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Veröffentlicht: 12.06.2017, 17:55 Uhr

„Rush Hour“ als Serie Die Herren bitten zum Kampf

Geredet wird erst, wenn alles in Schutt und Asche liegt: Die Serienadaption von „Rush Hour“ wagt leider weniger als die Kracherfilme im Kino.

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© Sat.1 Neue Bekannte: die Detectives Carter (Justin Hires, links) und Lee (Jon Foo)

Was einst Schwert und Pflugschar, sind heute Film und Serie. Nun sind also die „Rush Hour“-Filme 1 bis 3 (1998, 2001, 2007) mit Jackie Chan und Chris Tucker, die wie die „Lethal Weapon“-Reihe an sich schon eine kleine Serie waren, verdünnt. Hollywood erobert die Bildschirme zurück. Schon seit geraumer Zeit werden Filme von einst, die ein bestimmtes Einspielergebnis nicht unterschreiten, zu Serien. Umgekehrt geht es natürlich auch („Baywatch“). Aus Sicht der Produzenten gilt: Was kann es für ein besseres Marketing geben, als die Tatsache, dass man schließlich den gleichen Stoff in anderer Verpackung schon einmal erfolgreich verkauft hat? Warum denn auch nicht, es muss schließlich auch Serien geben, die wie Jogginghosen funktionieren.

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Für Jackie Chan zumindest war der erste Teil von „Rush Hour“ mit einem Einspielergebnis von 140 Millionen Dollar einer seiner erfolgreichsten Filme. Er zog seinen Unterhaltungswert wie „Lethal Weapon“ – und all die anderen Cop-Duos davor – daraus, dem Publikum ein ungleich-gleiches Paar vorzusetzen. Chris Tucker als Spätneunziger-Version des „Beverly Hills Cop“ Axel Foley (Eddie Murphy) traf in „Rush Hour“ auf Jackie Chan als lustigen Kung-Fu-Onkel aus China mit zu viel Sinn für konfuzianische Ordnung.

Für die Serie haben die Verantwortlichen, der Regisseur Bill Lawrence – Schöpfer der großartig-komischen Ärzteserie „Scrubs“ – und der Produzent Blake McCormick, dieses Rezept fast eins zu eins übernommen. Nur dass Chief Inspector Lee, der Mann aus China, mit weniger Charme ausgestattet ist als sein Filmdouble aus Hongkong. Selbst mit viel Wohlwollen bekommt man das Gefühl, man habe es mit der unerlaubten Kopie der Actionkomödie zu tun, nicht mit einer beschwingten Aktualisierung derselben.

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In ihrem ersten Fall müssen sich Detective James Carter (Justin Hires) und Detective Jonathan Lee (Jon Foo) mit einer rauflustigen Triaden-Bande namens „Quantou“ auseinandersetzen. Diese hat es auf einen Schwung Terrakotta-Krieger abgesehen und macht keine Gefangenen. Während der Bösewicht in diesem Fall wieder mal ein blonder Asiate ist, hat Carter statt eines verschnarchten Chefs mit Captain Lindsay Cole (Wendie Malick) wenigstens eine resolute Chefin vor die Nase gesetzt bekommen. Das war es dann aber auch mit dem Veränderungswillen. Die Handlung verzichtet, nachdem die beiden Helden einander vorgestellt worden sind, konsequent auf Variation und vollführt in jeder Episode die gleichen Kreiselbewegungen: Carter hat eine große Klappe, Lee darf es ausbaden und rauscht über Tisch und Bänke. Dabei geht vieles zu Bruch – Terrakotta-Krieger und Menschen. Wobei zu Beginn wenigstens standesgemäß ein Hubschrauber in ein Treibhaus rast, nachdem Carter die famose Idee hatte, dem Piloten auf Reiseflughöhe ins Bein zu schießen. Erst wenn wirklich alles in Schutt und Asche liegt – in der Serie fällt das natürlich weit weniger spektakulär aus als im Film –, stehen das obligatorische Gespräch mit dem Captain und die „sofortige Suspendierung“ an. Woraufhin alles wieder von vorne beginnt, weil Carter die Klappe nicht halten kann und Lee es ausbaden muss.

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Eddie Murphy war in „Beverly Hills Cop“ als Prototyp des schwarzen Gut-drauf-Polizisten mit dem losen Mundwerk schon problematisch. Chris Tucker war als Ur-Carter etwas anstrengend. Justin Hires ist in der Serienversion von „Rush Hour“ die Fortsetzung mit gleichen Mitteln: hohe Stimme, dicke Karre, lässiger Spruch. Jon Foo alias Jonathan Lee, der von Carter als Running Gag der Serie ständig Bruce genannt wird, sagt häufig hölzerne Einzeiler auf, wie „Das ist inakzeptabel“ und „Das ist nicht ansatzweise korrekt“. Doch obwohl der Kontrast zwischen den beiden nicht dicker aufgetragen werden könnte, sind sie – da ist die Suspendierung schon abgeschmettert – auf eine sehr amerikanische Art gleich beste Kumpel.

© Warner Brothers, SAT.1 Fernsehtrailer: „Rush Hour“

Was die Bilder angeht, so sieht „Rush Hour“ wie die (noch nicht gedrehte) Serienversion von „Scary Movie“ aus (sie kommt bestimmt): Straßen- und Büroszenen werden alle fünf Minuten durch Luftaufnahmen von Los Angeles, bei Tag und bei Nacht, unterbrochen, während der Schnitt der Kampfkunstchoreographie von Jon Foo hinterherhechelt. Letzterer tritt, obwohl lange im Stuntteam seines Meisters Jackie Chan, ein großes Erbe an. Auch wenn die üblichen Kronleuchterschwungnummern und der alte Deine-Pistole-/Meine-Pistole-Trick gleich am Anfang aufgeführt werden, wirkt es doch fast immer ein bisschen zu sehr auf Serienformat geschrumpft. Die drei Filme von „Rush Hour“ ergeben zusammen 275 Minuten Material, das ist genug für sechs Serien-Episoden à 45 Minuten. Auch so lässt sich das Ganze zur Serie machen – nur ist es unterhaltsamer.

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