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„Shades Of Blue“ auf RTL : Die Polizei, dein Freund und Hehler

Zwischen den Stühlen: Der Zwiespalt zwischen dem FBI und Wozniak macht Harlee Santos (Jennifer Lopez) schwer zu schaffen. Bild: Michael Parmelee/NBC

Jennifer Lopez und Ray Liotta spielen in der Serie „Shades of Blue“ zwei korrupte Cops mit reichlich Problemen.

          In der Nacht sind alle Polizisten grau. Und in der neuen RTL-Serie „Shades of Blue“ ist es häufig Nacht. Die Einheit aus New Yorker Polizisten, von deren Leben die Serie erzählt, legt ihre Rechte und Pflichten „zum Schutz des Viertels“ denn auch sehr locker aus.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Lt. Matt Wozniak ist der streng liebende Vater dieser als Familie auftretenden Einheit. Gespielt wird er von Ray Liotta, und man kann sich zunächst keinen passenderen Kandidaten für diese janusköpfige Rolle vorstellen. Mit Jennifer Lopez an seiner Seite konfrontiert die Serie ihr Publikum allerdings von Beginn an mit einem ungleichen Paar. Liotta - ja, er hat auch in „Hannah Montana“ mitgespielt - verbindet man mit Filmen wie „Goodfellas“, „Copland“ oder „Blow“.

          „Nur bei Jennifer Lopez hatte ich ein Fragezeichen“

          Derweil Jennifer Lopez einem größeren Publikum eher durch Auftritte in „Anaconda“, „Shall We Dance?“ („Darf ich bitten?“) oder „Monster-in-Law“ („Das Schwiegermonster“) bekannt sein könnte. In einem PR-Interview wird Liotta gefragt, was ihn am Stoff gereizt habe. Er antwortet, dass das Drehbuch ihn überrascht habe, bekennt aber überraschend: „Nur bei Jennifer Lopez hatte ich ein Fragezeichen, weil ich ihre Arbeit nicht kannte, insbesondere bei ernsthafteren Rollen wie dieser.“ Dabei hat Jennifer Lopez, die neben Barry Levinson (Regie) und Adi Hasak (Produktion) am Set als „Executive Producerin“ mitreden darf, gegenüber Ray Liotta zumindest hinter der Kamera die Hosen an.

          Vor der Linse darf Liotta mit gefährlich weicher Raspelstimme (Udo Schenk macht die deutsche Synchronisierung hinreichend erträglich) den Ton angeben und als Leiter der Truppe auf väterliche Art durch die Lesebrille auf sein Smartphone starren. Soll sagen, der Leitwolf hat schon ein wenig Weiß im Pelz, kann aber noch ganz kraftvoll zubeißen.

          Funktionsprinzip: Pulverfass im Raucherraum

          Das muss er auch. Denn seine Einheit - in der jeder etwas auf dem Kerbholz hat - operiert auf dünnem Eis. Die Kollegen lassen sich großzügig schmieren und bieten Kleinkriminellen gegen fünfzehn Prozent Geschäftsbeteiligung „Schutz vor externen Bedrohungen“. Der an Handlung etwas überladene Einstieg lässt kaum Zweifel daran aufkommen, dass die Serie nach dem Prinzip Pulverfass im Raucherraum funktioniert. Eben noch schwadroniert Detective Harlee Santos (Jennifer Lopez) über einhäusige Pflanzen und „fakultative Autogamie“, da hat ihr neuer Kollege Michael (Dayo Okeniyi) schon den Verdächtigen erschossen. Und wie man das in der Familie so macht, verpasst Santos dem Frischling rasch einen Schuss auf die Kugelsichere Weste, damit sie die Tat glaubwürdig decken kann.

          Hier beginnt der eigentliche Konflikt der Serie, der nicht wie so häufig einer zwischen Polizei und Verbrecher ist, sondern zwischen Polizei und Polizei. Denn der Vorfall löst interne Untersuchungen aus. Und recht bald - wenn der Zuschauer bereits glaubt, er kenne das alles schon aus „CSI: NY“ - schnappt noch eine ganz andere Falle zu. Das FBI ist der korrupten Truppe, die Nebenverdienste und Hehlerware gern im Lagerraum eines irischen Pubs aufteilt, nämlich schon länger auf der Spur - in Person eines Agenten mit dem Zuverlässigkeit heischenden Made-in-Germany-Namen Robert Stahl. Als Maulwurf sucht sich Stahl (Warren Kole in bester Woody-Harrelson-Manier) selbstverständlich Harlee Santos als Wozniaks engste Vertraute aus. Sie steht von nun an zwischen den Fronten.

          Es wird entsetzlich viel geredet

          Optisch (Kamera: Yasu Tanida; Schnitt: Jason Hellmann) wagt sich die Serie nicht über gegenwärtige Standards hinaus. Die Einstellungen sind kurz, die Gesichter gerne in Halbschatten getaucht. Dafür birgt die Geschichte Raum für unerwartete Wendungen. Die Kombination Liotta-Lopez erzeugt eine unterhaltsame Reibung, die jedoch oft nur andeutungsweise ausgespielt wird.

          Ein wirkliches Problem aber hat die Serie: Es wird entsetzlich viel geredet. Da gibt es kaum eine Geste, die nicht mit Worten unterlegt, kaum eine Situation, die nicht vollgestopft wäre mit Dialog. Noch in den letzten Sekunden auf dem Weg zur Stürmung einer Wohnung unterhalten sich zwei Cops aus dem Team über die Seitensprünge ihrer Partner. Um zu zeigen, wie abgebrüht die Bande ist, hätten sie auch einfach mal die Klappe halten können. Denn so ein wild durcheinander schnatternder Haufen wird das heikle Spiel als korrupte Polizei nicht lange durchstehen. Entwarnung gibt es derweil von Produzentenseite: Die zweite Staffel ist schon bestellt.

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