http://www.faz.net/-gqz-9eb9k

„Die Vorwürfe sind nicht vereinbar mit meinem Charakter“: der am Sonntag von seinem Posten als CBS-Chef zurückgetretene Leslie Moonves Bild: AP

Ehemaliger CBS-Chef Moonves : Am Ende haben alle Geld verdient

  • -Aktualisiert am

Nach Vorwürfen wegen sexueller Nötigung ist Leslie Moonves von seinem Posten als CBS-Chef zurückgetreten. Profitieren könnte er dennoch – zumindest finanziell.

          Plötzlich ging dann alles ganz schnell: Am Sonntagabend legte Leslie Moonves, der Chef des amerikanischen Fernsehsenders CBS, seinen Job nieder. Nur Stunden zuvor hatte der „New Yorker“ die von Ronan Farrow gesammelten Vorwürfe gegen ihn veröffentlicht. Der Sender gab bekannt, dass Moonves, von mehreren Frauen der sexuellen Nötigung beschuldigt, so lange keine Abfindungszahlung erhalte, bis eine „unabhängige Untersuchung“ die Vorwürfe geprüft habe. Eine andere Zahlung werde jedoch unverzüglich vorgenommen: Moonves und CBS würden zwanzig Millionen Dollar an die #MeToo-Bewegung spenden. Sofern ihm eine Abfindung zustehe, werde der Betrag davon abgezogen. Sie könnte den Achtundsechzigjährigen, über dessen Rücktritt schon seit mehreren Wochen spekuliert worden war, allerdings immer noch um 100 Millionen Dollar reicher machen – die #MeToo-Spende schon eingerechnet.

          Ende Juli hatte Ronan Farrow, der vergangenes Jahr mit der Enthüllung der Weinstein-Affäre die #MeToo-Bewegung mit ins Rollen brachte, von mehreren Frauen erhobene Vorwürfe sexueller Gewalt durch den CBS-Chef publik gemacht. Ungeklärt bleibt, weshalb jemand, der in seiner Rücktrittserklärung beteuert, die Vorwürfe seien unwahr (die Anschuldigungen, so Moonves, seien „nicht vereinbar mit meinem Charakter“), seinen Posten räumt – und was genau die zwanzig Millionen Dollar für #MeToo in Moonves’ Augen symbolisieren. Nach außen hin wirken sie wie eine Konzessionszahlung, die jedoch kein Geständnis sein soll – ein Antrag auf Absolution ohne Buße. Noch viel heikler ist die Frage, wie Sexualvergehen sich in Geld aufwiegen lassen sollen.

          Dass das Schweigen von Opfern in vielen Fällen mittels Vertraulichkeitsvereinbarungen und stattlicher Zahlungen einfach gekauft wird, ist nach amerikanischem Recht legal und weit verbreitet. An die Öffentlichkeit zu gehen kann hingegen teuer werden und sogar die ganze Karriere kosten. Die Schauspielerin Janet Jones berichtete im Juli in Farrows Artikel, dass Moonves, nachdem er sie sexuell bedrängt habe, am Telefon zu ihr gesagt habe: „Ich warne dich. Ich werde deine Karriere zerstören.“

          2017 hat Moonves, der sich selbst immer zum Verbündeten der #MeToo-Bewegung erklärt hat, fast 70 Millionen Dollar verdient. Die bittere Pointe ist, dass es in diesem Jahr weit mehr werden könnten. Und was kostet der unrühmliche Rücktritt eines schwerer Sexualvergehen bezichtigten Geschäftsführers das Unternehmen? Nachdem Moonves am Sonntagabend seinen Rücktritt erklärt hatte, legte die CBS-Aktie über Nacht um drei Prozent zu. Am Ende, so scheint es, haben alle mehr Geld auf dem Konto.

          Weitere Themen

          MeToo erreicht Indiens Chefetagen

          Walmart-Konzern : MeToo erreicht Indiens Chefetagen

          Das indische Idol der Gründerszene wird bei Walmart gefeuert. Es geht um den Vorwurf von sexuellem Missbrauch. Doch die Inder können das Verhalten der amerikanischen Firma nicht verstehen.

          Alice im Wunderland

          AfD-Spendenaffäre : Alice im Wunderland

          Am Bodensee liegt der Kreisverband der AfD-Politikerin Weidel. Auf dessen Konto gingen auf einmal beachtliche Spenden ein: erst 130.000 Euro, dann nochmal 150.000. Erstaunlich war auch, wie die Partei damit umging.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.), hier auf einer Veranstaltung in Idar-Oberstein, wollen Angela Merkel an der Parteispitze beerben.

          Zweite CDU-Regionalkonferenz : „Eine unbezahlbare Marketingshow“

          „Wir brauchen euch drei gemeinsam“, meint Julia Klöckner bei der zweiten Regionalkonferenz im Kampf um den CDU-Vorsitz. Doch die Kandidaten versuchen, sich von den Konkurrenten abzusetzen – zum Beispiel beim Migrationspakt. Mit Erfolg?

          Saudi-Arabien : Ein Kronprinz in der Defensive

          Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers schnell zur Tagesordnung über. Im Fall Khashoggi ist das anders – und das liegt vor allem an Muhammad Bin Salman. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.