http://www.faz.net/-gqz-7ykn0

Streamingplattformen : Endet das Fernsehen?

  • -Aktualisiert am

So geht das: Ted Sarandos, der Programmchef von Netflix Bild: Reuters

Netflix stellt für das klassische Fernsehen eine Herausforderung dar. Ted Sarandos, Programmchef des On-Demand-Anbieters, sieht den Erfolg vor allem in der Wahlfreiheit der Zuschauer begründet.

          Was ist Netflix? Eine On-Demand-Plattform im Internet? Nicht nur. Netflix ist ein „Opportunist“. So sagte es der Programmchef Ted Sarandos auf der Konferenz der Television Critics Association in Pasadena. Opportunismus heißt: Netflix springt in die Lücken, die das System des Network-Fernsehens, das auf große Publika zielt, lässt. Und das geschieht mit einem wachsenden Angebot: mit dem selbstproduzierten Familienthriller „Bloodline“, mit dem Ankauf populärer Serien wie „Friends“, mit Nischenstoffen wie „Longmire“ und „Arrested Development“ sowie in Zusammenarbeit mit Filmstars wie Adam Sandler.

          Netflix könne ein Publikum für bestimmte Stoffe nun einmal ganz gezielt ansprechen, sagte Sarandos. „In England wurde ,Breaking Bad‘ in der zweiten Staffel eingestellt - nicht, weil das Publikum die Serie blöd fand, sondern weil sie zu einer miserablen Zeit gesendet wurde. Bei uns ist es egal, ob Sie etwas zur Primetime oder um drei Uhr früh gucken möchten.“

          Ted Sarandos leitet die Programmabteilung bei Netflix. Als er Reed Hastings, den Firmengründer, 1999 kennenlernte, habe der schon von einem Merchandising gesprochen, das sich nach dem individuellen Geschmack der Zuschauer richte. „Es hat länger gedauert, als wir dachten, aber wir sind überrascht, welche weitreichenden Folgen es für das Fernsehgeschäft hat - viel weitreichender, als wir es uns vorgestellt haben.“ Die Leute wüssten es zu schätzen, nach ihrem eigenen Terminplan zu gucken.

          Dem Fernsehen bleibt nur der Sport

          Und wie schauen Netflix-Abonnenten? Sie sehen, verriet Sarandos, üblicherweise nur eine Serie auf einmal, meist zwei oder drei Folgen am Stück. Netflix macht alle Folgen einer Staffel zugleich verfügbar. Dabei Einschaltquoten zu erheben sei nicht sinnvoll. Quoten, so Sarandos, würden nur ermittelt, „um Werbepreise zu rechtfertigen, und wir haben keine Werbung, das ist also geschäftlich für uns irrelevant“. Das Quoten-Wettrennen habe dem Fernsehgeschäft schon viel Schaden zugefügt. Für ihn sei es ein Zeichen des Erfolgs, die Abonnentenzahlen wachsen zu sehen.

          Der Netflix-Chef Hastings prophezeit das Ende des klassischen Fernsehens für das Jahr 2030. Sarandos ist da zurückhaltender. Herkömmliches Fernsehen werde seine Bedeutung vor allem beim Sport und Live-Veranstaltungen behalten, meint er: „Live ist nicht unsere Stärke, aber es ist eine große Gelegenheit, Werbung zu verkaufen, wenn viele Menschen auf einmal einem Ereignis beiwohnen.“

          Amerikanisches für europäische Geschmäcker

          Seit dem vergangenen Jahr ist Netflix auch in Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zu empfangen, zuvor schon war Netflix in England, Irland, Skandinavien und Holland präsent. „Der Fernsehmarkt ist von starker Konkurrenz gekennzeichnet, und es ist schwierig, den lokalen Geschmack zu verstehen“, sagte Sarandos. „Aber was überwiegend funktioniert, sind amerikanische Inhalte.

          Offenbar liebt man unsere Sendungen, vielleicht auch den hohen Produktionswert, den amerikanische Serien haben.“ Die Vorzeigeserie „House of Cards“ und das Frauenknast-Drama „Orange is the New Black“ seien international sehr erfolgreich, man setze aber auch auf lokale Stoffe nach dem Muster der schwedisch-amerikanischen Koproduktion „Lilyhammer“. Eine französische und eine mexikanische Serie sind in Produktion.

          Und was ist mit dem Gerücht, dass Netflix sich um die Rechte an dem wegen Terrordrohungen zeitweilig im Kino abgesetzten Film „The Interview“ bemüht hat? Dazu blieb Sarandos vage: „Das war ja eine unglaublich bewegliche Situation, und zu der Zeit waren ohnehin alle Leute im Urlaub.“ Mehr als dreißig Millionen Dollar hat „The Interview“ inzwischen durch Downloads eingespielt. „Ein beeindruckendes Beispiel dafür, was mit einem teuren Film passieren kann, wenn man ihn über verschiedene Plattformen dem Publikum zugänglich macht“, nannte das der Mann von Netflix.

          Weitere Themen

          Superheldenerfinder Stan Lee ist tot Video-Seite öffnen

          Marvel-Autor : Superheldenerfinder Stan Lee ist tot

          Der Erschaffer von Spider-Man, Doctor Strange, Hulk und anderen Marvel-Helden wurde 95 Jahre alt. Stan Lee war dafür bekannt, seinen Superhelden eine in den 60er Jahren neuartige Komplexität und Menschlichkeit zu verleihen.

          Glück mit dem Gaukler

          Neue Rossini-Editionen : Glück mit dem Gaukler

          Vor 150 Jahren starb Gioachino Rossini. Zwei große Editionen seiner Opern, Lieder und Kirchenmusik belegen, dass es endlich wieder die Sänger gibt, durch die wir seine Musik neu lieben lernen.

          Käfer- und Katzen-Mumien Video-Seite öffnen

          Grabstelle in Ägypten : Käfer- und Katzen-Mumien

          Archäologen in Ägypten haben am Wochenende seltene Grabfunde vorgestellt. Sie fanden am Rand der Totenstadt von Sakkara mumifizierte Katzen und eine ganze Sammlung mumifizierter Skarabäen. Diese Käfer wurden als Symbol für den Sonnengott verehrt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.