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TV-Serie „The Good Fight“ : Sie rollt den Fall noch einmal auf

Sie hat nichts mehr zu verlieren und kann nur noch gewinnen. Und das tut Diane Lockhart (Christine Baranski) dann auch. Bild: CBS

Die Serie „The Good Fight“ handelt von einer Anwältin, die mit sechzig noch mal von vorne anfangen muss. Sie will jetzt auf der „richtigen“ Seite stehen. Doch eine persönliche Rechnung hat sie ebenfalls offen.

          Ableger großer Serien, die sogenannten „Spin-offs“, haben es oft schwer, die Erwartungen zu erfüllen: Der Hauptdarsteller fehlt, der die Geschichten zuvor getragen hat. Das Budget ist knapp, weil die Serie erst am späten Abend läuft und sich bewähren muss. Beides trifft auf „The Good Fight“ zu, eine Auskopplung der Anwaltsserie „The Good Wife“. Statt beim Sender CBS läuft die Serie nur im Streamingangebot „CBS All Access“, in Deutschland zeigt sie nun der Abosender Sky. Und während eine Folge des Originals laut „Variety“ schätzungsweise zwei Millionen Dollar kostete, dürfte die Fortsetzung deutlich günstiger sein. Dass man an vielen Stellen etwas sparen musste, merkt man, wenn man das opulente Original danebenhält. Die frühere Hauptfigur, die Anwältin Alicia Florrick (Julianna Margulies) schwirrt nur noch als Phantom durch die Dialoge. Ein Mandant, den wir in der Vorgängerserie als frauenmordenden Milliardär kennengelernt haben, fragt nach ihr. Eine Kollegin nennt sie ihr Vorbild. Was sie inzwischen macht? Das bleibt unklar, sie ist wohl in Washington.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Im Kern aber steht auch „Good Fight“ für das, was schon den Vorgänger ausmachte. „Good Wife“ war eine dieser Serien, die zwar keinen Begeisterungssturm auslösen, die aber doch stilprägend sind, in diesem Fall für das Genre der Anwaltsserie. Im Mittelpunkt stand Alicia Florrick. Ihr Mann Peter, ein Politiker in Chicago, war zu Beginn in einen Sexskandal verwickelt, sie blieb an seiner Seite. „Die gute Ehefrau“, das war keineswegs ironisch gemeint, und es war eine der vielen Parallelen zu Hillary Clinton. Alicia Florrick startet eine Karriere als Anwältin. Bevor sie zwei Kinder aufzog, hatte sie schließlich einen sehr guten Jura-Abschluss gemacht.

          Ränkespiele, Campaigning und Wahlmanipulation

          Vor Gericht und in der Anwaltskanzlei ging es um Intrigen, Revierkämpfe und die Grenzen des Rechts. Früh gelang es den Machern der Serie, Robert und Michelle King, digitale Themen wie Identitätdiebstahl, Phishing oder Urheberrechtsfragen gekonnt in den Fällen zu verarbeiten. Ein interessanter Erzählstrang war der politische Wiederaufstieg Peter Florricks (Chris Noth), der ständig im Wahlkampf steckt, zuletzt um die Präsidentschaftskandidatur. Hier ging es auch um Ränkespiele innerhalb der Demokratischen Partei, Campaigning und Wahlmanipulation.

          Das explizit politische Geschehen ist das Einzige, was „Good Fight“ fehlt. Das ist schade, aber zu verkraften. In der Serie steht Diane Lockhart (Christine Baranski), Mentorin und zwischenzeitliche Gegenspielerin Alicia Florricks, im Mittelpunkt. Die Chefin der Großkanzlei will sich zur Ruhe setzen und kündigt ihren Rückzug an. Sie träumt von einem Leben in der Provence. Dann erfährt Diane Lockhart aber, dass sie wie viele andere ihr ganzes Geld verloren hat. Ein alter Freund, der mit den Vermögen vieler Reicher spekuliert hatte, soll in einen Finanzskandal verwickelt sein, der an die Masche von Bernhard Maddoff erinnert. Sie hatte sogar viele Kunden für das Investment angeworben. Zurück in das alte Leben kann Diane Lockhart nicht, in ihrer Firma haben andere die Führung übernommen. Sie muss mit Anfang sechzig von vorne anfangen. Und diese stolze Frau ist wütend, sie will es allen noch mal zeigen.

          Serientrailer : „The Good Fight“

          Die Tochter des Freundes, der Lockharts Geld veruntreut hat, hatte kurz zuvor in der Kanzlei angefangen, auch sie wird verstoßen. Man unterstellt Maia Rindell (Rose Leslie), am Betrug beteiligt gewesen zu sein. Sie muss sich von ihren Eltern emanzipieren, entdeckt die dunklen Seiten des schönen Familienlebens und gerät selbst in Gefahr, wegen Mittäterschaft angeklagt zu werden. Weil große Teile der Elite Chicagos ihr Geld beim Vater investiert und verloren haben, ist den beiden Anwältinnen der Weg in die üblichen Kanzleien verschlossen. Eine Firma, in der bislang nur afroamerikanische Anwälte arbeiteten, nimmt sie auf. Hier kämpft Lockhart, die überzeugte Demokratin und Hillary-Unterstützerin, in Fällen von Polizeigewalt für die Opfer. Die Niederlage Clintons sieht sie im Fernsehen und weint. Die Serienmacher haben beim Dreh mit dem Sieg der Demokratin gerechnet, dabei passt sich die nachträglich gedrehte Szene viel besser ein.

          Auch Diane Lockhart muss von vorn anfangen, diesmal auf der „richtigen“ Seite. Dabei sind die Figuren der Serie keineswegs makellose Weltretter. Hier geht es darum, mit aller Härte zu gewinnen, zu manipulieren, das Recht zu den eigenen Gunsten auszulegen oder Börsenanalysten davon zu überzeugen, Prozesse zu finanzieren. Die Fälle sind so spannend und ungewöhnlich, wie man es aus „Good Wife“ kennt. Vor allem aber zeichnet sie eine moralische Brüchigkeit aus, die man von anderen „legal dramas“ nicht kennt. Es ist eine gelungene Fortsetzung mit anderen Figuren. Alicia Florrick ist nicht mehr dabei, aber sie fehlt nicht.

          The Good Fight, dienstags, 21 Uhr bei Fox via Sky.

          Quelle: F.A.Z.

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