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„Tatort“-Folge „Er will töten“ : Inga Lürsen in love

Sucht den Mörder ihres Liebhabers: Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) Bild: Radio Bremen

Das nennt man prima Hausmannskost: Der „Tatort. Er will töten“ geht auch den Ermittlern nah. Inga Lürsens Freund wird ermordet und Hauptkommissar Stedefreund ist von seinem Afghanistaneinsatz traumatisiert.

          Inga Lürsen (Sabine Postel) ist die Hannelore Kraft unter den „Tatort“-Hauptkommissaren. Sie kann Brote schmieren und ein Verhör psychologisch gut aufbauen. Sie kümmert sich um Leute, tröstet und erzählt von ihrer eigenen Tochter. Sie hat auch Schwächen, zu denen sie, wie sie selbst wohl sagen würde, „steht“. Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) dagegen, gerade aus Afghanistan zurückgekehrt, traumatisiert vom Verlust eines Kameraden, verhört eher robust und erlebt Flashbacks aus Kundus. Dagegen helfen Tabletten.

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

          Ganz offensichtlich ist auch Dr. Marie Schemer (Annika Kuhl) auf Speed. Eine Frau in Panik. Sie redet immer nur den einen Satz: „Er“ wolle sie töten. Es braucht eine Weile, bis klar ist, um wen es sich bei dieser Frau handelt. In ihrer Wohnung hat, sagen wir‘s zurückhaltend, eine vandalische Person gehaust und die Stofftierchen ihrer vor Jahren umgebrachten Tochter aufgeschlitzt. Überall Federn aus der Füllung. Verurteilt wurde ihr Mann Joseph Vegener, seit ein paar Tagen ist er wieder frei.

          Traurig-schöne Momente

          Wenn man sagt, dieser „Tatort“ (Regie: Florian Baxmeyer) sei gute Hausmannskost, dann ist das nicht ironisch gemeint. Wie man nach zu viel Hamburgern Lust auf Leberwurst bekommen kann, so gibt es auch nach mehreren Wochen, die man fast ausschließlich mit „Criminal Minds“ oder „Bones“ verbrachte, geradezu einen Heißhunger auf geduldig durchgeführte Ermittlungen, wo die Sachen eben ein bisschen dauern und die DNA-Analyse nicht schon nach zwei Minuten da ist wie bei den Amerikanern. „Schritt für Schritt“ sollten Ermittlungen betrieben werden - das war das Vermächtnis von Leo Uljanoff (Antoine Monot Jr.), den man auf der Toilette des Polizeipräsidiums erstochen auffindet.

          Sein Name übrigens gehört in die bolschewistische Reihe der Radeks, die neuerdings im ZDF auftauchen: Lenin hieß eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow. Und verspielt planen am Anfang Inga Lürsen und der viel jüngere Leo ihr künftiges gemeinsames Leben - in der Form eines regelrechten Verhörs. Komisch, dann tragisch. Inga Lürsen will Leos Mörder, sie will den Fall: „Das muss möglich sein!“ Zum Schlüssel wird die Tatsache, dass die - sagen wir es wieder zurückhaltend - Täterperson nach dem Mord an Leo und dem Angriff auf Marie das Präsidium offenbar nicht verlassen hat. Wie genießen wir diese langen Minuten, in denen das SEK von Raum zu Raum durchs Gebäude hetzt - „Gesichert! Gesichert!“ -, und nichts findet.

          Gegen den Kindsvater Vegener, der stets seine Unschuld beteuerte, ermittelte damals ausgerechnet Leo Uljanoff. Das könnte ein Motiv für die aktuelle Untat sein. Aber wer manipuliert hier wen? Es gibt traurig-schöne Momente, in denen sich Inga Lürsen an ihren toten Liebhaber erinnert. Am Ende wird er - aber nur angedeutet - russisch-orthodox beerdigt. Einmal keine Feuerbestattung.

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