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„Tatort“ aus München Der Neue macht ihnen ganz schön zu schaffen

 ·  Die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr bekommen einen neuen Ermittler an ihre Seite gestellt. Zu dritt, aber nicht im Team, löst das Trio einen verzwickten und nervenaufreibenden Fall.

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© Kerstin Stelter Vergrößern Die Kommisare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) rahmen den Jungspund Engelhardt (Fabian Hinrichs) ein

Dieser Film ist richtig gut. Der Fall ist unergründbar, verzwickt, nervenaufreibend, dramatisch. Und er ist gleichzeitig von jenem schrägen Humor, den die beiden Münchner Hauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) seit Jahren verkörpern. Der Regisseur Alexander Adolph widmet sich den kleinen Dingen, ihrer Mimik, den Enttäuschungen, Marotten, Schmerzen und der darin zu ergründenden Absurdität des Lebens.

Warum gelingt es so gut? Zu verdanken ist dieser „Tatort“ nicht nur den angegrauten, leicht ermüdeten Ermittlern, sondern zunächst einem Gast, den man in Zukunft gern häufiger sehen würde. Das sehen jedoch nicht alle so. Gisbert Engelhardt (Fabian Hinrichs) geht Batic und Leitmayr mächtig auf die Nerven. Er soll das Münchner Team verstärken.

Der Neue ist besessen davon, den Fall zu lösen

Engelhardt benimmt sich und wirkt wie Leitmayr vor zwanzig Jahren: ein großer Kerl, übermotiviert, intuitiv, eigen, selbstherrlich und doch verletzlich. Auf die Frage: „Wir gehen in die Kantine, wollen Sie mitkommen?“, antwortet er meist: „Nein.“ Und wühlt sich wieder in seine Nachforschungen hinein. Ein Teamspieler ist er nicht und sehnt sich doch nach der Anerkennung der erfahrenen Kollegen.

Der Mord, den sie aufzuklären haben, ist grausam. Ein Mädchen, Carla, wird auf dem Weg nach Hause brutal umgebracht. Sie hat den letzten Bus verpasst, weil Mitschülerinnen ihren Schuh versteckten. Kleine Nickligkeiten summieren sich zum Albtraum. Die Mutter holt sie nicht ab, weil der Vater noch unterwegs ist. Als die Tochter noch mal anruft und es nur merkwürdig rauscht, reagiert sie nicht schnell genug. Gisbert Engelhardt ist besessen davon, den Fall zu lösen.

Nicht so Batic und Leitmayr. Die reiben sich an ihrem neuen Kollegen, wollen Engelhardt am liebsten schnellstmöglich wieder loswerden, damit ihre Alltagsordnung wieder greifen kann. Dazu gehört auch, dass das Fenster im Büro geschlossen bleibt. Und sie ihren Feierabend leben: Batic etwa sehen wir in Shorts auf dem Laufband eines unwirtlichen Fitnessstudios. Er hält sich fit - wofür? Er scheint ausgezehrt vom Mörderjägerleben. Seine emotionale Regung erschöpft sich in einem Hochziehen der Augenbrauen, als ein Bericht über Carla in den Nachrichten erscheint.

Dann geschieht der nächste Mord und trifft Batic und Leitmayr ins Mark. Leitmayr ignoriert Batic und rennt los, kopflos. Batic bleibt entsetzt zurück, fühlt sich alleingelassen. Wieder sind es kleine Szenen, welche die Nerven aller fast zerreißen: Wenn Batic den Mülleimer umreißt, Leitmayrs Blick zum Fenster geht, das sich nicht mehr schließen lässt; die Angst in ihren Blicken, diesen Fall vielleicht nicht zu lösen. Denn sie tragen Mitschuld am Tod eines Menschen.

Tatort: Der tiefe Schlaf läuft am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

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