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Künstliche Intelligenz : Maschinen spielen die Menschen aus

Wasserfeste Maschinen: Die „Naga Sirene“ – hier als gezeichnete Illustration – versetzt ihre Gegner mittels Gesangs in eine „magische Stasis“. Bild: Valve

Mensch ärgere Dich nicht: Auch im Videospiel gewinnt inzwischen die Künstliche Intelligenz. Bei einem „Dota 2“-Wettkampf haben fünf Bots Profispieler geschlagen. Ist das der Anfang vom Ende?

          Das Ende der Menschheit scheint mit einem bärtigen Gnom in einem Holzfasshelikopter, einer Todesprophetin, einem untoten Eismagier, einem bärbeißigen Dämonenbeschwörer und einem Zwergenscharfschützen zu kommen. Denn dieses Team – die „Open AI Five“ – hat bei einem Wettkampf des Videospiels „Dota 2“ fünf der besten „Dota“-Spieler der Menschheit besiegt. Zwei von drei Runden entschieden die Bots für sich. Vor allem, weil sie in einem hochkomplexen Entscheidungsfindungsprozess nicht zögerten: Maschinen kennen (noch) keine Unentschlossenheit.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Und weil sich die fünf neuronalen Netzwerke des von Investoren wie Elon Musk und Peter Thiel unterstützen gemeinnützigen Forschungsinstituts „Open AI“ so gut schlugen und es sich bei „Dota 2“ eben nicht um ein Schach- oder Go-Spiel handelt, sondern um Echtzeitstrategien, bei denen die Aktionen des Gegners lange im Dunkeln bleiben, sehen Experten darin einen großen Schritt in der Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Die Maschinen hätten Teamgeist und Bauchgefühl bewiesen, heißt es. Fähigkeiten, für die sie bis dato nicht bekannt waren. Das schürt die von Futuristen wie Ray Kurzweil beschworenen Untergangsphantasien, nach denen die „technologische Singularität“, die den Zeitpunkt markiert, zu dem die Maschinen schlau genug sind, sich selbst zu verbessern, und den Menschen überflüssig machen, kurz bevorsteht. Ersteinmal aber haben sie uns „nur“ in der modifizierten Version eines populären Computerspiels geschlagen.

          Die Todesprophetin kann Gegner „verstummen“ lassen

          „Dota2 – Defense of the Ancients“ ist ein Strategiespiel, bei dem bis zu fünf Spieler ihre Heldenfiguren aus der Vogelperspektive durch eine Phantasielandschaft steuern, die sie nur so weit überblicken können, wie sie mit den Figuren vorgedrungen sind. Der Rest ist im schwarzen „Nebel des Krieges“ verborgen. Ziel des Spiels ist es, den „Ancient“, das Hauptgebäude der eigenen Fraktion, zu verteidigen und das der Gegner zu zerstören. Die Teams müssen Gold und Erfahrungspunkte (XP) verwalten, um Gegenstände (Items) zu kaufen und neue Fertigkeiten (Skills) zu erwerben. So kann die Todesprophetin Gegner „verstummen“ lassen, um sie daran zu hindern, Zauber zu sprechen, während „Lion“ eine gegnerische Einheit mit dem „Todesfinger“ zerreißt. Diese Fähigkeiten lassen sich mit speziellen Gegenständen verbessern, unterliegen aber nach ihrer Nutzung einer Abklingzeit, die umso länger dauert, desto stärker die Fähigkeit ist.

          Ganz schön viele Daten: In „Dota 2“ müssen sich die Bots zwischen mehr als 140 000 Aktionen wählen.

          Diese Parameter einer Maschine beizubringen, die dann die Figur durch ein Gebiet steuern, also räumliches Vorstellungsvermögen entwickelt haben muss, noch dazu im Verbund mit vier Teamkollegen, deren Aktionen aufeinander abgestimmt werden müssen – das ist schon eine Meisterleistung. Doch die Programmierer von „Open AI“, die ihre Bots Anfang August gegen Profi-Spieler ins Rennen schickten, haben viel vor: „Während wir heute noch mit Beschränkungen spielen, wollen wir beim ,The International‘ (dem größten offiziellen „Dota 2“-Turnier) ein Team aus Profis schlagen.“ Die Summe an Preisgeldern vom ersten Platz (10,6 Millionen Dollar) bis zum 18. Platz (60000 Dollar) des Turniers beträgt mehr als 24 Millionen Dollar.

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