http://www.faz.net/-gqz-96x60

Spekulation um Holtzbrinck : Steht „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart vor dem Aus?

  • Aktualisiert am

Zwischen ihm und Dieter von Holtzbrinck soll es zu einem Zerwürfnis gekommen sein: Gabor Steingart. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Stunden des „Handelsblatt“-Chefs in seinem Job seien gezählt, schreibt der „Spiegel“. Auslöser sei Steingarts „Morning Briefing“, in dem er den SPD-Machtkampf zwischen Martin Schulz und Sigmar Gabriel als „perfekten Mord“ beschrieb.

          Wenn der „Spiegel“ richtig liegt, darf man auf das „Morning Briefing“ des „Handelsblatt“-Herausgebers Gabor Steingart an diesem Freitag gespannt sein. Es wäre nämlich sein letztes - oder kommt es überhaupt noch? Das „Morning Briefing“ von Mittwoch jedenfalls soll den Verleger Dieter von Holtzbrinck derart aufgebracht haben, dass er sich von Steingart trennen wolle. Am Freitag solle es dazu Gespräche geben.

          Steingart hatte in seinem Text die Personalrochaden an der Spitze der SPD aufs Korn genommen. Den Aufstieg von Martin Schulz und den Abstieg von Sigmar Gabriel hatte er als verbrecherische Angelegenheit beschrieben, als den „perfekten Mord“: „Der Tathergang wird in diesen Tagen minutiös geplant. Der andere soll stolpern, ohne dass ein Stoß erkennbar ist. Er soll am Boden aufschlagen, scheinbar ohne Fremdeinwirkung. Wenn kein Zucken der Gesichtszüge mehr erkennbar ist, will Schulz den Tod des Freundes aus Goslar erst feststellen und dann beklagen. Die Tränen der Schlussszene sind dabei die größte Herausforderung für jeden Schauspieler und so auch für Schulz, der nichts Geringeres plant als den perfekten Mord.“

          Nach Darstellung des „Spiegels“ hat sich der Verleger Holtzbrinck, zu dessen Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH die Verlagsgruppe Handelsblatt gehört, bei Martin Schulz für Steingarts „Morning Briefing“ entschuldigt: Inhalt und Stil entsprächen weder seinen „publizistischen Qualitäts- und Wertevorstellungen“ noch denen der Redaktion des „Handelsblatts“.

          Dass sich Dieter von Holtzbrinck in einer solchen Weise äußert und - möglicherweise - handelt, ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise greift der Medienunternehmer nicht in die journalistischen Belange der Zeitungen ein, die zu seinem Verlag zählen. Gabor Steingart ist Herausgeber des „Handelsblatts“ und Geschäftsführer und Miteigentümer der Handelsblatt Media Group. Sein Anwalt sagte auf „Spiegel“-Anfrage, er könne zu Interna keine Angaben machen, und fügte den Satz hinzu: „Gabor Steingart achtet die Meinungsfreiheit nicht nur, er praktiziert sie auch.“ Bei der Verlagsgruppe Handelsblatt hieß es auf Anfrage von FAZ.NET man wolle sich zu Spekulationen nicht äußern.

          Weitere Themen

          Ein hartnäckiger Kandidat

          Gabriel in München : Ein hartnäckiger Kandidat

          Sigmar Gabriel will unbedingt Außenminister bleiben. Seine Rede vor der Münchner Sicherheitskonferenz ist auch eine Bewerbung um dieses Amt – zum Ärger der SPD-Führung. Eine Analyse.

          Europa als Vegetarier unter Fleischfressern Video-Seite öffnen

          Gabriel in München : Europa als Vegetarier unter Fleischfressern

          Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat Außenminister Sigmar Gabriel dafür plädiert, die europäische Zusammenarbeit im militärischen Bereich nicht zu vernachlässigen. Seiner Meinung nach handelt besonders ein Land geopolitisch konsequent.

          Topmeldungen

          Unter Druck: Theresa May

          Brisanter Brief : Der Aufstand der Brexit-Hardliner

          Britische Abgeordnete verlangen von Regierungschefin Theresa May eine schnelle und klare Trennung von der EU. Für May sind die Forderungen prekär – nicht nur weil die Gruppe groß genug ist, um ihre Regierung zu Fall zu bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.