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„Tatort“ aus Frankfurt Was ist mit deinen Haaren?

Der neue „Tatort“ aus Frankfurt ist erst der vierte, aber leider auch schon der vorletzte mit dem Ermittlerpaar Conny Mey und Frank Steier. Es geht um einen Mord im Trinker-Milieu des Gallusviertels.

© HR/Johannes Krieg Vergrößern Raspelkurz sind jetzt die Haare von Kommissarin Mey (Nina Kunzendorf), was auch ihren Kollegen Steier (Joachim Król) irritiert

Erst anderthalb Jahre - in „Tatort“-Zeitrechnung einen Wimpernschlag - ist es her, dass mit Nina Kunzendorf und Joachim Król in Frankfurt ein Ermittlerteam angetreten ist, das viele mittlerweile für eines der besten im ganzen „Tatort“-Universum halten.

Conny Mey (Kunzendorf), ebenso offen wie kleidungsmäßig offenherzig, Creolenohrringe bis zu den Schultern, knallenge Jeans, Cowboystiefel, wiegender Gang, hautenge Westen und wallende Mähne, pflegte einen eigenwilligen Stil, der sie in leicht irritierender Weise mehr in die Nähe eines texanischen Cowgirls rückte, denn als seriöse Kriminalbeamtin auswies. Obwohl sie ihren Beruf penibel ernsthaft auffasste und ausübte.

Irritiert wie der gewohnheitsmäßige „Tatort“-Zuschauer war auch ihr Partner Frank Steier (Król), der, offensichtlich die ganze Zeit ein Alkoholproblem bekämpfend, sie anfangs wegen ihres festen Schritts für ein Pferd hielt und ihr gleich darauf empfahl, ein Nagelstudio aufzumachen, wenn sie Menschen helfen wolle. Aus der Spannung von Distanziertheit und Annäherung wirkte diese Kommissarspaarung bei den drei Fällen, die es bisher zu sehen gab, und sie lebte davon ganz prächtig.

Es fehlt nur noch das Pferd

Nun, da wir wissen, dass Nina Kunzendorf aussteigt, wirkt sie in dieser, ihrer vorletzten Folge, schon wie ein Zitat jener Conny Mey, die optisch so billig aussah und beruflich so professionell. Dass weiße Jeans denkbar ungeeignet sind, um am Neujahrsmorgen auf schmuddeligen Parkplätzen im Gallusviertel, einem „sozialen Brennpunkt“ Frankfurts, die Leiche einer stadtteilbekannten Kneipengängerin zu untersuchen, muss Conny Mey mal jemand sagen, wird es in der letzten Folge aber vermutlich auch keiner mehr tun.

Mit den nun raspelkurzen Haaren soll vermutlich wieder ein Statement verbunden sein. Zum Beispiel: Ihr könnt mich alle mal (auf Äußerlichkeiten reduzieren)?

22615788 © HR/Armin Alker Vergrößern Kommissarin Mey (Nina Kunzendorf) versucht Christian Brendel (Vincent Redetzki), dem Sohn der Ermordeten, brauchbare Hinweise auf die Tat zu entlocken

Jedenfalls sieht Conny Mey, die Waffe gut sichtbar an der Hüfte baumelnd, nun vollends wie ein Cowboy aus, nur das vor dem Präsidium angebundene Pferd fehlt noch. Ob das in der letzten Folge seinen Auftritt hat? Dabei hätte sich alles so schön weiterentwickeln können. Meys Kollege Steier erleidet an Silvester einen Anfall von Vertraulichkeit und bietet ihr das Du an. Nachdem er sich zu der Frage hat hinreißen lassen, ob sie was mit ihren Haaren gemacht habe (Meys knappe Antwort: „Nö“). Was ihm morgens gleich wieder höllenpeinlich ist. Zurück zum Sie.

Trostsuche beim katholischen Pfarrer

Der laut Drehbuch verhandelte Todesfall ist so banal wie das abgestumpfte Trinker-Milieu, in dem er angesiedelt ist. Agnes Brendel (Anna Böttcher), besser bekannt als „Matratze vom Gallus“, hatte eine Menge Bier und Schnaps intus, als sie, verprügelt und erwürgt, in der Nähe einer Schule abgelegt wurde. Ihr Lebensgefährte Viktor Kemper (Paulus Manker), versoffen und gewalttätig, ist verdächtig; ihr Sohn Chris (Vincent Redetzki) sucht Trost beim katholischen Pfarrer der Gemeinde, Pater Markus (Florian Lukas), der Unwahrheiten erzählt und immer nervöser wird.

Mey und Steier finden mit Werner Krabonke (Rainer Bock) den letzten Feiergenossen der Toten, der mit ihr, die an Silvester sich systematisch volllaufen lassend vom „Moseleck“ in die „Mazurka Bar“ zog, mit „Bumsen“ das neue Jahr begrüßen wollte.

Während die Ermittlungsergebnisse aus einem der Verdächtigen einen faktisch Überführten machen, gerät der Pfarrer andernorts in Lebensgefahr. Die folgende quasitheologische, argumentativ aber letztlich banale Auseinandersetzung um ein Kernstück der katholischen Theologie wird von den Beteiligten zwar mit Verve gespielt, fällt aber zum guten (oder bösen) Schluss recht plötzlich vom Drehbuchhimmel (Buch und Regie: Lars Kraume).

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Dort, wo sich „Im Namen des Vaters“ unter Figuren bewegt, die zwar noch in bescheidenen Wohnungen leben, die man sich aber genauso gut schon bald unter der Brücke schlafend vorstellen kann, überzeugt er. Wo er sich glaubenskritisch geben will, wirkt er unterbelichtet.

Zur Wiederherstellung der Weltordnung kann sich der Zuschauer, noch eine weitere Folge lang, statt dem Pfarrer lieber den Überzeugungen von Kommissarin Mey anvertrauen: „Ich bin zur Polizei gegangen, weil ich glaube, dass man die Welt verbessern kann. Glaube ich immer noch.“ Wer’s glaubt, wird selig. Gerade wegen der schönen Glaubwürdigkeitsprobleme, die mit der Differenz von Erscheinungsbild und Habitus Meys auftauchten, werden wir Nina Kunzendorfs Figur vermissen.

Tatort. Im Namen des Vaters läuft am 2. Weihnachtstag um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.

 
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