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Veröffentlicht: 23.06.2015, 20:40 Uhr

Serie „The Brink“ Wie ich aus Versehen den dritten Weltkrieg anzettelte

Aus Amerika sind wir hochkarätige Politkomödien gewohnt, die neue Serie „The Brink“ wäre gern auch eine. Warum ist sie trotz prominenter Besetzung nur mittelmäßig?

von Nina Rehfeld
© AFP Wohin zeigen sie denn? Tim Robbins und Jack Black bei der Premiere von „The Brink“

Als „geopolitische Komödie über eine geopolitische Krise“ kündigt HBO „The Brink“ (Der Rand) an. Die Serie soll also Großes leisten. Doch leider passt sie in ein ziemlich kleines Karo. Ausgerechnet der Sender, der feine politische Comedy wie „Veep“ und „Last Week Tonight“ im Programm hat, rutscht trotz prominenter Besetzung ins Mittelmaß.

Die Geschichte handelt von dem amerikanischen Außenminister Walter Larson (Tim Robbins), einem Lebemann mit Vorliebe für Alkohol und Sexspielchen. Er ist gleichwohl der Einzige im Kabinett von Präsident Julian Navarro (Esai Morales), der bei klarem Verstand bleibt, als ein inkompetenter Diplomat die Menschheit an den Rand des Dritten Weltkriegs bringt. Alex Talbot (Jack Black) gerät beim Marihuanakauf mit seinem Fahrer Rafiq Massoud (Aasif Mandvi aus Jon Stewarts „Daily Show“, der hier auch schreibt und produziert) in Islamabad in die Straßenfeiern zu einem politischen Umsturz. Der irre General Zaman (Iqbal Theba) kommt an die Macht und hat die Kontrolle über das nukleare Arsenal des Landes. Talbot und Massoud flüchten sich ins Haus von Rafiqs Onkel, einem angesehenen Arzt. Talbot bekommt ein psychiatrisches Gutachten zu Zaman in die Hände und glaubt, die Sternstunde seiner Karriere sei angebrochen: Bevor der Onkel das Faxgerät zerschlagen kann und pakistanische Paramilitärs Talbot verhaften, faxt er das halbe Dokument ins Weiße Haus. Dort findet eine Krisensitzung mit einem kriegstreiberischen Verteidigungsminister, dem verkaterten Larson und einem wachsweichen Präsidenten statt. Während man noch die Lage in Pakistan debattiert, wird der Kampfpilot Zeke Tilson (Pablo Schreiber) zugeschaltet, der im Drogenrausch eine indische Drohne abgeschossen hat.

So geht das Ganze weiter, weitgehend ohne Timing oder Fingerfertigkeit. Die Witze drehen sich um Geschlechtsteile, Körperflüssigkeiten und Drogen. Jack Black tritt in seiner altbekannten Persona auf, er tappt voller Enthusiasmus von einem Fettnäpfchen ins nächste. Robbins flüstert seiner um Contenance bemühten Assistentin (Maribeth Monroe) eine unpassende Bitte nach der anderen zu, wenn er nicht gerade den Präsidenten mahnt, ruhig Blut zu bewahren, oder den Verteidigungsminister anblafft. Aasiv Mandvi ist dazu verdammt, über Talbots rassistische Ausfälle den Kopf zu schütteln, und Pablo Schreiber, der den Knastwächter George Mendez bei „Orange is the New Black“ spielte, muss hier als Kampfpilot, der sein Gehalt mit dem Vertrieb verschreibungspflichtiger Narkotika aufbessert und schon mal die falschen Pillen einwirft, schlechten Slapstick machen.

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Dabei zeichnen echte Könner für die Serie verantwortlich: Der Produzent Jerry Weintraub hat Klassiker wie „The Karate Kid“ und „Ocean’s 11“ in seinem Werkeverzeichnis stehen, sein Kollege Jay Roach inszenierte für HBO zwei preisgekrönte Politfilme, „Recount“ und „Game Change“, und von den Autoren Kim und Roberto Benabib schrieb Letzterer unter anderem die Komödie „Weeds“. Vielleicht wollte dieses Spitzenteam einfach mal zeigen, dass es auch ganz anders kann.

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