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„Tatort: Es ist böse“ im Ersten Sie schlüpfen in die Haut des Serienmörders

Der Frankfurter „Tatort. Es ist böse“ ist ein Meisterstück und kaum zu ertragen. Er geht auf eine wahre Begebenheit zurück, auf einen Fall grausamer Morde an Prostituierten.

© HR Vergrößern Schier fassungslos angesichts der brutalen Morde: Die Kommissare Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król)

Es ist böse“, sagt Frank Steier zu seiner Kollegin Conny Mey, als sie die Treppen hinaufkommt. Aber noch ehe der Zuschauer den Gedanken zu Ende bringen kann, warum die hessischen „Tatorte“ das Wörtchen „böse“ so häufig im Titel führen, stellt man erschüttert fest, dass die Warnung nicht übertrieben war. Der Anblick, der sich Conny Mey und also auch uns offenbart, ist nichts für schwache Nerven.

Quer über das Bett hingestreckt liegt im Schlafzimmer ihrer Frankfurter Wohnung die getötete Prostituierte Ramona Förster. Nur spärlich in ihre Arbeitskluft gekleidet, wurde ihr Körper ganz offensichtlich von einem Wahnsinnigen mit zahllosen Messerstichen malträtiert. Das Blut ist durchs ganze Zimmer gespritzt, an die Wände, über den Boden, weil es, wie wir vom Gerichtsmediziner erfahren, „senkrecht ausgeflossen ist“. Der Mörder hat seinem Opfer nämlich auch die Kehle durchgeschnitten, allerdings post mortem.

Schon der Auftakt zum dritten Frankfurter „Tatort“ in dieser Besetzung schont die Zuschauer nicht. Er weist, begleitet von den sphärischen Klängen des Komponisten Stefan Will, die Richtung der Erzählung: eine Geschichte von unvorstellbarer Gewalt. Es geht um Schmerz und um Verstoßenwerden, um Wahnvorstellungen und totale Hoffnungslosigkeit.

Der Film geht unter die Haut

Dem grausamen Verbrechen versagt die Regie von Stefan Kornatz indes jegliche Form der Ästhetisierung, was den Film rettet. Anders hätte man diese Geschichte nicht erzählen dürfen. So düster, so kaputt und trostlos hat man die Stadt mit der funkelnden Skyline selten gesehen. Die sonst notorisch gutgelaunte Conny Mey verliert in diesem Fall nicht nur die Fassung, sondern bald ihr Gehör und zeitweise sogar den Job.

Tatort: Es ist böse © HR/Johannes Krieg Vergrößern Bloß nicht die Richtung verlieren: Kommissarin Mey (Nina Kunzendorf) zeigt den Weg

Der Serienmord an Frankfurter Prostituierten geht auf eine wahre Begebenheit zurück. Aufgeschrieben hat sie der Profiler Axel Petermann in seinem Buch „Auf der Spur des Bösen“. Vielleicht ist das ein Grund, warum das Elend, der Hass und die Gewalt in diesem „Tatort“ so wahrhaftig wirken, dass es fast weh tut. Der Film nimmt einem beinah die Lust am Krimi, so sehr geht er unter die Haut.

Auch den Kollegen im Kommissariat setzt der Fall zu, es kommt zu heftigen Anfeindungen. Der unbeliebte Polizist Erik Seidel (Peter Kurth), der in der vorigen Episode suspendiert wurde, darf wieder ermitteln. Prompt fordert er, Conny Mey „endlich an die Leine zu legen“. Die wiederum will sich den Fall nicht wegnehmen lassen.

Mutig pfeift sie auf die Warnungen des ihr eigentlich wohlgesinnten Frank Steier. „Sie treten auf wie ein ehrgeiziges Mädchen aus dem Mannheimer Proloviertel, das endlich mal in die Presse kommen möchte“, raunzt er sie an. Er sei wohl der Typ Kotzbrocken, der es sich in der zweiten Reihe gemütlich gemacht habe, kontert sie eisig.

Heikles Haareschneiden

Das Drehbuch von Lars Kraume lässt die Ermittler an ihre Grenzen kommen - die Mordserie lässt sich nicht stoppen. Am laufenden Band werden Unschuldige wie Ramona Försters Exmann verdächtigt. Zwar kommt er wieder auf freien Fuß, seine Existenz aber ist zerstört. Das letzte Drittel des Films, als klar scheint, wer hinter der Mordserie steckt, gerät zur Studie über menschliche Abgründe. Auch wenn kein Blut mehr fließt, ist das Grauen nicht weniger unerträglich.

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Uwe Bohm spielt den Verlierer Markus Förster, der nichts mehr hat außer Sex mit Prostituierten, und Lisa Wagner gibt seine Wohnungsnachbarin Rita Herfurth als gefühlskalte Domina, der einzig ihre Katzen ein Lächeln entlocken. Nina Kunzendorf und Joachim Król nehmen sich in ihrem dritten gemeinsamen Fall schauspielerisch extrem zurück. Sosehr ihre Frotzeleien sonst Spaß machen, wären sie hier fehl am Platz. In ihrer neuen Ernsthaftigkeit gewähren sie uns dafür einen kurzen Einblick in ihr sonst sorgsam gehütetes Privatleben.

Conny Mey schleppt offenbar ein Geheimnis mit sich herum, das mit häuslicher Gewalt zu tun hat. Und Frank Steier hat einen Freund, der Friseur ist und den er offenbar schwer liebt. Jedenfalls lässt er sich von ihm die Haare schneiden, was bei seiner schütteren Bedeckung nicht unheikel ist. Doch erst als der Fall gelöst ist, sagt Conny Mey ihrem Kollegen: „Das mit den Haaren - das geht so gar nicht.“ Recht hat sie.

„Tatort: Es ist böse“ läuft am Sonntag, 22. April, um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.

 
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