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Stefan Raab tritt ab : Ausstieg total

Wer braucht einen Schlitten, wenn man eine asiatische Bratpfanne hat? Stefan Raab nicht. Wir sagen nur: Wok und weg. Bild: dpa

Pro Sieben ohne Stefan Raab, kann man sich das vorstellen? Läuft da jetzt ein Testbild? Und warum hört der Entertainer zum Jahresende auf? Wir müssen uns auf eine Raab-freie Zone einstellen.

          Wer hätte gedacht, dass man mit Werbejingles für Zahnpasta den Grundstein für eine der strahlendsten Fernsehkarrieren der vergangenen zwanzig Jahre legen kann? Wohl kaum jemand, der Stefan Raab in den neunziger Jahren als Produzent von Reklamefilmchen und von Musikern wie Bürger Lars Dietrich und Die Prinzen kennenlernte. Da war der Metzgersohn aus Köln-Sülz mit dem abgebrochenen Jura-Studium noch der Mann für den musikalischen Hintergrund, den allenfalls seine Erfahrungen als Ministrant für die große Bühne prädestinierten.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das sollte sich schlagartig ändern, als Raab 1993 dem Musiksender Viva, diesem deutschen, chaotischen, nicht so quotenversessenen Pendant von MTV, Programmjingles anbot. Der Aufnahmeleiter Marcus Wolter entdeckte das Showtalent in Raab und schickte den damals 27 Jahre alten Moderationsfrischling mit „Vivasion“ und später „Ma‘kuck‘n“ auf Sendung.

          Bei Viva wackelte die Kamera noch

          Der Blick der Kamera schaukelte von irgendwo schräg oben auf Raab in sein betont lustig zusammengerümpeltes Studio herab, in dem er gekonnt vermeintlich superflach mit Musikern und Bands auf Besuch witzelte. Viva war die Talentschmiede für junge Moderatoren und das Experimentierfeld für eine andere Art von Fernsehen, die Privatsender waren jung und hungrig: Wer hier vor in den Studios rumgaukelte, war gerade erst der Es-gibt-nur-drei-Sender-Welt entronnen, ohne Fernbedienung.

          Von den Viva-Moderatoren der ersten Stunde haben sich manche auf die Schauspielerei verlegt – wie Heike Makatsch –, andere sind eher in Vergessenheit geraten – Was macht Mola Adebisi eigentlich gerade? – und wieder andere haben eine solide Fernseh-Laufbahn hingelegt wie Matthias Opdenhövel. Raab war Kult und blieb Kult, weil er zweierlei kombinierte: sein musikalisches Talent und die Bereitschaft, in der Rolle der telemedialen Rampensau mit sich selbst noch viel gnadenloser umzugehen als mit all jenen, die er mit breitem Grinsen durch den Kakao zog.

          Sieht aus wie ein Bild zu Beginn seiner Karriere. Ist aber schon mittendrin: 2000 sang Raab zum Grand Prix  „Wadde hadde Dudde da“. Bilderstrecke

          Mit sicherem Gespür für den Punkt, an dem Provokation und Popularität einander treffen, entdeckte er den am Boden liegenden deutschen Schlager für sich. Vielleicht war das Weltmeisterschafts-Ständchen, das Raab 1994 zuerst in seiner Viva-Show auf „Böörti Böörti Vogts“ anstimmte und dann mit seiner Band „Die Bekloppten“ veröffentlichte, erst nur als Gag gedacht. Aber der Gag wurde ein Hit und Raab legte nach mit weiteren Schlager-Verhohnepiepelungen, die doch auch wieder selbst Schlager waren: Er sang „Ein Bett im Kornfeld“ mit Jürgen Drews, „Hier kommt die Maus“ zum 25. Geburtstag der „Sendung mit der Maus“ und startete als „Alf Igel“ den Frontalangriff auf Mister Eurovision Ralph Siegel, indem er als Produzent und Komponist Guildo Horn mit „Guildo hat euch lieb“ in den Wettbewerb schickte. Platz sieben von 27 – nicht schlecht im Jahr 1998.

          SSDSDSSWEMUGABRTLAD

          Kurz vor der Jahrtausendwende wechselte Raab zu Pro Sieben und seine Show „TV Total“ wurde zur wichtigsten Unterhaltungsmarke des Senders. Nebenbei ließ sich Raab herausfordern („Schlag den Raab“), rutschte in einer asiatischen Pfanne bergab („Wok-WM“), machte noch mehr Musik, verlegte sich auf allerhand abgefahrene Casting-Shows („SSDSDSSWEMUGABRTLAD“) und nahm sich schließlich ernsthaft den Eurovision Song Contest vor. Als 2010 seine Entdeckung Lena Meyer-Landrut den Wettbewerb gewann, war er endgültig der Typ, der machen kann, was er will. Und weil er macht, was er will, auch noch Erfolg hat. Ohne dafür der Öffentlichkeit auch nur einen Fitzel von seinem Privatleben zum Fraß vorzuwerfen,

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