28.04.2008 · Dem Geschäftsführer des Hamburger Spiegel-Verlags, Mario Frank, haben die Mitarbeiter das Misstrauen ausgesprochen. Doch nach dem Willen des Miteigentümers Gruner + Jahr soll Frank im Amt blieben.
Der Geschäftsführer des Hamburger Spiegel-Verlags, Mario Frank, soll nach dem Willen des Miteigentümers Gruner + Jahr im Amt blieben. „Der „Spiegel“ ist unter der Leitung von Mario Frank im Verbund mit der neuen Chefredaktion sehr erfolgreich. Die Frage nach einem Wechsel in der Geschäftsführung des „Spiegel“ stellt sich für G+J daher nicht“, teilte G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun am Montag mit. „Mario Frank genießt unser volles Vertrauen und steht in keiner Weise zur Disposition.“
Wie berichtet (Wechsel beim Spiegel: Mario Frank muss gehen), genießt der seit Anfang 2007 amtierende Frank nicht mehr das Vertrauen des Mehrheitseigners Mitarbeiter KG (50,5 Prozent). G+J hält 25,5 Prozent, die Augstein-Erben 24 Prozent. Die Mitarbeiter KG braucht die Zustimmung von G+J, wenn es zu einer Ablösung oder Freistellung des Geschäftsführers kommen soll. Jüngst hatte Frank der Gesellschafterversammlung den Geschäftsabschluss für 2007 vorgelegt, den diese verabschiedeten.
Die Mitarbeiter KG hat dennoch Frank ihr Misstrauen ausgesprochen. Ihm wird im Verlag demnach unter anderem mangelnde Sensibilität für die „Spiegel“-Verlagskultur vorgeworfen. 1974 hatte Gründer Rudolf Augstein (1923-2002) die Hälfte seines Unternehmens den Mitarbeitern geschenkt. Dadurch erhielten sie Mitsprache im Unternehmen sowie einen Anspruch auf Beteiligung am Gewinn.
Für Aufsehen hatte im Frühjahr die Ablösung des langjährigen Chefredakteurs Stefan Aust gesorgt, der sich zunächst gerichtlich gegen seine Kündigung wehrte, bis in einem Vergleich eine Einigung mit einer Millionen-Zahlung erzielt wurde. Seit Februar leitet die Doppelspitze Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron die Redaktion des Nachrichtenmagazins, das im 1. Quartal eine verkaufte Auflage von rund 1,05 Millionen Exemplare auswies (IVW).