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Neue „Tatort“-Richtlinien : Tod am Sonntag

Unverzichtbar: Ohne Wurstbude kein „Tatort“, notfalls auch vegan. Oder Fischbrötchen. Bild: dpa

Ein ARD-Papier hat jetzt die neue Linie für den „Tatort“ vorgegeben: nur noch zwei experimentelle Fälle im Jahr, ansonsten der klassische Ermittlerkrimi. Wir wagen einen Blick ins Programm der Zukunft.

          „Mord ist machbar, Herr Nachbar“ (BR)

          Schreck in der Morgenstunde in München-Bogenhausen: Im Architektenhaus des Ehepaars Schneider (Fritz Karl und Aglaia Szyszkowitz) liegt der Nachbar (Peter Lerchbaumer) im durchgefliesten, 900 Quadratmeter großen Wohnzimmer tot zwischen Ledersofa, Fernseher und Zahnarztpraxiskunst. Dem Gerichtsmediziner (Eckart von Hirschhausen) ist gleich klar: Der Mann muss erschossen worden sein. Dennoch verwickelt Kriminalhauptkommissar Müller (Peter Heinrich Brix) den Doc in einen langwierigen Dialog, wann, wie und in welcher Genauigkeit der Obduktionsbericht vorzuliegen hat – die Zeit nutzt sein neuer Kollege Meyer (Max von Thun) dazu, mit einer lässigen Geste den wachhabenden Streifenpolizisten seinen Dienstausweis hinzuhalten und gleichzeitig das Absperrband anzuheben. Dass er verspätet am Tatort ankommt, dabei Kaffee aus einem Plastikbecher trinkt und Lederjacke trägt, während sein Kollege Müller bunte Fliegen und Zweireiher mag, zeigt dem Zuschauer, dass es sich bei Meyer um einen Lebemann in einer unaufgeräumten Neubauwohnung handeln muss, bei Müller aber um einen Spießer mit Herz und Bartók-Platten.

          Während die aufgelöste Gattin den beiden Kommissaren erklärt, dass ihr Mann sich seit sechs Jahren auf Dienstreise befindet, versteckt der verdächtige Sohn des Nachbarn (Robert Gwisdek) einen USB-Stick. Bis 21.07 Uhr ermitteln Meyer und Müller deswegen im Studentenmilieu und danach im Münchener Nachtleben, was der Regie die Möglichkeit gibt, ausgelassene Tanzszenen im Club mit einem Nacktauftritt der Freundin des Sohns des Nachbarn (Ruby O. Fee) zu verbinden.

          Um 21.35 Uhr zeigt sich, dass keine dieser beiden Spuren richtig war, was der Zuschauer schon seit 20.23 Uhr wusste, weil: sechs Jahre Dienstreise, das hält doch keine Ehefrau aus. Beim Showdown muss sich der neue Sympathieträger Meyer auf der Jagd nach dem um 21.18 Uhr eingeführten Nebenbuhler des Nachbarn des Ehemanns ein Fahrrad von einem Passanten leihen; die Frage, wie der arme Mann es zurückerhält, ergibt einen Schmunzelgag.

          „Der fünfte Mann“ (NDR)

          Im winterlichen Park des Internats Louisenlund entdeckt Hausmeister Martin Schneider (Hanspeter Müller-Drossaart) bei einem morgendlichen Rundgang die Leiche einer Schülerin. Sie ist nackt. Als Kriminaloberkommissarin Julia Ebert (Jenny Elvers) am Tatort eintrifft, nicht ohne heiß geduscht und sich von ihrem jungen Liebhaber (Frederick Lau) verabschiedet zu haben, hebt sie mit ihrer wildlederbehandschuhten Hand vorsichtig die knisternde Goldfolie, auf der das Blaulicht der Streifenwagen reflektiert wird, um sich selbst ein Bild von der Toten zu machen. Sie ist nackt. Vom Direktor des Internats (Erol Sander), der Ebert bittet, nichts an die Presse durchsickern zu lassen, erfährt die Kommissarin den Namen der Toten: Anna von Seghert (Nora von Waldstätten) – die einzige Tochter des berühmten Reeders.

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