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TV-Serie „Queen of the South“ : Schneekönigin, erzähl uns aus deinem dunklen Leben

  • -Aktualisiert am

Von ganz unten nach ganz oben: Alice Braga als Teresa Mendoza lässt sich zeigen, wie man schießt. Bild: Benedicte Desrus/USA Network

In der DMax-Serie „Queen of the South“ trifft die Aschenputtel-Geschichte auf die harte Männerwelt eines Drogenkartells. Einen Prinzen als Retter braucht Hauptfigur Teresa Mendoza allerdings nicht.

          Es ist ein Moment unsäglicher Pein, in dem Teresa Mendoza (Alice Braga) plötzlich eine Vision hat. Sie sieht sich ihrem zukünftigen Ich gegenüber, das ihr etwas mitzuteilen hat: „Ein Augenblick wie dieser bestimmt deine Zukunft“, sagt die künftige Teresa Mendoza zur Teresa der Gegenwart. Mit streng nach hinten gebundenen Haaren, großer Sonnenbrille und strahlend weißem Kostüm steht sie da, fast als Epiphanie einer Göttin, und beobachtet, wie ihr anderes Ich vergewaltigt wird. Von einem Mitglied des mexikanischen Vargas-Kartells, einem ehemaligen Partner von Teresas Freund – und dessen Mörder. „Du weißt, was du tun musst“, sagt die weißgewandete Teresa. In diesem Moment bekommt ihr jetziges Ich eine Waffe zu fassen – und drückt ab.

          Es ist ein Schlüsselmoment in der amerikanischen Serie „Queen of the South“, die nun auch in Deutschland angelaufen ist. Der Moment, in dem (auch ihr) klar wird: Teresa Mendoza ist keine, die ihr Schicksal einfach hinnimmt. Und es ist ein Vorgeschmack auf das, was diese Serie begleiten wird: Gewalt, Geld und knallharte Frauen, die sich anschicken, eine Männerwelt zu beherrschen.

          „Ich war arm, und ich war reich“

          Die Adaption der spanischsprachigen Telenovela namens „La Reina del Sur“ (Telemundo), die wiederum auf dem Roman des Spaniers Arturo Pérez-Reverte beruht, beginnt mit dem Ende ihrer Protagonistin. Teresa Mendoza – längst eine mächtige Drogenbaronin ähnlich der Figur „Elena“ aus Oliver Stones „Savages“ – hat sich gerade edles Koks durch die Nase gezogen und erklärt, sie beherrsche „das größte Drogenimperium der westlichen Hemisphäre“. Da knallt es schon. Von einer Kugel getroffen, sinkt ihr Körper zu Boden. Die Erzählung springt von hier in den mexikanischen Bundesstaat Sinaloa und zu Teresa Mendozas Vergangenheit.

          In knappen, dichten Szenen wird erzählt, wie sie sich in Guero (Jon Ecker) verliebt, einen Drogenkurier des berüchtigten Vargas-Kartells. Doch die Liebe währt nur kurz. Tragisch: Bisher wurde Teresa stets ausgenutzt; und ausgerechnet der eine Mann, der anders ist, musste verschwinden, weil er seinen Boss hintergangen hat. Zu allem Überfluss sind seine vermeintlichen Mörder nun auch hinter Teresa her. Wilde Verfolgungsjagden, Schießereien und eine Entführung folgen. Dann wacht Teresa in einem heruntergekommen Fabrikgebäude auf, wo sie Camila Vargas (Veronica Falcon), der eigentlichen Drahtzieherin des Kartells vorgeführt wird. Und weil diese dringend eine Drogenkurierin braucht – die letzte ist unglücklich verschlissen worden –, sieht Teresa ihre zweite große Chance und greift beherzt zu.

          Skrupellose Antiheldinnen

          Die Serie „Queen of the South“ teilt unmissverständlich mit, in welcher Liga sie spielen will: auf Augenhöhe mit einem Filmklassiker aus dem Gangster- und Drogenmilieu. Als Teresa vom Tod Gueros erfährt, läuft im Fernseher jene berühmte Szene aus „Scarface“, in der ein junger Al Pacino alias Antonio „Tony“ Montana dem Gegner seine „kleine Freundin“ (ein M-16-Sturmgewehr) vorstellt. Auch für den Soundtrack zur Serie ist der gleiche Mann verantwortlich wie für den Film „Scarface“: Giorgio Moroder (bei „Queen of the South“ in Zusammenarbeit mit Raney Shockne).

          Wie in „Scarface“ sind auch die Antiheldinnen dieser Serie skrupellos, kaltblütig und gieren nach Macht – die natürliche Folge einer langen Ohnmacht. „Ich war arm, und ich war reich“, sagt Teresa. „Reich sein ist besser, glaubt mir.“

          Camila Vargas und Teresa Mendoza, das sind Frauenrollen, wie man sie auf einem Sender wie DMAX, der sich vor allem an „echte Männer“ richtet, nicht zwingend erwartet. Und dennoch passt es irgendwie: „Queen of the South“ präsentiert klassische Männerrollen – nur, dass sie hier von Frauen verkörpert werden. Schließlich dürfen Männer seit jeher durchtriebene Schurken spielen, während Frauen selbst in starken Rollen meist tief im Herzen doch noch gut und fürsorglich zu sein haben. Damit bricht „Queen of the South“ radikal.

          Problematisch wird es bei der deutlich zu pathetisch geratenen Übersetzung ins Deutsche. Als hätte man davor gelegentlich einfach kapituliert, werden einige Szenen auf Spanisch gesprochen und (auch in der Originalfassung) mit Untertiteln versehen. Die Auswahl wirkt willkürlich, mal ist es eine Liebeserklärung, mal eine Beschimpfungstirade. Das wirkt ein wenig, als wollten die Macher der Serie zeigen: Seht her, unsere Schauspieler können auch Spanisch.

          Hart an der Grenze zum Kitsch sind die Begegnungen Teresas mit ihrem zukünftigen Ich. Von ihm wird Teresa stets mit rauchig-weicher Stimme und durch schicksalsschwangere Prophezeiungen beraten. Ein Kniff, ohne dessen ständige Wiederholung die Serie ebenso lebendig gewesen wäre. Das sind aber Makel, über die man mit Blick auf die starken Charaktere hinwegsehen kann. Hinwegsehen muss. Denn wer der Serie ein wenig Zeit gibt, der wird erfahren wollen, wie Teresas Geschichte zu Ende geht.

          Queen of the South läuft immer mittwochs ab 22.15 Uhr in Doppelfolgen auf DMAX.

          Quelle: F.A.Z.

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