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Sharehoster-Studie : Komm auf meine Festplatte

Jeden Klick einzeln gezählt: Die Untersuchung nimmt auseinander, wonach Nutzer bei Sharehostern suchen. Bild: Dieter Rüchel

Speicherplatz fürs private Fotoarchiv oder Tummelplatz für Online-Piraten – Sharehoster sind beides. Eine neue Studie sagt: Die illegale Nutzung macht mehr als 90 Prozent aus.

          Eigentlich sind Sharehoster einfach nur praktisch. Die Datenspeicherdienste im Internet bieten Platz für alles, was die heimische Festplatte sprengt, und Nutzer können auf den Plattformen große Datenmengen miteinander teilen. Das können Fotoarchive sein, Sicherungskopien, Datenmaterial aus der Wissenschaft - oder Raubkopien von Filmen und Musik. Und da beginnt das Problem. Denn wer eine Datei bei einem Sharehoster hochlädt, erhält einen Link. Den kann man weitergeben, beliebig oft. Wer immer ihn kennt, hat Zugriff auf die Daten.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auf Piraterie-Portalen kursieren Linklisten zu urheberrechtlich geschütztem Material, den Weg zu den Listen weisen Suchmaschinen. Sharehoster sind auch praktisch für alle, die widerrechtlich kopiertes Material bereitstellen und suchen. Die Dienste selbst weisen jede Verantwortung für die Inhalte zurück, die Dritte bei ihnen lagern.

          Mehr als 90 Prozent sind illegal

          So weit, so bekannt. Nicht bekannt dagegen war bisher, in welchem Umfang deutsche Internetnutzer Sharehoster illegal nutzen. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und der Internetdienstleister OpSec-Security, der Raubkopien im Netz aufspürt, haben nun eine repräsentative Studie zu dieser Frage vorgelegt. In Auftrag gegeben hat sie der Film- und Medienfachhandel, unterstützt wurde sie unter anderem von der Filmförderanstalt. Sie kommt zu dem Schluss: Mehr als neunzig Prozent der Nutzung von Sharehostern ist illegal.

          Für die Untersuchung stattete die GfK die Rechner von 15 000 deutschen Haushalten mit einem Programm aus, das jede Surfbewegung dokumentiert, anonymisiert und weiterleitet - Klick für Klick. Und es zeigte sich, das 2012 fast jeder zweite User nicht nur eine, sondern mehrere Speicherplattformen nutzte. Wer sie ansteuerte, war meist zwischen 18 und 39 Jahren alt und verbrachte im Lauf des Jahres durchschnittlich etwa achtzig Minuten auf den Websites. „Wir gehen davon aus, dass diese Zahlen Mindestwerte sind“, sagt Christoph Freier von der GfK, einer der Verfasser der Studie. Es sei nicht auszuschließen, dass die Teilnehmer sich zurückhaltender im Netz bewegt hätten als unter normalen Umständen. Zudem erfasse die Studie keine Downloads mit Clients, also Speicherprogrammen, die außerhalb von Webbrowsern funktionieren.

          Raubkopien von Filmen und Pornos

          Rapidshare.com, uploaded.net und share-online.biz waren im zweiten Quartal 2012 die am häufigsten verwendeten Speicherdienste. Sie bieten kostenlose Basiszugänge und Prämienzugänge, über die man gegen Bezahlung schneller und mehr Daten laden kann. Zusammen erreichten die drei Plattformen mehr als sechzehn Prozent der deutschen Nutzer. Für August 2012 schlüsselten GfK und OpSec die Bewegungen auf diesen Websites genauer auf - und entdeckten eine Quote illegaler Nutzung, die zwischen 91,3 Prozent (bei rapidhare.com) und hundert Prozent schwankte: Für legale Inhalte interessierte sich auf share-online.biz niemand.

          Was lockte, waren stattdessen raubkopierte Kinofilme und Fernsehproduktionen. Mehr als die Hälfte der illegalen Klicks landeten bei diesen Inhalten. An dritter Stelle rangierten Kopien von Pornofilmen mit gut siebzehn Prozent. Für den kostenlosen Download urheberrechtlich geschützter Musik und von Software interessierte nur noch jeweils ein knappes Zehntel der User, für Videospiele, Hörbücher und Radiosendungen noch weniger.

          Wer seriös wird, verliert Nutzer

          Als Nutzung allerdings klassifiziert die Studie bereits, wenn ein Nutzer die Unterseite öffnet, von der aus er den Download starten kann. Ob der tatsächlich erfolgte, erfasste das verwendete Kontrollprogramm nicht: Es speichert nur URLs. „Aber wer Download-Seiten öffnet, zieht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch Daten“, sagt Petur Agustsson von OpSec, der zweite Verfasser der Studie. Das gelte vor allem, wenn jemand nacheinander mehrere Downloadseiten von Dateien öffnet, die zusammen etwa einen Film ergeben, oder wenn Nutzer ausgesprochen lange auf den Seiten bleiben.

          Speicherdienste, die sich um einen seriösen Auftritt bemühen, verlieren Besucher - auch das zeigt die Studie. Als die amerikanischen Behörden zu Beginn des vergangenen Jahres mit Megaupload den größten Datenspeicherdienst wegen massenweiser Urheberrechtsverletzungen vom Netz nahmen, distanzierte sich Rapidshare von der Konkurrenz. Ein Belohnungssystem für Dateien, die besonders häufig von anderen Nutzern heruntergeladen werden, gibt es bei ihm - anders als bei uploaded.net und share-online.biz - nicht mehr. Denn es lockt Raubkopierer. Der Studie zufolge verlor Rapidshare bis Ende 2012 fast die Hälfte seiner Besucher (Unique Users).

          Der ganz Große verschlüsselt lieber

          Kim „Dotcom“ Schmitz von Megaupload hat ein Teil dieses Jahres im Gefängnis verbracht, nur um in Neuseeland gleich das nächste große Speicherding aufzuziehen. Mega heißt die neue Plattform mit der alten Maxime, dass der Hoster nicht hafte für die Dateien auf seinen Servern. Mega verschlüssele die Daten, dass der Seitenbetreiber selbst sie nicht mehr lesen, also auch nicht kontrollieren könne. Mehr als drei Millionen User hat Dotcoms neues Projekt schon, demnächst will er damit an die Börse.

          Rapidshare sucht dagegen auch intern nach verdächtigem Material. Daniel Raimer, Rechtsanwalt und Pressesprecher des Unternehmens, schätzte 2012 den Anteil widerrechtlich geteilter Dateien bei Rapidshare auf einen „niedrigen einstelligen Prozentbereich“. Ob das stimmt, kann keiner sagen. Nach der GfK-Studie sieht es jedenfalls danach aus, als würde sich das Gros der Nutzer von Sharehostern - also deren Kundschaft - nicht für legale Inhalte interessieren. Sondern für Raubkopien von Spielfilmen und Pornos.

          Quelle: F.A.Z.

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