02.10.2008 · Dem Zentralrat der Sinti und Roma sind in einer „Tatort“-Folge negative Klischees und diskriminierende Stereotypen über Roma aufgefallen. Der WDR will „Brandmal“ dennoch wie vorgesehen senden. Der Film baue in der Tradition der sozialkritischen Kölner „Tatorte“ Vorurteile ab.
Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat die Forderung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma nach Absetzung eines geplanten ARD-„Tatorts“ zurückgewiesen. WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff äußerte an diesem Donnerstag zugleich Respekt vor den Sorgen des Zentralrats, „der sich - zu Recht - regelmäßig öffentlich gegen die mit negativen Klischees behaftete Darstellungen der Roma- und Sinti-Minderheit wendet“.
Der WDR sehe jedoch „keine Veranlassung, den Film nicht wie vorgesehen am 19. Oktober 2008 zu senden“. Der Zentralrat hatte am Vortag kritisiert, dass der Krimi „Brandmal“ mit den ermittelnden Kommissaren Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) negative Klischees und diskriminierende Stereotypen über Roma enthalte.
„Anregung für nicht allzu schnelle Vorverurteilung“
„Im Gegensatz zu den Vorwürfen des Zentralrates sind wir davon überzeugt, dass mit einem sorgfältig recherchierten Buch und dem behutsam inszenierten Film mit der Problematik sehr differenziert umgegangen wird“, erklärte Kulenkampff. Der Film bestätige gerade nicht die üblichen Klischees. Im Gegenteil baue er in der Tradition der sozialkritischen Kölner „Tatorte“ Vorurteile ab.
Sie verwies darauf, dass die Idee zu dem Film von dem Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma, Rudolf Sarközi, an den WDR herangetragen wurde. Sarközi habe den Film auch während seiner Entstehungsphase begleitet. In einem Grußwort zum Film erklärte Sarközi: „Dieser 'Tatort' soll eine Anregung für eine nicht allzu schnelle Vorverurteilung geben.“
Sozialkritischen Themen unter Protest
„Tatort“-Krimis mit sozialkritischen Themen haben in der Vergangenheit mehrfach zu Protesten betroffener Minderheiten geführt. Nach einer Brandkatastrophe in Ludwigshafen in einem von türkischen Familien bewohnten Haus mit neun Toten verschob der SWR im Februar dieses Jahres einen „Tatort“ mit Ulrike Folkerts, der im deutsch- türkischen Milieu der Stadt angesiedelt war, auf den 6. April.
Im Dezember 2007 löste ein „Tatort“ des NDR massive Proteste der alevitischen Glaubensgemeinschaft aus. Mehr als 15.000 Aleviten, die eine bestimmte Glaubensrichtung des Islam vertreten, aus ganz Europa demonstrierten in Köln gegen den Film mit Maria Furtwängler. In dem Krimi ging es um einen Inzest-Fall in einer alevitischen Familie. Die Schwester einer Schwangeren wird umgebracht, weil sie zur Aufklärung des Falls beitragen will. Die Aleviten warfen den Filmemachern vor, uralte Vorurteile wieder aufleben zu lassen.