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Spielfilm Der wahre Held der „Landshut“

Am 13. Oktober 1977 wird eine Maschine der Lufthansa von Terroristen entführt. Dreißig Jahre später beantwortet der Journalist Maurice Philip Remy die Frage: Was tat der Pilot Jürgen Schumann, bevor er ermordet wurde?

© Vergrößern Maurice-Philip Remy hat zwölf Jahre recherchiert - jetzt weiß er, was 1977 in Aden geschah

Manche Geschichten brauchen länger. Sie brauchen einen längeren Atem desjenigen, der sie erzählt, und sie brauchen die Bereitschaft, zu begreifen. Diese Geschichte brauchte dreißig Jahre, erzählt zu werden. Weil sich so lange kein Erzähler fand, der die kollektive Wahrnehmung in Zweifel zog und die richtige Frage stellte. Die Geschichte handelt von einem der dramatischsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, von einer Erpressung des ganzen Landes und von einer Flugzeugentführung, von der wir alles zu wissen glauben. Und sie handelt - vor allem - von einem blinden Fleck.

Michael Hanfeld Folgen:  

Es ist die Geschichte der Lufthansa-Maschine „Landshut“, die am 13. Oktober 1977 von vier palästinensischen Terroristen auf dem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt entführt wird. Nach dramatischen Stationen landet sie am 17. Oktober in Mogadischu. Kurz nach Mitternacht stürmt ein GSG-9-Kommando das Flugzeug; alle Geiseln werden befreit, drei der vier Entführer werden erschossen. Die in Stuttgart-Stammheim einsitzenden RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe erfahren davon und begehen in ihren Zellen Selbstmord.

Am 19. Oktober gibt die RAF bekannt, dass der in Köln entführte Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer getötet worden sei. Seine Leiche wird in einem Waldstück nahe der französischen Stadt Mulhouse gefunden. Aus Bagdad, wo sich führende RAF-Kader um den „Terrorpaten“ Wadi Haddad versammelt hatten, war der Befehl ergangen, Schleyer zu töten. Den Kapitän der „Landshut“, Jürgen Schumann, hatte der Anführer des Kommandos, der sich „Kapitän Mahmud“ nannte, bei der Zwischenlandung im südjemenitischen Aden am 16. Oktober ermordet.

Film "Mogadischu" © Teamworx Vergrößern Duell mit ungleichen Waffen: Thomas Kretschmann und Saiid Taghmaoui in „Mogadischu”

Was tat der Kapitän, als er das Flugzeug verließ?

Die Bundesregierung unter Helmut Schmidt hatte sich nicht erpressen lassen. In der Freude über das Ende dieser Terrorakte aber ging unter, dass zwei Familien keinen Grund hatten zu feiern: die Schleyers und die Schumanns. Der Erzähler und Rechercheur, dem wir zu verdanken haben, dass dreißig Jahre nach dem Geschehen endlich eine Frage beantwortet wird, die offenblieb, heißt Maurice Philip Remy. Er zählt zu jener raren Spezies besessener Dokumentarfilmer, denen das Fernsehen seine größten Momente verdankt. Weil sie es wissen wollen, koste es Zeit, Arbeit und Geld, was es wolle. Remy hat zu zahlreichen Themen gearbeitet, zu zeithistorischen und aktuellen, für die ARD und fürs ZDF, er ist Rommel-Experte, zuletzt sahen wir von ihm die Reihe „Offiziere gegen Hitler“.

Seit zwölf Jahren trieb ihn bei seinen Recherchen eine Frage um: Was hat Jürgen Schumann, der Kapitän der „Landshut“, gemacht, als er in Aden das Flugzeug verließ? Er wollte die Maschine inspizieren, weil nach der Notlandung im Sand neben der Landebahn, die jemenitische Truppen mit Lastwagen verstellt hatten, nicht klar war, dass die Landshut noch weiterfliegen konnte. Fünfzehn bis zwanzig Minuten blieb er weg - etwas zu lange, um die Technik zu prüfen. Wollte er türmen?

Das ist die Mutmaßung, die seit damals vagabundiert, Journalisten haben sie immer wieder fortgeschrieben. Maurice Philip Remy tat das nicht. Er versuchte vielmehr zu rekonstruieren, was sich in den quälenden Stunden der Entführung genau zugetragen hat. Dabei begnügte sich Remy nicht mit den bekannten Zeugnissen, die etwa Heinrich Breloer für seinen vor zehn Jahren gedrehten Zweiteiler „Das Todesspiel“ versammelte. Drei Anläufe unternahm Remy, um herauszufinden, was Jürgen Schumann in Aden aufgehalten hatte. Dann fand er es heraus.

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