

„Zwischen den Fronten“ handelt von Demokratie und Bürgerrechten und von innerer Sicherheit als Spielball von Politikern. Es geht um Macht und die brutalen Methoden, Skrupel und Menschen aus dem Weg zu räumen. Um Fremdenfeindlichkeit als politisches Kalkül und das Benutzen der irrationalen Angst, jeder Muslim könne nur auf die Gelegenheit zum Anschlag warten.

Dieser „Tatort“ will offenlegen, wie mit gezielt geschürter Angst Politik gemacht wird. Wie Minister in Hinterzimmern gemacht werden. Wie der Aufstieg eines scheinbar unverdächtigen Staatsdieners mit einer rechtsradikalen Verschwörung zusammenhängen könnte. Dieser „Tatort“ will also viel, leider zu viel für neunzig Minuten. Man könnte sich ihn als Serie vorstellen oder als Zweiteiler wie den letzten „Tatort“ aus Hannover, der nicht nur am Ende Mätzchen bemühen musste, um sich über die Zeit zu retten. Vieles in „Zwischen den Fronten“ wird nur kursorisch erzählt und gerade einmal angerissen.

Beweise gegen die Einzeltätertheorie

Als sich vor dem Wiener Palais Liechtenstein der junge Iraker Kasim Bagdadi (Samy Hassan) in die Luft sprengt, gerade als der Leiter einer Konferenz der Vereinten Nationen vorfährt, ist der Fall für Magister Michalski (Alfred Dorfer), den Amtsleiter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, klar. Bagdadi habe sich bei einem Aufenthalt im Irak vor zwei Jahren radikalisiert und sei als Schläfer zurückgekommen. Dass er als Friedensaktivist und Gründer einer Internetplattform zur Förderung der Basisdemokratie zur Konferenz eingeladen worden sei, wertet Michalski als besonders geschickte Tarnung.

Tatort: Zwischen den Fronten © rbb/ORF/Petro Domenigg Vergrößern Das Wiener Ermittlerduo Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser)

Seine „beste Kraft“, Majorin Warig (Susanne Wuest, leider äußerst outriert spielend), macht er zur Chefin einer Task Force, in der auch die Ermittler Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) in die gewünschte Richtung ermitteln und den Fall schnell abschließen sollen. Eisner und Fellner haken sich fest, folgen, immerfort grantelnd, unpassenden Spuren und finden Beweise, die so gar nicht zur Einzeltätertheorie passen.

Nicht jede Rolle ist hier glücklich besetzt, aber Krassnitzer und Fellner geben ihr Bestes, und auch Dorfer als Staatssicherheitschef spielt sich eindrucksvoll durch den Fall. Eine Eifersuchts-Nebenbuhler-Nebengeschichte gestaltet sich ablenkend und zeitraubend. Wer aber am Sonntagabend andere Schauspieler als die hierzulande immerzu besetzten sehen möchte und eine Handlung, die nicht die sichere Karte spielt, wird diesen „Tatort“ aus Österreich schätzen.

Mehr zum Thema

„Tatort. Zwischen den Fronten“ läuft am Sonntag, 17. Februar, um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.

 
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