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„Spiegel“-Ressortleiter gegen Blome : Alle gegen einen

Im Wind: der künftige „Spiegel“-Chefredakteur Wolfgang Büchner Bild: dpa

Wolfgang Büchner, künftiger Chefredakteur des „Spiegel“, hat Nikolaus Blome als Stellvertreter berufen, seine Ressortleiter haben sich nun einstimmig dagegen ausgesprochen: Die Zeichen stehen auf Sturm.

          Beim „Spiegel“ stehen die Zeichen auf Sturm. Auf einer großen Konferenz haben sich die Ressortleiter des Magazins an diesem Montag einstimmig gegen die Berufung des Journalisten Nikolaus Blome zum stellvertretenden Chefredakteur ausgesprochen. Blome kommt von der „Bild“-Zeitung, sein Wechsel ist für den 1. Dezember angekündigt. Der Chefredakteur Wolfgang Büchner nahm, wie zu hören ist, das Votum der Ressortleiter zur Kenntnis, bestand aber auf seiner Entscheidung. Seinen Stellvertreter zu benennen sei sein ureigenes Recht.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Büchner tritt seinerseits als Chefredakteur des „Spiegel“ offiziell erst zum 1. September an. Wegen der Eskalation der vergangenen Tage ist er jedoch schon an diesem Montag erschienen. Klein beigeben will er nicht. Er wolle jetzt das Gespräch mit der Redaktion suchen. Wie das funktionieren soll, ist allerdings fraglich. Ein Chefredakteur, der gegen sämtliche Ressortleiter des Magazins steht? Formal hat die Resolution der Ressortleiter keine direkte Wirkung. Aber sie hat selbstverständlich Gewicht.

          Verlängerte Front

          Die Berufung Büchners zum Chefredakteur war eine Sache der Gesellschafter, die Berufung Blomes zum Stellvertreter ist eine Sache Büchners. Inwiefern er die Gesellschafter dabei einbeziehen muss, ist strittig. Gefragt ist vor allem die Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent der Kapitalanteile am „Spiegel“ hält. Sie hat die stillen Gesellschafter des „Spiegel“ für Mittwoch zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Für eine Berufung oder Abberufung - etwa des Chefredakteurs - müsste es eine außerordentliche Versammlung der Mitarbeiter KG geben. Um eine solche handelt es sich an diesem Mittwoch noch nicht. Auch müsste die Abberufung des Chefredakteurs von den Gesellschaftern mit einer Dreiviertelmehrheit beschlossen werden. Die Mitarbeiter KG müsste also den Gesellschafter Gruner+Jahr (25,5 Prozent) mit ins Boot holen, die Stimmen der Erben des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein (24 Prozent) reichten nicht. Auch ist nicht unbedingt damit zu rechnen, dass diese beiden Gesellschafter aus der verfahrenen Lage unbedingt den Schluss ziehen, dem Chefredakteur das Vertrauen zu entziehen. Gruner+Jahr hält sich bislang bedeckt, Jakob Augstein, der für die „Spiegel“-Erben spricht, hatte Blomes Berufung öffentlich gutgeheißen.

          Umstritten: Büchner hat Nikolaus Blome als Stellvertreter berufen
          Umstritten: Büchner hat Nikolaus Blome als Stellvertreter berufen : Bild: dpa

          Mit dem Votum der Ressortleiter entsteht jedoch eine neue Lage. Die Mitarbeiter KG hatte schon signalisiert, dass sie Blome als stellvertretenden Chefredakteur nicht sehen will, nun hat sich die Front um sämtliche Ressortchefs verlängert. Das Krisengespräch am Sonntagabend, zu dem sich Büchner, Vertreter der Mitarbeiter KG und einige Ressortgesandte getroffen hatten, trug zur Deeskalation nicht bei. Im Gegenteil: Am Montagmorgen formulierten die Ressortchefs ihre Resolution; als es dann zur gemeinsamen Konferenz mit dem Chefredakteur und dem Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe ging, prallten die Welten aufeinander.

          Saffe und Büchner sprachen sich - wie zu erwarten - für Blome aus, dann kamen die Ressortleiter, deren Beschluss Stefan Willeke aus dem Ressort Gesellschaft und Reportage vortrug. Diskutieren wollten das, wie zu hören ist, dann zunächst weder Saffe noch Büchner. Saffe sagte, dass es hier nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Verlag und Redaktion gehe, Büchner wiederholte, dass er von der Berufung Blomes nicht abrücke. Beide ließen durchblicken, dass die Mitarbeiter KG involviert gewesen sei. Dass sie seit einigen Wochen informiert war, wird von niemandem bestritten. Strittig aber ist, ob die Berufung Blomes „nach allen Regen des Hauses“ erfolgte, wie Büchner sagte. Ein offizielles Ablehnungsschreiben der Mitarbeiter KG soll es nicht geben, wohl aber eine Willensbekundung. Endgültig offenbar wurde der Dissens am vergangenen Mittwoch, als Blomes Berufung offiziell verkündet wurde.

          Wie hätte er sich darauf einlassen sollen?

          Wie es angesichts der Konfrontationslage zwischen Chefredakteur und Ressortchefs weitergehen soll, weiß im Augenblick niemand zu sagen. Büchner soll am Ende der Konferenz versichert haben, er stehe allen für Gespräche zur Verfügung, die Stimmung jedoch soll eisig bis weit unter dem Gefrierpunkt gewesen sein, schon der Verweis auf Blomes Qualitäten als Journalist habe Hohngelächter hervorgerufen. Dabei geht es beim „Spiegel“ mitnichten allein um diese Personalie. Es ist eine Konfrontation zwischen Redaktion und Chefredakteur, zwischen Verlag und - weiten Teilen - der Redaktion des Magazins, zwischen dieser und der Redaktion von „Spiegel Online“, in der Wolfgang Büchner, der den Digitalauftritt stärken will, durchaus Rückhalt hat, zwischen verschiedenen Lagern in der Mitarbeiter KG (dort treffen Mitarbeiter aus Verlag und Redaktion aufeinander) und zwischen den drei Gesellschaftern des „Spiegel“.

          Ein Kompromiss, so ist zu hören, hätte darin bestehen sollen, Blome zum Leiter des Hauptstadtbüros, aber nicht zum stellvertretenden Chefredakteur zu machen. Wobei die Frage ist, wie sich der Chefredakteur Büchner darauf hätte einlassen sollen. In der Konferenz am Montag soll er betont haben, das Blatt werde in Hamburg vom Chefredakteur und von den dort wirkenden stellvertretenden Chefredakteuren gemacht, also von Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry, die seit der Abberufung der Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron das Szepter führen. Blome werde für die Berichterstattung aus Berlin zuständig sein. Damit aber wollten sich weder die Vertreter der Mitarbeiter KG noch die Ressortleiter des Magazins anfreunden. Eine Lösung der Krise ist nicht in Sicht.

          Quelle: F.A.Z.

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