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„Tatort“ am Sonntag Auch DJ Bobo kann nichts mehr retten

Trotz alemannischer Fasnet und viel Alkohol bleibt der Schweizer „Tatort“ kreuzbrav. Spannung und Humor sucht man unter der Verkleidung vergeblich.

© SWR/SRF/Nikkol Rot Im Drogenrausch hat der Kommissar einen Albtraum: E. T. trifft auf DJ Bobo, und der zertrümmert den Dienstwagen

Eigentlich sind die Ausgangsbedingungen denkbar günstig: ein Mord im Getümmel der alemannischen Fasnet, groteske Masken und bizarre Riten irgendwo zwischen Brauchtum und massenhysterischem Besäufnis. Dazu ein seltsamer Männerbund voller Unsympathen mit komischen Hüten, eine frömmelnde Haushälterin und das Ganze unter der Regie des bekannten Kinoregisseurs Dani Levy („Alles auf Zucker“, „Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“), der mit diesem „Tatort“ aus Luzern seine erste Fernseh-Inszenierung vorlegt. Und dann auch noch ein Gastauftritt von DJ Bobo in einer Traumsequenz - wenn das nicht vielversprechend klingt!

Andrea Diener Folgen:

Ja, was wäre daraus alles zu machen gewesen? Man hätte hinter die Masken schauen können, anstatt sie einfach nur geheimnistuerisch als atmosphärisches Element einzubinden, man hätte mal alle wirren Einfälle, für die sonst kein Platz ist, rauslassen und sich auf die Fastnacht berufen können, falls sich wer beschwert. Man hätte restalkoholische Dialoge sacht in die Lautpoesie abgleiten lassen können und im Hintergrund mit diabolischem Spaß geheimnisvolle Botschaften plaziert.

Es wäre eine gute Idee gewesen, einfach einen Funken Humor im Drehbuch zuzulassen. Ein bisschen Spannung hätte auch nicht geschadet. Gut getan hätte den männerbündlerischen Unsympathen schließlich der eine oder andere Charakterzug mehr. All das hätte eventuell verhindert, dass man die halbe Zeit den Eindruck hat, Laienschauspielern dabei zuzusehen, wie sie Sätze aufsagen, die jemand geschrieben hat, der in drei verkaterten Morgenstunden noch schnell ein Drehbuch zusammenschustern musste. Es ist unbegreiflich, wie man die Gelegenheit für eine potentiell skurrile, abgründige „Tatort“-Folge so leichtfertig verschenken und stattdessen derart kreuzbrav rauf- und runterinszenieren kann.

Motivationsmangel auf allen Ebenen

Franz Schäublin, Vorsteher des Luzerner Bauausschusses, wird inmitten des Fastnachtsgewimmels erdolcht. Ein seltsamer Kerl war das: Ein angesehener Bürger, der im gesetzten Alter noch bei seiner alzheimerkranken Mutter lebt, ständig Schulden hat, wegen der vielen Prostituierten nämlich, mit denen er sich gern im diskreten Hotel „Magic“ trifft, und der in seiner Freizeit Mitglied der „Zunft der Wächter am Pilatus“ ist. Ob es sich dabei um einen philantropischen Verein oder eine rechtslastige Suffbrüderschaft handelt, weiß nicht einmal die Polizei. Und kaum ist der Waffenwart befragt und kaum soll der Alt-Zunftmeister vernommen werden, ist der auch schon erstochen. Er gurgelt noch ein wenig, aber einen Namen bringt er nicht mehr heraus. Der Täter erwischt natürlich sekundengenau getaktet, was Anlass zu einer Verfolgungsjagd über die Dächer gibt, die allerdings keinen Erfolg zeitigt.

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In der Zwischenzeit stochert die Fachgruppe „Leib und Leben“ unter ihrem Chef Reto Flückiger (Stefan Gubser) im Trüben, alle bestenfalls halb motiviert zwischen zwei Feiern, während der Chef als eingefleischter Fastnachtsverächter eigentlich nur fliehen will. Leider wirkt der Auftritt der Fachgruppe auch schauspielerisch eher halb motiviert. Zum Glück für alle Beteiligten inklusive Zuschauern wird sie jedoch alsbald erlöst. Denn es sind schließlich die Zeugenaussagen der frömmelnden Haushälterin und des Zunftmeistersohnes, nicht die polizeilichen Ermittlungen, welche die entscheidenden Hinweise geben. Gerade am Ende wird es noch richtig absurd, allerdings wieder nicht auf die gute Art. DJ Bobo hat seinen kurzen, enttäuschenden Auftritt in einer betäubungsmittelinduzierten Traumsequenz, die, wie der ganze „Tatort“, hinter sämtlichen Erwartungen zurückbleibt. Dabei hätte es so schön werden können.

Der Tatort: „Schmutziger Donnerstag“ läuft am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.

 
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