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Datensammler Smart-TV : Sieh einer an, der neue Fernseher spioniert uns aus

Nicht zu fassen, was ein moderner Fernseher alles kann: Wenn man weiß, was „Smart TV“ wirklich bedeutet, schaltet man lieber erst gar nicht ein. Bild: AP

Was ist Smart-TV? Ganz einfach: Der Fernseher verbindet sich mit dem Internet. Und dann? Gehen Daten online. So werden wir ausgehorcht. Nicht wir schauen fern, das Gerät sieht uns.

          Der Fernsehhersteller Samsung sorgte kürzlich für Irritationen, paradoxerweise durch einen Akt der Transparenz: Das Unternehmen wies darauf hin, dass bei seinen internetfähigen Smart-Fernsehern Sprachbefehle möglicherweise an externe Dienstleister weitergeleitet würden. Das war für viele Besitzer ein Schock. Hört Samsung alles mit? Es kam zu einem Aufruhr im Netz. Samsung bemühte sich um Differenzierung, was viele als Entwarnung verstanden: Weitergeleitet würden allenfalls Sprachbefehle, die durch Tastendruck freigegeben wurden. Ist also doch alles in Ordnung?

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Mitnichten. Denn Sprachbefehle gehören, wie die Stiftung Warentest auch schreibt, als biometrische Daten grundsätzlich nicht auf irgendwelche unbekannten Server. Zudem wissen die meisten Smart-TV-Nutzer noch immer nicht, dass ihre Fernsehdaten einen geschlossenen Gerätekreislauf verlassen und nach draußen gelangen können. Man sieht beim Smart-TV-Gucken nicht, dass man im Internet ist, und obwohl jährlich ungefähr fünfzig Millionen Smart-Fernseher verkauft werden, hat sich noch nicht herumgesprochen, dass die Riesenmonitore die Privatsphäre bedrohen.

          Keiner weiß, was das nächste Update bringt

          Welche Datenströme fließen da eigentlich? Marco Ghiglieri, IT-Sicherheitsforscher an der TU Darmstadt, sagt, das wüssten nicht einmal die Experten im Detail. Die Daten werden von fast allen Herstellern inzwischen verschlüsselt übertragen, und Universitätsforscher haben kein Recht darauf, eine Entschlüsselung zu verlangen. Diese Möglichkeit hat aber zum Beispiel das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht nach Paragraph 38 des Bundesdatenschutzgesetzes. Tatsächlich hat die Behörde gerade einen Test mit Smart-Fernsehern durchgeführt, und einzelne Hersteller um Aufklärung gebeten.

          Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht: „Keiner weiß, was das nächste Update bringt.“
          Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht: „Keiner weiß, was das nächste Update bringt.“ : Bild: dapd

          Doch sei, gibt Thomas Kranig, Präsident des Landesamtes, zu bedenken, bei solchen Tests nur „eine Momentaufnahme für einzelne Geräte einzelner Hersteller“ möglich. Keiner wisse, was das nächste Update bringe. Erstellt werden soll nun unter Mitwirkung der Hersteller eine „Orientierungshilfe Smart-TV“. Diese entspräche dann einer einheitlichen Richtlinie, die festlegt, wie Fernsehgeräte datenschutzkonform konfiguriert werden müssen. Sollte bei späteren Stichproben ein Zuwiderhandeln festgestellt werden, drohen sogar Bußgelder. Das ist immerhin ein Anfang.

          Identifizierung der Nutzer ist Formsache

          Allein aufgrund ihrer Standardeinstellung bringen Smart-Fernseher viel mehr über ihre Nutzer in Erfahrung, als die meisten ahnen – und leiten ihr Wissen nicht nur an die Hersteller, sondern auch an die Programmanbieter und App-Store-Betreiber weiter. Als das Landesamt ein älteres Smart-Gerät untersuchte, zeigte sich, dass unmittelbar nach der Inbetriebnahme die IP-Adresse, also die Signatur des jeweiligen Internetanschlusses, an 60 verschiedene Stellen versendet wurde. Da die IP-Adresse eines Fernsehers in regelmäßigen Abständen wechselt, kann man darüber streiten, ob sie zur Identifizierung eines Nutzers ausreicht und die Privatsphäre ernsthaft bedroht. Für Datenschützer wie Thomas Kranig ist das so. Anonymität vor dem vernetzten Bildschirm hält er dann für passé: Verschlüsseltes lässt sich entschlüsseln, und werden die entsprechenden Daten mit bestehenden Profilen in Verbindung gebracht, ist eine Identifizierung nur Formsache.

          Ist der Nutzer gar so unvorsichtig, sich bei der Inbetriebnahme eines Geräts oder bei der Registrierung für einzelne Dienste mit seinem Namen anzumelden oder nimmt man eine Verknüpfung mit Dienstleistern wie Google auf dem Fernsehgerät vor, ist die Identifizierung ohnehin ein Kinderspiel.

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