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Tatort: „Trautes Heim“ im Ersten : Wenn Männer zu sehr lügen

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Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) halten Kai Grabow (Lasse Myhr) zurück Bild: WDR/Martin Menke

Zwei Kommissare wollen eine Kindesentführung aufklären. Doch ein Mann, der zwei Leben führt, gibt ihnen Zusatzrätsel auf. Dem neuen „Tatort“ aus Köln fehlen Logik und Spannung.

          Was hat der Flugpionier Charles Lindbergh mit dem neuesten Fall von Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) zu tun? Eine Parallele liegt für die Kommissare auf der Hand (für alle anderen weniger): Auch in der Kölner „Tatort“-Folge „Trautes Heim“ wird ein Kind entführt, bangen Mutter und Vater um das Leben eines kleinen Jungen. Eine zweite Parallele aber, so will es das Drehbuch, das aus dem Plausibilisieren kaum herauskommt, bringt Ballauf auf die richtige Spur, nachdem Schenk und er lange Zeit viel weniger wissen als der Zuschauer.

          Der nämlich sieht Simone Schäfer (Alma Leiberg), die Mutter des entführten Lukas (Nick Schuck), langsam zusammenbrechen, während der Vater Roman Sasse (Barnaby Metschurat) lauter merkwürdige Dinge tut, schweigt, wo er die Polizei dringend informieren müsste, vertuscht, was ans Tageslicht drängt, die Lösegeldübergabe verpatzt und sich mächtig verdächtig verhält. Simones Schwester Heike (Meike Droste) und ihr Mann Kai (Lasse Myhr) drucksen ebenfalls dauernd herum. Dass bei der Entführung ein Motorradfahrer absichtlich überfahren wurde, scheint dagegen niemanden so recht zu interessieren.

          Erotisches Multitasking

          Notorisch nämlich, weiß Ballauf, wurde Lindbergh auch als Meister des erotischen Multitaskings. Drei weitere Frauen und mit ihnen jahrelange Beziehungen hatte der Flieger neben seiner ersten, aus jeder dieser Verbindungen gingen Kinder hervor, welche die wahre Identität ihres Vaters nicht kannten.

          Erst nach dem Tod Lindberghs wurde das Ausmaß dieses Betrugs offensichtlich. Jetzt kapiert auch Schenk die Sachlage. Das im ausgebrannten Entführungswagen gefundene Kinderhandy, dessen SIM-Karte gar nicht auf Lukas’ Namen registriert war, sondern einem anderen Jungen gehörte, führt zu Roman Sasses zweiter Familie.

          Mit Ruth Junghanns (Sandra Borgmann) ist er verheiratet. Die fällt aus allen Wolken und bemerkt erst jetzt, dass ihr Mann immer so penibel seinen Terminkalender geführt hat. Zwei Wochen „beruflich in Leipzig“, zwei Wochen zu Hause. Auch Simone hat ihren Lebensgefährten nur alle zwei Wochen gesehen. So sind eben die modernen Verhältnisse, da hat keine was dran gefunden.

          Agentur für perfekte Ausreden

          Was will dieser „Tatort“ aus Köln? Sonst auf Fälle mit breiterem, meist sozialkritischem Hintergrund abonniert, geht es in „Trautes Heim“ um eine Privatgeschichte. Mit viel gutem Willen kann man auch hier Zeichen allgemeinerer moralischer Verkommenheit entdecken. Möglich gemacht wird Sasses Doppelleben nämlich durch die Dienste der skrupelfrei geführten Ausreden-Agentur „Pretesto“. Gebucht hatte Sasse das „Rundum-Sorglos-Paket“ – fingierte Anrufe von Bahnsteigen („habe leider den Zug verpasst“) und falsche Billetts zum daheim vorlegen inklusive. Bei „Pretesto“ hampelt ein windiger Manager herum, der seine Dienste naturgemäß schönredet.

          Mäßig spannend führt sich dieser „Tatort“ (Regie: Christoph Schnee) auf. Statt Action ist des Palaverns kein Ende. Dass der von den Kommissaren ins Visier genommene Besitzer des Wagens kein Schwerkrimineller sein kann, ist gleich klar. Ballauf und Schenk ermitteln sich mit erprobter In-der-Ruhe-liegt-die Kraft-Haltung dem Ende entgegen. Ein Ärgernis ist das Drehbuch (Frank Koopmann und Roland Heep, Bearbeitung: Benjamin Henssler), das die Motivlage der Hauptfiguren und allerhand Unwahrscheinlichkeiten nur unzureichend zu verknüpfen weiß.

          Wo die Idee schon in sich schief erscheint, ist wenig zu retten. Und da die Geschichte sich fast nur dialogisierend von der Stelle bewegt, und man offenbar gemerkt hat, dass das nicht unbedingt ein filmisches Mittel erster Wahl ist, hat man die versuchte Lösegeldübergabe direkt vor den Kölner Dom verlegt. So haben die Kommissare nicht nur was zu reden, sondern auch einmal was zu schauen. Wären Sandra Borgmann und Alma Leiberg nicht, die sich einige berührende Momente freispielen, hätte man gar keinen Grund, diesen „Tatort“ einzuschalten.

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