21.05.2009 · Seine Musikkompetenz und seine hohe Professionalität seien „unbestritten“, eine Kooperation wäre „reizvoll“, sagen die ARD-Oberen über Stefan Raab. Ja, warum zögern sie dann so lange mit der Verpflichtung? Es ist die alte Melodie der Bedenkenträger.
Von Michael HanfeldWer den Blues noch nicht hat, der kann ihn bei der ARD bekommen. Den Anstaltsblues. Die große Ich-weiß-nicht-was-soll-es-bedeuten-Melancholie. Denn der alte Holzhacker lebt, bei der ARD zersägt und fällt er die zartesten Pflanzen. Das sieht man jetzt am Beispiel der geplanten oder neudeutsch „angedachten“ Zusammenarbeit mit Stefan Raab bei der nächsten Vorauswahl zum Eurovision Song Contest. Der Unterhaltungschef des NDR, der den Musikwettbewerb bei der ARD federführend betreut, hatte die Idee - das Erste, Pro Sieben, Stefan Raab, dessen Produktion und die Firma Brainpool machen gemeinsame Sache.
Die Programmdirektoren berieten am Montag und Dienstag und kamen zu keinem Entschluss. Am Mittwoch schalteten sich die Intendanten zusammen - damit Musik in die Sache kommt -, und danach sie so gut wie beerdigt. So gut wie, aber nicht ganz. Stefan Raab, teilt die ARD mit, habe „in den vergangenen Jahren bereits dreimal am Eurovision Song Contest als Sänger, Komponist und Produzent teilgenommen - und dies jeweils mit einer Platzierung unter den besten Acht. Seine Musikkompetenz und seine hohe Professionalität“ seien „unbestritten. Insofern wäre eine Kooperation „ reizvoll“.
Schöne Worte für ein gesuchtes Scheitern?
Allerdings seien „noch einige Fragen zu diskutieren, so zum Beispiel die Einbindung der Pop- und Jugendprogramme der Landesrundfunkanstalten der ARD“. Man sei „zuversichtlich, die offenen Fragen zeitnah klären zu können“. Zuversichtlich gibt sich auch Unterhaltungsmann Schreiber: Der NDR sei „nach wie vor von der innovativen und Erfolg versprechenden Idee überzeugt, gemeinsam mit Stefan Raab und Pro Sieben den deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest 2010 auszuwählen“.
Sollte das wirklich so sein, kann eigentlich nichts schiefgehen. Doch könnte es auch sein, dass die schönen Worte im ARD-Deutsch etwas ganz anderes bedeuten und man nur nach Gründen sucht, die Sache scheitern zu lassen. Von der Kombination könnte das Erste ebenso profitieren wie Raab und Pro Sieben. Im Sinne der Grand-Prix-begeisterten Zuschauer wäre es sicherlich auch. Bei der ARD muss das aber nicht den Ausschlag geben. Und für den Blues sorgt sie ja jetzt schon.
Der Plan der ARD, beim nächsten Eurovision Song Contest gemeinsame Sache mit Stefan Raab und Pro Sieben zu machen, ist noch nicht gescheitert, aber auch noch nicht geglückt. Es wird, wie es für den Sendeverbund typisch ist, noch beraten und verhandelt.
Stefan Raab, teilt die ARD am Donnerstagmorgen auf Anfrage von FAZ.NET mit, habe „in den vergangenen Jahren bereits drei Mal am Eurovision Song Contest als Sänger, Komponist und Produzent teilgenommen - und dies jeweils mit einer Platzierung unter den besten Acht. Seine Musikkompetenz und seine hohe Professionalität sind unbestritten. Insofern wäre eine Kooperation zwischen der ARD und Stefan Raab sowie Pro Sieben reizvoll. Allerdings sind noch einige Fragen zu diskutieren, so zum Beispiel die Einbindung der Pop- und Jugendprogramme der Landesrundfunkanstalten der ARD. Wir sind zuversichtlich, die offenen Fragen zeitnah klären zu können.“
Die offizielle Mitteilung soll also die Hoffnung nähren, dass es zu einer Zusammenarbeit kommt, doch zeigt sie zugleich, wer bei der ARD wo seine Bedenken angemeldet hat. Hinter der Idee, die „Pop- und Jugendprogramme“ der ARD einzubinden verbirgt sich nämlich die Befürchtung, dass Raab die deutsche Vorentscheidung in seiner souveränen Art durchzieht und für Pro Sieben die Lorbeeren erntet, während zu wenig Glanz auf die ARD fällt. Der Eurovision Song Contest liegt im Senderverbund zwar in der Verantwortung des Norddeutschen Rundfunks, dessen Unterhaltungschef Thomas Schreiber die Idee hatte, auf Stefan Raab zu setzen, doch muss der Sender die Abstimmung mit den anderen ARD-Häusern suchen.
Zunächst hatten sich am vergangenen Montag die Programmdirektoren mit der Sache beschäftigt, am Dienstag ging es weiter, doch wurde die Entscheidung schließlich den Intendanten zugeschoben. Die klinkten sich am Mittwochnachmittag um 15 Uhr zu einer Schaltkonferenz zusammen und - entschieden wieder nicht, sondern schickten die Sache retour auf die Arbeitsebene, wo nun allerlei Details geklärt werden sollen.
Was soll das alles,
Johann Vittel (havitt)
- 21.05.2009, 14:51 Uhr
Schwachsinn
Robert Guder (Masquurin)
- 21.05.2009, 14:59 Uhr
Armutszeugnis
Gerhard Rinker (GerdR)
- 21.05.2009, 15:11 Uhr
Stefan Raab soll sich nicht die Finger schmutzig machen
Dietmar Fleischhauer (dfleischhauer)
- 21.05.2009, 17:16 Uhr
Im Ernst?
Robert Zimmermann (Rozi)
- 21.05.2009, 21:00 Uhr