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Stauffenberg-Film : Sei stark, sei Erbe mir!

  • -Aktualisiert am

Guido Knopp will die „Operation Walküre” mit einem authentischerem Stauffenberg-Film kontern Bild: AP /ZDF und Oliver Halmburger

Nicht mehr lang, dann wird Tom Cruise als Claus Schenk Graf von Stauffenberg über die Kinoleinwand toben. Vorher rüstet Guido Knopp die Zuschauer mit Geschichtskenntnis über den deutschen Widerstandskämpfer aus. Im Gegensatz zum Kino-Epos will er die wahre Geschichte erzählen.

          Eine Woche noch, und auch auf Europas Leinwänden wird Tom Cruise alias Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Mann, der im amerikanischen Trailer zur „Operation Walküre“ als „unknown hero“ bezeichnet wurde, sein Attentat samt Staatsstreich wagen. Eine Woche noch. Sie ist nicht zuletzt eine Herausforderung für jene, die sich professionell mit der Vermittlung von Geschichte befassen, angefangen von den Geschichtslehrern in den Schulen bis hin zu Guido Knopp, dem Leiter der ZDF-Redaktion „Zeitgeschichte“.

          Wenn es einen Zeitpunkt gebe, dem Publikum etwas Rüstzeug für den Kinobesuch an die Hand zu geben, meint Knopp, dann jetzt. Sein zweiteiliges „Doku-Drama“ zum Thema, das heute und am kommenden Dienstag läuft, versteht sich als historiographisches Komplementärstück zu Bryan Singers Leinwand-Epos. Entscheidend sei, verkündete Knopp mit stolzgeschwellter Brust, nachdem er einen Vorab-Blick auf den Kinofilm werfen und „fünfzehn bis zwanzig Ungenauigkeiten“ ausmachen konnte, „dass im Abspann des Films nachzulesen ist: ,Based on a true story', also nicht: ,true story'. Die wahre Geschichte zum Attentat vom 20. Juli 1944 liefern dann wir, und deswegen haben wir unseren Zweiteiler auch ,Stauffenberg - die wahre Geschichte' genannt.“

          Hollywoodeske Szenen

          Es ist dies allerdings nicht der Versuch, sich kritisch mit der Darstellung des Filmes auseinanderzusetzen. Überhaupt lassen Knopps Mitarbeiter, federführend Oliver Halmburger und Christian Frey, die Rezeptionsgeschichte des Attentates und damit auch die Frage nach seiner Bedeutung für die deutsche Geschichte außen vor. Viel Zeit verwendet man hingegen darauf, den Menschen Stauffenberg zu charakterisieren - und auf hollywoodesk nachgestellten Filmszenen, zu denen natürlich der Fliegerangriff in Nordafrika gehört, bei dem Stauffenberg das linke Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken verlor.

          Das mag bildschirmkompatibel sein, vielleicht gar unausweichlich im Nachgang zu einer populären Reihe wie „Die Deutschen“, wo das zur Darstellung Barbarossas, Luthers oder Wallensteins fehlende Bild- und Tonmaterial ebenfalls mit Schauspielerhilfe ersetzt wurde. Problematisch bleibt es gleichwohl, sosehr man im Falle Stauffenbergs um möglichst detailgetreue Szenen bemüht war. Was unterscheidet ein „Doku-Drama“ aus dem Hause Knopp also überhaupt noch von Stauffenberg-Fernsehfilmen wie jenem Jo Baiers?

          Fehlende Rezeptionsgeschichte

          Zunächst: eine Computersimulation zum ersonnenen Verlauf der „Walküre“, der man sich allerdings mit mehr Ruhe hätte widmen sollen. Die Schar der Zeitzeugen, zu denen neben dem Widerständler Ewald von Kleist, der nach dem Krieg die Wehrkundetagung in München gründen würde, auch Stauffenbergs Kinder und Neffen, einige Wachen, Fahrer und Funker sowie Richard von Weizsäcker zählen. Zudem Historiker wie Peter Steinbach, der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stauffenberg-Biograph Peter Hoffmann und George-Fachmann Thomas Karlauf. Letztere versuchen in diesem Rahmen Worte für jene Graustufen zu finden, die sich im Hochglanz eines „Doku-Dramas“ zu verlieren drohen.

          Knopps Team freilich hört kaum zu. Nicht ohne Pathos schneidert man den Zweiteiler auf ein Gedicht zu, das Stauffenbergs Ehefrau kurz nach dem gescheiterten Attentat verfasste: „Geliebtes Kind! Sei stark, sei Erbe mir! Wo Du auch immer bist, ich bin bei dir!“ Was das bedeutet: sich als Erben Stauffenbergs zu betrachten, fragt man sich nach diesem Film vergeblich.

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