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Veröffentlicht: 18.03.2017, 11:16 Uhr

Amazon-Serie „You Are Wanted“ Gejagter Mann, was nun?

Mit „You Are Wanted“ legt Matthias Schweighöfer die erste deutsche Serie für Amazon vor. Er spielt die Hauptrolle, schreibt am Drehbuch und führt Regie. Damit hat er vielleicht etwas zu viel von sich verlangt.

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© dpa Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) ist gehackt worden. Das merkt man ihm in jeder Szene der Serie „You Are Wanted“, die vorab zu sehen waren, an.

Für Lukas Franke kann es gar nicht stark genug sein. Also kippt er noch schnell einen Schluck vom Energydrink in den Kaffee, bevor es losgeht, nach Hause, zur Feier seines Geburtstags, den er gar nicht feiern will. Die Assistentin kennt ihn und hat ihm eine Palette von dem Aufputschgesöff geschenkt. Jetzt aber nichts wie los, sagt der Hotelmanager – und sitzt im Dunkeln. Der Saft ist weg, Blackout in ganz Berlin, die Hacker-Gruppe „Antipode“ hat zugeschlagen. Doch auf null gesetzt wird nicht nur die Hauptstadt im Allgemeinen, gehackt wird insbesondere Lukas Franke. Jemand bemächtigt sich seiner digitalen Identität und stellt sein Leben auf den Kopf. Bald wird der nette Mann von nebenan als Terrorist verdächtigt.

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Klingt das nicht nach einer mitreißenden Story, wie man sie sich für die erste deutsche Serie, die Amazon Prime produziert, nur wünschen kann? Und dem Hauptdarsteller, Ko-Regisseur (neben Bernhard Jasper), Ko-Umschreiber des Drehbuchs und Produzenten Matthias Schweighöfer auch, dessen Firma Pantaleon Films hier mit Warner Bros Entertainment gemeinsame Sache macht? Es klingt so und sieht zwischendurch fast so aus, als könnte das die deutsche Version all der heißen Geschichten von Identitätsklau und Computerkriminalität, die die ganze Welt bedroht, sein; mit ein bisschen „Matrix Reloaded“, etwas „Bourne Identity“ oder einem Zuschnitt, wie wir ihn von Serien wie „Mr. Robot“ oder „Person of Interest“ kennen.

Den Hacker am Schlafittchen packen

Dummerweise ist die Geschichte dafür zu dünn, hat zu viele Schwächen, weist zu viel Längen und zu wenig Tempo auf, was spätestens dann offen zutage tritt, wenn Matthias Schweighöfer aus eher unerfindlichen Gründen losrennt, um in der S-Bahn Ermittlern vom Landeskriminalamt zu entkommen, oder eine Treppe hinunterstürzt, um den Hacker am Schlafittchen zu packen, der ihm das alles eingebrockt hat.

© Youtube/ Amazon Video DE Serientrailer: „You are wanted“

Der baut in alle seine elektronischen Geräte Wanzen ein, überwacht und filmt ihn, schickt ihm Nacktbilder einer unbekannten Julia (Katrin Bauerfeind) aufs Handy, auf dass seine Frau Hanna (Alexandra Maria Lara) eifersüchtig wird, bestellt Psychopharmaka, bedroht seine Familie und stellt Lukas Franke schließlich ein Paket vor die Füße, das dieser sofort nach Frankfurt bringen muss. Dort steht der Gehetzte einer Unbekannten namens Lena (Karoline Herfurth) gegenüber, die anscheinend ein weiteres Opfer des Hackers Jens Kaufmann (Jörg Pintsch) ist. Oder ist sie seine Komplizin? Für die Kommissarin Sandra Jansen (Catrin Striebeck) vom LKA ist derweil Franke der Spiritus Rector des Verbrechens und ein Bombenbauer. Deshalb verpasst sie ihm eine „Gefährderansprache“: „Was immer Sie vorhaben, lassen Sie es bleiben.“

Hätte Lukas Franke bloß nicht den Anhang der E-Mail geöffnet, die er direkt nach dem Berlin-Blackout bekam. Können wir uns vorstellen, dass jemand, der nicht ganz aus der Welt gefallen ist, im Jahr 2017 so etwas macht? Und fleißig mitten in der Nacht durch den Chatroom der ihm unbekannten Gruppe „Antipode“ scrollt? Vor dem Haus parkt auf der einen Straßenseite die Polizei, auf der anderen der Hacker, der doch tunlichst vermeiden sollte, sichtbar zu sein. Lukas Franke wiederum kann das Landeskriminalamt, das er aufsucht, um die Ermittlerin Jansen zu sprechen, so unauffällig und unbehelligt verlassen, wie er gekommen ist, und das, obwohl in jedem Raum eine Überwachungskamera hängt.

45360976 © Stephan Rabold/Pantaleon Films Vergrößern Ist Lena (Karoline Herfurth) ein weiteres Opfer des Hackers oder ist sie seine Komplizin?

An schlechten Tagen kann so etwas auch im Vorabendprogramm passieren oder bei den Episoden-Serien, die bei den Privatsendern laufen. Für eine mit Aplomb angekündigte Serie, die Amazon-Prime-Kunden weltweit angeboten wird und von der es hieß, sie sei deswegen „die größte deutsche Serie aller Zeiten“, ist das Karo, für das die Autoren Hanno Hackfort, Richard Kropf und Christoph Bob Konrad wohl nur ansatzweise verantwortlich sind, etwas klein.

Es rächt sich, dass „You Are Wanted“ die One-Man-Show von Matthias Schweighöfer ist. Es war keine so gute Idee, den Atlas zu spielen, auf dessen Schultern alles lastet. Das merkt man dem Handlungsgerüst, der Dramaturgie, den Dialogen (der LKA-Ermittler: „Ich will in ihren Kopf!“, der Hacker: „Stell dir einfach vor, ich bin Gott“) und der Schauspielführung an. Matthias Schweighöfer hat Mühe, seiner Figur all die Facetten zu geben, die sie braucht. Das Ensemble macht so vor sich hin. Alexandra Maria Lara ist die in Maßen Verzweifelte, Catrin Striebeck die aus unerfindlichen Gründen Genervte, Karoline Herfurth und Katrin Bauerfeind sind die von irgendetwas Getriebenen, was sie, die alle vom Hacker irgendwie miteinander verwoben sind, allerdings nicht interessant genug macht, dass man sich nach dem obligatorischen Cliffhanger die nächste Folge anschaut.

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Die Filme und Serien, die der Versandhändler Amazon in seinem Prime-Programm hat, müssen keine Riesenquoten holen und keine Preise gewinnen, sie sind für den Auftraggeber Beiwerk. Die Kunden sind da, weil sie von heute auf morgen mit allem Möglichen beliefert werden wollen. Doch schadet es nicht, sie mit guter Unterhaltung bei Laune zu halten. Die hat Amazon, das sich in puncto Qualität mit Netflix und mehr noch mit HBO/Sky messen will, mit Serien wie „The Man in the High Castle“, „Mozart in the Jungle“ oder „Bosch“ und auch der Altherrenautosause „The Grand Tour“ im Angebot. Schwer vorstellbar, dass „You Are Wanted“ dazu auf die Dauer passt.

45376090 © Stephan Rabold Vergrößern Das Ensemble macht so vor sich hin: Alexandra Maria Lara als Ehefrau Hanna.

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