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„Strassen Stars“ im HR : Einfach, authentisch und ohne Gehässigkeit

Bringt Farbe in den Sonntagabend: Mehr als eine Bierbank und ein paar Fragen braucht Roberto Cappelluti nicht für eine erfolgreiche Fernsehshow. Bild: Fricke, Helmut

Einfach gut: Beim HR läuft seit Jahr und Tag eine Ratesendung, die alles richtig macht. Bei den „Strassen Stars“ gibt es nichts zu gewinnen, keine Blamagen, und trotzdem kann man nicht aufhören zu lachen.

          Aus der Ferne wirkt der Platz vor der nachkriegsgrauen Stadthalle in Limburg, als würden ein paar Zeugen Jehovas hier gerade ein Werbevideo drehen. Zwei Kameras, zwei Lampen und eine kleine Bierbank, die wegen der aufziehenden Kühle mit einer schwarzen Decke gepolstert wurde, geben sich alle Mühe, möglichst unscheinbar zu wirken - und man würde an dieser kleinen Versammlung sicher vorbeigehen, wenn man nicht beim Nähertreten erst ein Brummen hören und dann den blauen Ü-Wagen entdecken würde, in dem der Generator leise vor sich hin läuft.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Hier drehen keine Amateure. Hier drehen die „Strassen Stars“, eine Sendung, die, weil sie die Einfachheit zum Prinzip erhoben hat, zu den am meisten unterschätzten im deutschen Fernsehen gehört. Roberto Cappelluti findet das Limburger Set denn auch „ganz schön groß - für unsere Verhältnisse“. Seine Gäste, die Straßenstars, die er heute auf der Bierbank etwa eine Stunde befragen wird, kommen alle aus dem Umkreis und haben sich beim Hessischen Fernsehen beworben. Was bei den „Strassen Stars“ bedeutet, dass sie auch zur Aufzeichnung eingeladen wurden, denn ein Casting kennt diese Show genauso wenig wie aufwendige Vorbereitungen.

          Wie tickt ihr so?

          Ute Schmidt beispielsweise, die rothaarige Dame, die, wie sie ebenso freimütig wie fröhlich erzählt, von einer kleinen Erbschaft lebt und nicht mehr arbeiten geht, geschieden ist, aber gegen einen neuen Mann („auch jünger als ich“) nichts einzuwenden hätte, nimmt an diesem Nachmittag als Letzte neben dem Moderator Platz. Der begrüßt sie freundlich, duzt sie sofort und beginnt gleich mit den für die Sendung typischen Fragen. Erst mit den Wissensfragen: Was ist eine Pandemie? (Weiß ich nicht.) Wie heißt der Regisseur von „Die Vögel?“ (Alfred Hitchcock.) Wie viele Teams spielen in der Ersten Fußball-Bundesliga? (Vierzehn.) Wie heißt das europäische GPS? (So eine Scheißfrage!)

          Dann kommen die sogenannten Eigenschaftsfragen: Schiebst du unangenehme Termine vor dir her? (Nein.) Isst du gerne scharf? (Ja.) Magst du das Foto in deinem Personalausweis? (Nein.) Bist du schon mal beim Sex ertappt worden? (Ja.) Eine von diesen etwas schlüpfrigen Fragen stellt Roberto Cappelluti immer, wobei er sich auch in dem, was er unter schlüpfrig versteht, vom nahezu gesamten deutschen Fernsehen wohltuend abhebt. Mehr als, ob Knutschen schon Fremdgehen sei oder ob jemand seine Kondome in der Apotheke kauft, will er meist gar nicht wissen.

          Er wirkt dann auch immer, als würde er sich nur mal ganz kurz aufs Glatteis wagen, um sich sofort wieder zurückzuziehen und sich den, ja, einfacheren Dingen zuzuwenden.Seit zehn Jahren fährt der 48 Jahre alte Cappelluti also mit seinem vor Windgeräuschen geschützten schwarzen Puschelmikrofon durch das hessische Land, von Darmstadt nach Kassel, von Hanau nach Limburg, und fragt die Menschen, „wie sie so drauf sind“. Denn das - und nur das - ist der Sinn seiner immer sonntags von 23.45 Uhr an zu sehenden Rateshow, die im Laufe der Jahre sämtliche Versuche, sie auf andere Tage oder in andere regionale (wie einmal sogar ins überregionale) Programm zu verpflanzen, unbeschadet überstanden hat.

          Ungekünstelt, aber nie anbiedernd

          Auch das Studio in Kassel, das Cappelluti mit seinem Kameramann Peter Treutel einst aus dem zusammenbastelte, was an Kulissenteilen im Studiokeller zu finden war, hat sich nur unwesentlich verändert. Das dreiköpfige Rateteam muss die früher mit Plaka-Farbe gemalten Punkte mittlerweile nicht mehr selbst umdrehen. Sonst ist alles beim Alten geblieben: Cappelluti verrät seinem Studioteam, welche Fragen er den jeweiligen Straßenstars gestellt hat - und die müssen versuchen, die Antworten der Leute zu erraten.

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