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„Sportstudio“-Jubiläum Herzergießungen zur Mitternacht

 ·  Trotz einiger Peinlichkeiten hat sich die Jubiläumsausgabe des „Aktuellen Sportstudios“ recht wacker geschlagen. Dass sich die Internet-Gemeinde vor allem über Beckenbauers Strümpfe echauffierte, spricht für sich - und gegen sie.

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© dpa Vergrößern Siezen im Modus des Duzens: Kathrin Müller-Hohenstein ebnet den Weg für viel Vertraulichkeit zwischen Moderator und Gast

Wie es zu gehen pflegt bei Jubiläen, Familien- und Geburtsfeiern: Irgendwer fällt immer aus der Rolle, ist zu aufgekratzt, zu großspurig, zu leutselig, zu sentimental, kurzum: entweder nur ein bisschen oder gleich entschieden peinlich. Und dass die Peinlichkeits-Gefahr gerade zum Ende einer Feier hin wächst, ist angesichts der allgemeinen Enthemmung fast selbstverständlich.

Eben gegen Ende hin bat die Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein bei der Jubiläumssendung zum fünfzigjährigen Bestehen des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF drei Vorzeige-Frauen des deutschen Sports auf die Renommiercouch: die einstige Eisschelllaufkönigin und  jetzige ZDF-Expertin Gunda Niemann-Stirnemann, die Ex-Profiboxerin Regina Halmich und die gerade mit einer weiteren Medaille von den Fechtweltmeisterschaften in Budapest zurückgekehrte Britta Heidemann.

Und gerade ihr, deren mediales Eigen-Management sonst so perfekt ist und dabei so natürlich wirkt, unterliefen gleich drei dicke Patzer, die für die Zuschauer ganz unerwartet einen Blick hinter die Kulissen erlaubten, dorthin also, wo offenbar eine ziemliche Distanzlosigkeit zwischen Studiogästen und Moderatoren herrscht, in diesem Fall also zwischen Sportlern, die Gegenstand der Berichterstattung sind, und Journalisten, deren Aufgabe diese Berichterstattung ist.

Dass Britta Heidemann munter plauderte über ihre jüngsten China-Reisen etwa an der Seite des Bundesaußenministers, konnte als Erfolgsfolklore ohne Weiteres durchgehen. Dass sie dabei aber rasch noch die deutschen Großsponsoren unterbrachte, für die sie bei solchen Anlässen über den gesellschaftlichen Laufsteg geht, war schon grenznah.

Völlig aus dem Konzept aber brachte sie die arme Moderatorin, indem sie Frau Müller-Hohenstein, die es mit der schicklich-distanzierten Anrede, also „per Sie“, versuchte, umstandslos zurückduzte und dabei von langer Vertrautheit schwärmte. Richtig peinlich wurde es aber erst, als sie sich gleich selbst als Nachfolgerin für „den Michael“ empfahl, also für Michael Steinbrecher, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als dreihundert „Sportstudio“-Sendungen moderiert hat und nun zum Monatsende aufhört.

Durch Regina Halmich wurde die Sache keineswegs peinfreier. Auch sie duzte die Moderatorin sofort und konnte sich dann in ihrer ZDF-Panegyrik gar nicht mehr bremsen: Es sei just das „Sportstudio“ gewesen, dem sie aufgrund der vielen Live-Übertragungen ihrer Kämpfe ihre Popularität verdanke – und, eher wichtiger noch, ihre Sponsoren. Marketingagentur ZDF: Ganz so krass haben wir uns das nicht vorgestellt. Aber so ist das eben mit den Herzergießungen zur Mitternacht.

Ein Rollenproblem hat inzwischen auch der nicht immer zu seinem Vorteil überlebensgroß gewordene Franz Beckenbauer. Er war etwas früher an der Reihe als die Damen Heidemann und Halmich, allerdings nach ihnen auch noch einmal – beim unvermeidlichen  (und zugegeben: auch unersetzlichen) Uraltritual des Torwandschießens. Dort war er fabelhaft, denn er machte den Clown, stoppelte mithin mehr als er schoss, traf natürlich trotzdem und fast so nonchalant wie einst vom Weißbierglas herab, entschied sich dann aber, den Ball lieber gleich mit der Hand und aus nächster Nähe ins offene Runde des sonst geschlossenen Eckigen zu werfen.

Den guten und gütigen Großvater des deutschen Fußballs zu geben: diese Rolle steht ihm allerdings nicht. Genau sie spielte er aber in dem von Steinbrecher moderierten Gesprächskreis „der drei Generationen“, zu dem auch Rudi Völler, Mario Götze und das „Sportstudio“-Urgestein Dieter Kürten gehörten. Der Erkenntnisgewinn dieser Runde war mehr als bescheiden. Mario Götze wirkte bei seinem offenbar ersten längeren ZDF-Auftritt sichtlich gehemmt, Völler war, ist und bleibt eben Völler.

Und Dieter Kürten, mit 375 Einsätzen der Rekord-Moderator, kam einfach nicht weg von seiner Obsession, dass der junge Beckenbauer doch vor seiner Zeit bei den Bayern auch schon beim Stadtrivalen und Erzfeind TSV 1860 München gespielt habe – und dass deshalb der Götze-Wechsel von Borussia Dortmund  zum Erzrivalen Bayern München ja gar nicht so schlimm sei. Kürten liebt das Harmonische seit jeher. Beckenbauer aber, was sehr verzeihlich ist, war nie bei den Blauen, trug aber am Jubiläumsabend unverzeihlicher Weise blaue Strümpfe, was in Zeiten von Facebook und Twitter natürlich sofort zu einem Nachrichtensturm führte, was wiederum nichts als ridikül, aber eben auch internetadäquat ist.

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