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Pressefreiheit in der Türkei : „Spiegel“-Korrespondent verlässt Ankara

  • -Aktualisiert am

Aus Sicherheitskreisen sei ihm zugetragen worden, ihm könnte ein Prozess wegen Unterstützung einer Terrororganisation drohen, sollte er das Land nicht verlassen, sagte Hasnain Kazim: „Bloß weil ich mit Leuten gesprochen habe, die die Türkei als Terroristen bezeichnet.“ Bild: dpa

Der türkische Präsident Erdogan geht nicht nur gegen einheimische Medien und Journalisten vor. Jetzt zieht der „Spiegel“ seinen Reporter ab. Ihm habe die Verhaftung gedroht, meint Hasnain Kazim.

          Die türkische Regierung geht nicht nur gegen unabhängige Medien im eigenen Land vor, enteignet Verlage und schickt kritische Journalisten ins Gefängnis, sie setzt auch ausländischen Reportern nach. Dem Korrespondenten der Zeitschrift „Der Spiegel“, Hasnain Kazim, wurde trotz monatelanger Bemühungen keine Verlängerung seines Presseausweises gewährt. Da die Aufenthaltsgenehmigung für Journalisten aus dem Ausland an eine Akkreditierung gebunden sei, könne Kazim ab sofort nicht mehr frei in der Türkei arbeiten, teilte der Verlag mit. Kazim habe die Türkei verlassen und werde von Wien aus arbeiten.

          Aus Sorge, dass die Sicherheitsbehörden Kazims Ausreise verhindern könnten, berichtet die Deutsche Presse-Agentur, habe ein deutscher Diplomat die Familie bis zur Passkontrolle am Istanbuler Atatürk-Flughafen begleitet. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll sich angeblich persönlich für Kazims Akkreditierung verwendet haben. Der Journalist ist der Überzeugung, die Regierung des Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu hätte ihm die Arbeitserlaubnis erteilt, doch sei das Präsidialamt dagegen gewesen. Aus Sicherheitskreisen sei ihm zugetragen worden, sagte Kazim der dpa, ihm könnte ein Prozess wegen Unterstützung einer Terrororganisation drohen, sollte er das Land nicht verlassen: „Bloß weil ich mit Leuten gesprochen habe, die die Türkei als Terroristen bezeichnet.“

          Wie viele andere berichtet Kazim kritisch über die türkische Regierung und den Präsidenten Erdogan. Anhänger von dessen Partei AKP, schreibt die Deutsche Presse-Agentur, hielten dem Journalisten vor, einseitig zu berichten. Der Chefredakteur von „Spiegel Online“, Florian Harms, kritisierte das Verhalten der türkischen Behörden als Verletzung der Pressefreiheit. Das Gebaren lasse „keinen anderen Schluss zu, als dass unser Korrespondent aufgrund seiner journalistischen Berichterstattung vor Ort nicht mehr erwünscht ist“. Hasnain Kazim ist nicht der erste Korrespondent, den die türkischen Behörden gängeln. Der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel sowie Silje Rønning Kampesæter, Korrespondentin der norwegischen Zeitung „Aftenposten“, erhielten keine Verlängerung ihrer Presse-Akkreditierung.

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