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So funktioniert Netflix Genau das, was wir wollen

Der Anbieter Netflix zeigt sehr erfolgreich sehr gute Serien im Internet. Schreiben jetzt die Algorithmen persönlich die Drehbücher?

© action press Vergrößern Ist das noch gutes Casting oder schon höhere Mathematik: Taylor Schilling (Mitte) als Piper in „Orange Is the New Black“

Der Weg in die Legalität klingt kriminell, aber was sind schon ein paar Lügen, wenn man verhindern möchte, zum Pferdedieb des 21. Jahrhunderts zu werden. Wer nicht warten kann, in der Zukunft des Fernsehens anzukommen, der muss erst einmal den deutschen Boden des Internets verlassen, und wer in den Systemeinstellungen seines Computers nicht zu Hause ist, der mag sich dabei fast schon wie ein Hacker vorkommen.

Harald Staun Folgen:  

Netflix heißt das gelobte Land der Seriensüchtigen, jener amerikanische Streaming-Dienst, der seit Anfang des Jahres auch eigene Serien produziert. Spätestens seit die Juroren der Academy of Television Arts & Sciences die künstlerischen Ambitionen des Dienstes vergangene Woche mit 14 Emmy-Nominierungen honoriert haben (davon alleine neun für die Politserie „House of Cards“), googeln sich die Zuschauer in Deutschland die Finger nach Anleitungen wund, die erklären, mit welchen Tricks sie ihr Geld an das Unternehmen und die Filme auf ihren Laptop oder iPad bringen können.

Ein Angebot für Amerikaner

Obwohl der Dienst mit über 30 Millionen Abonnenten in den Vereinigten Staaten mittlerweile auch in verschiedenen europäischen Ländern verfügbar ist, gibt es derzeit noch keine Pläne, nach Deutschland zu expandieren. (Über die Gründe wird viel spekuliert, die plausibelste Theorie besagt, dass der Markt für englischsprachige Filme in einem an Synchronisierung gewöhnten Land zu riskant ist.) Wer Netflix abonnieren will, muss sich deshalb als Amerikaner ausgeben, zum Beispiel über ein sogenanntes Virtual Private Network wie „Hydemyass.com“, was zusätzliche Kosten, Registrierungsstrapazen und Software-Installationen erfordert. Immerhin kann man am Ende für rund zehn Euro monatlich aus etwa 60.000 Filmen und Serien wählen. Man kann die Serien natürlich auch über Pirate Bay herunterladen, komplett illegal und mit zwei Klicks.

Alleine für „House of Cards“, die ziemlich teure Serie über Intrigen im amerikanischen Politikbetrieb, lohnt sich der Aufwand. 100 Millionen Dollar zahlte Netflix angeblich für die ersten beiden Staffeln und plazierte damit eine rekordverdächtige Wette auf den Erfolg ihrer ganz eigenen Programmphilosophie. Glaubt man den aufgeregten Berichten amerikanischer Medienjournalisten, waren es nämlich nicht mutige Programmmacher, die die Entscheidung für die Serie trafen, sondern gewissermaßen die Algorithmen persönlich.

Eine verkaufsfördernde Legende

Wie es sich für ein zeitgemäßes Online-Unternehmen gehört, sammelt Netflix obsessiv Daten seiner Nutzer, um seine Big-Data-Maschinen zu füttern. Weil sich dabei herausstellte, dass das Publikum der BBC-Miniserie „House of Cards“ aus dem Jahr 1990 auch gerne Filme von Regisseur David Fincher und mit Schauspieler Kevin Spacey sieht, traute man sich, so jedenfalls die Legende, zwei Staffeln der Serie in Auftrag zu geben, ohne auch nur einen Pilotfilm gesehen zu haben.

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Veröffentlicht: 29.07.2013, 14:56 Uhr

Sesam öffnet sich

Von Michael Hanfeld

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