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Streit um Pressevertriebskonditionen Ein Konzern gegen alle

 ·  Der Bauer-Verlag nimmt den Presse-Grosso und damit die Medienvielfalt auseinander. Sollte er sich durchsetzen, wäre die Chancengleichheit des bis dato neutralen Pressevertriebs dahin.

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Der Bauer-Verlag will mit dem Kopf durch die Wand des deutschen Pressevertriebs rennen - ohne dass Gerichte das Hamburger Zeitungshaus in seinem Alleingang bislang zu bremsen wagten. Das Landgericht Köln hat Bauer am Dienstag recht gegebenen, dass der Bundesverband der Pressegroßhändler nicht einheitliche Verkaufskonditionen für Zeitungen und Zeitschriften aushandeln darf. Der Aufprall für das deutsche Pressewesen dürfte hart ausfallen. Das befürchten alle Verlage - außer Bauer. Die Verlegerverbände VDZ und BDZV reagierten Stunden nach dem Urteil gemeinsam auf die Entscheidung. Sie fürchten, dass die bisherige Möglichkeit, einheitliche Konditionen für den Vertrieb auszuhandeln, unterbunden wird. Diese seien ebenso wie Vereinbarungen zu weiteren Marktstandards für die überwiegende Mehrheit der Presseverlage wesentliche Voraussetzung für ein neutrales, die Pressevielfalt und Überallerhältlichkeit gewährleistendes Pressevertriebssystem, kritisieren die Verbände. „Hier geht es einzig und allein um den Public Value des Pressevertriebs für die Gesellschaft“, sagt der Grossoverbandschef Frank Nolte.

Das Band des neutralen Pressevertriebs, der allen Verlagen gleiche Marktchancen eröffnet, zerschlägt der Bauer-Verlag. Die siebzig Pressegroßhändler beliefern als neutrale Dienstleister der Verlage jeden Kiosk in ihrem Gebiet - unter einheitlichen Bedingungen, die eben bislang der Verband für die Händler vereinbart, damit sich jeder Händler auch neutral verhält. Wenn ein Verlag - wie es Bauer offenbar beabsichtigt - direkt mit jedem Pressegroßhändler verhandelt, kann dieser mehr Druck auf den Händler ausüben, dass der neben besseren Verkaufskonditionen dafür Sorge tragen solle, dass einzelne Publikationen des Verlages im Presseregal besser positioniert werden. Dies bevorteilt große Verlage. Die Verbände kündigen als Reaktion auf das Urteil eine Gesetzesinitiative an, um das Verhandlungsmandat im Kartellrecht zu sichern.

Die Vielfalt am Kiosk hängt vom Grosso-System ab

Die Attacken Bauers bringen große wie kleine Verlage in Rage. „Man zündelt an einem System, das hervorragend arbeitet“, sagte Moritz von Laffert, Geschäftsführer des Condé-Nast-Verlags (“Glamour“, „Vogue“), dieser Zeitung. „Der Streit verändert völlig unnötig die Statik eines Gebäudes, das zu unser aller Nutzen funktioniert.“ Es gehe um die Frage, wie die Meinungs- und Pressefreiheit vertrieblich umgesetzt werden kann. Presse sei kein Produkt wie jedes andere, sagt von Laffert: „Jeder soll publizieren können.“

Das bestehende System mit Remissionsrecht, Preisbindung, Gebietsmonopolen und zentralem Verhandlungsmandat habe sich bewährt und Publikationen überall erhältlich gemacht - mit möglichst niedrigen Zugangsschranken zum Markt. Die Vielfalt am Kiosk hänge entscheidend vom Presse-Grosso-System ab. „Wir können alle nur froh sein, dass wir eine blühende Presselandschaft haben wie fast kein anderes Land.“ Wer eine neue Zeitschrift herausbringen wolle, komme mit der Neuerscheinung leicht ins Presseregal. Der Großhändler müsse die Zeitschrift annehmen - nur wenn diese sich nicht verkauft, gehe sie zurück. Das wirtschaftliche Risiko liege bei den Verlagen. „Das System ist einfach effizient“, sagt von Laffert. Selbst Titel, die sich nicht allzu gut verkauften, hätten hierzulande einen verlässlichen Vertriebsweg - im Gegensatz etwa zu Frankreich. Dieser Weg führe zu einer Pressevielfalt, die jedem helfe, sagt der Verlagsmanager. „Ich möchte nicht wissen, in welcher Welt wir leben würden, wenn es diese Vielfalt nicht gäbe.“

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